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Infant Schools, ital. asilo infantile). An die
Krippen ſchließen ſich die Bewahranſtalten im
engern Sinne an, meiſt Bewahr- od. Klein-
kinderſ der vom 2. od. 3. bi8 6. od. 7. Jahre beſtimmt ;
ſie ſind außerordentlich zahlreich, beſonder8 in
Frankreich, England u. der Schweiz. In Frank-
reich entſtand 1779 die erſte vur< die Initiative
des Pfarrers Oberlin (ſ. d.) u. ſeiner Gehilfin
Luiſe Scheppler (1768/1837) in Waldbach im
Steintal (Elſaß). In Deutſchland wurden ſie
1802 durch Fürſtin Pauline v. Lippe (in Det=
mold) eingeführt, in Großbritannien 1800 durch
den Philanthropen u. Fabrikanten Owen in New
Lanark (Schottland) , in Öſterreich durch den
Kauſmann Wertheimer (Wien, 1830), in Ungarn
(Peſt, 1828) durch die Gräfin Thereſe Brun3-
wid-Korompa. Ihre Hauptverbreitung fanden ſie
bei un3 durch Frauenvereine, katholiſche Frauen=
orden, evangeliſche Diakoniſſenheime ſowie durch
Fabrikbetriebe od. durch ſpezielle Vereine u. Ge-
ſellſchaften („Verein zur Beſörderung von Klein-=
R." [Berlin, ſeit 1839]; „Oberlin = Verein“
[Berlin, ſeit 1871]). -- An katholiſchen K.
zählen wir in Preußen an 1200 (ungefähr die
Hälfte in Rheinland u. Weſtfalen), in Bayern
an 400 (beſonders in den Diözeſen Würzburg u.
München-Freiſing), in Württemberg 125. Die
Znnere Miſſion verzeichnete ſchon 1898 an 2700
mit 190 000 Kindern ; dazu kommen zahlreiche der
Vaterländiſchen Frauenvereine (in Preußen faſt
500); Öſterreich hat über 800 K. u. Kindergärten,
beſonders in Böhmen (ca 500), Ober= u. Nieder-
öſterreich, die Schweiz gegen 1000 mit 45 000 Kin=
dern. In Öſterreich-Ungarn u. einigen Schweizer
Kantonen beſteht geſeßliche Reglung der K.
Die Bewahrſchulen nehmen die Kinder meiſt
nur für einige Stunden de8 Vor- u. Nachmittag3
auf; hin u. wieder wird auch Mittagbrot ver
abreicht. Die Beſchäftigung der Kleinen geſchieht
meiſt durc Spiel, Geſang, Gebet u. religiöſe
Erzählung, Einprägen von Gedichthen. Neuer-
dings nehmen die K. immer mehr von der ſyſte |?
matiſchen Tätigkeit der Kindergärten (ſ. d.) an,
ſo daß eine Unterſcheidung oft ſchwer wird. Am
weiteſten ging in dieſer Verſchmelzung Ungarn
vor. Damit durc< die Bewahrſchulen die Pflicht
der Eltern, für ihre Kinder ſelbſt zu ſorgen, nicht
ganz aufgehoben wird, verlangen ſie durc Entſchädigung von wenigſten3 50 Pf. im Monat.
Die pädagogiſche Bedeutung der K.
wird nicht ſo hoch eingeſchäßt wie die der Kinder-
gärten, die aber erheblich mehr Koſtenauſwand
ſordern. Immerhin iſt e8 von hohem Werte,
daß die Kinder durch ſie frühzeitig an Ordnung
u. Neinlichfeit gewöhnt werden, worauf in den
Bewahrſchulen ganz beſonders geſchen wird. Sie
fördern ferner die körperliche Geſchilichkeit u. gei=
ſtige Gewecktheit, ſo daß die Schule ſpäter nicht
gar ſo ſc wöhnung zu tragen hat. Freilich iſt öfter -- nas=
Kinderfehler =- Kindergarten,

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mentlich in ſrüherer Zeit --- geklagt worden, daß
manche K. die Kinder zu ſchr mit Auswendig-
lernen, beſonder8 von Gedichten, u. auch mit
ſchulmäßigem Unterrichte in Leſen, Schreiben uſw.
quälten u, ſie dadurch für die Schule unluſtig
machten. Das muß natürlich vermieden werden.
