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inſpektor zugeſtellt werden ; dieſer bezeichnet ohne
Bezugnahme auf ſeine Quelle der Polizeibehörde
die Fälle, die ein ſtaatliches Eingreifen erfordern ;
auch die Erhebungen der Schulbehörden haben
den Gewerbeauſſichtöbeamten ſchon mehrfach als
Führer zum Geſeße8vollzuge gedient u, ſchäßen3»
werte Fingerzeige für die ſpätere Beſeitigung von
Mißſtänden enthalten. Die Gewerbeinſpektören
heben auch hervor, vaß ein derartiges verſtändnis-
volles Zuſammenwirken von Schule u. Gewerbe
inſpektion zu greiſbaren Neſultaten führte.
6. Statiſtiſc des Kaiſerl. Statiſtiſchen Amte38 (Jahrbuch u.
Vierteljahröhefte) bieten intereſſantes Zahlenma-
terial. Nah der Beruſszählung von 1895, die
jedod) keine genauen Ergebniſſe brachte, waren in
dieſem Jahre 214 954 Kinder unter 14 Jahren
in Deutſchland erwerbötätig; auf die Induſtrie
entfielen 38 267, auf die Landwirtſchaft 135 267,
auf das Handel8gewerbe 5296, auf ſonſtige
Dienſte 35 312. Die Erhebungen de8 Jahre3
1898, veröffentlicht 1900, brachten, obwohl Land=-
wirtſchaft u. Geſindedienſt ausgeſchloſſen waren,
ein weſentlich andre3 Bild; e8 wurden an Kin=
dern unter 14 Jahren, die außerhalb der Fabriken
gewerblich beſchäftigt waren, gezählt 544 283
(einſchließlich der in 40 Oberämtern Württem-
berg3 zwar nicht ermittelten, aber auf 12 000 ge
ſchäßten gewerblich beſchäſtigten Schulkinder). Da
die Zahl der volksſchulpflichtigen Kinder 8334919
betrug, waren 6,83 */, ſolcher Kinder gewerblich
tätig. Auf Preußen trafen hiervon 269 598 od,
5,18%,, auf Bayern 12997 od. 1,58*/,, auf
Sachſen 137 831 od. 22,80*/,, auf Sachſen=
Altenburg 5686 od. 19,24 ?/,, auf Schwarzburg
Nudolſtadt 2487 od. 16,42 */, der vorhandenen
Schulkinder. In einzelnen Hauzsinduſtrieorten
Sachſen-Koburg=-Gothas waren bi3 zu 86 /,, im
Kreiſe Sonneberg 57 % aller Schulkinder ge
werblich) tätig. Die Beſchäftigungsart verteilte
fich auf die Hilfeleiſtung in der Induſtrie mit
97,63*/,, im Handel mit 3,31 */,, im Verkehr
mit 0,51 %%, in Gaſt» u. Schankwirtſchaft mit
4,06 /5, im Austragdienſt mit 25,52 /,, in ſon=
ſtiger gewerblicher Tätigkeit mit 8,96 ?/,. Das
Ergebnis der i. J. 1904 veranſtalteten