Dic K. dürfen nur in dem Sinne Scule ſein,
daß bereits eine Gewöhnung an Klaſſenordnung
vy. Ruhe eintritt. Die Kinderzahl darf 60--70-
für eine Leiterin mit Gehilfin nicht überſchreiten.
In hygieniſ K. durch Übertragung anſte>ender Krankheiten
leicht gefährlich werden. Bei den Krippen iſt na=
türlich von vornherein ärztliche Leitung od. doch
dauernde ärztliche Überwachung erforderlich. Bei.
den Bewahranſtalten iſt vor allem darauf zu ſehen,
daß ſie nicht mit Krankenhäuſern in Verbindung.
ſtehen =- mindeſtens müſſen ſie beſondern Ein=.
gang von außen haben ---, u. daß die Leiterin-
nicht zugleich in der Krankenpflege tätig iſt, Außer=-
dem müſſen die Kinder bei der Aufnahme beſon-
der3 auf Unreinlichkeiten der Haut geprüft werden.
Die erſte Ausbildungsſtätte für Leite-
rinnen von K. (Kleinkinderlehrerinnenſeminar)
gründete Pfarrer Fliedner um 1840 in Verbin=
dung mit dem Diakoniſſen=Mutterhaus in Kaiſer8=
werth ; bedeutender aber wurde das heute nod
beſtehende muſterhafte Oberlinhaus des Frhrn
v. Biſſing-Beerberg (1800/80) in Nowawes8 b.
Pot8dam. -- Auf katholiſcher Seite ſind beſon=
der3 in Bayern frühzeitig ſol gründet worden, außerdem in Aachen, Köln u.
Breslau. Im allgemeinen lernten die Schweſtern
nur durc da3 Hoſpitieren in K., während in den
Seminaren hauptſächlich weltliche Lehrerinnen u.
Gehilfinnen herangebildet wurden. Jeht treten
die Kindergärtnerinnenſeminare an deren Stelle,
zumal nachdem Preußen ſtaatliche Prüfung hat.
Literatur. J. Hübener, Die kinderſhule (1888) ; N. Brückner, Erziehung u.
Unterr. v. Standpunkte dex Sozialpolitik (1895) ;
E. Hagenba<-Burc>hardt , Die Krippen u. ihre
ygien. Bedeutung (1899); &. Albrecht, Handb.
der ſo3. Wohlfahrtspfl. i. Deutſchl. (1902); Atha-
naſia u. Euſebia, Nüßl. Beſchäft. f. die Kleinen
(1904); K. Singer, Soziale Fürſorge (1904);
A. Hirk, Krippen, K. u. Kinderhorte (1906); A.
Uſſenheimer, Soziale Säuglings- u. Jugendfürſ.
(1910); Heller-Schiller-Taube, Handb, d. Kinder
ſchußes u. d. Jugendfürſorge (2 Bde, 1910 f; dort
auch franz. Lit.). [W. Lieſe.]
Kinderfehler ſ. Fehler der Kinder, Pſycho»
pathologie,
Kinderfeſte |. Schulfeſte.
KindDerforſchung |. Kinderpſychologie.
Kindergarten, 1. Aufgabe. Geſchicht-
liches. Der K. iſt eine Erziehungsanſtalt für
vorſhulpflichtige Kinder beiderlei Geſchlec Alter von 3--6 Jahren u. hat den Zwe, dieſe
nicht nur unter Aufſicht zu ſtellen, ſondern ihnen
auch eine Körper u. Geiſt entwikelnde Erziehung
angedeihen zu laſſen, ſie ſinnig mit der Natur
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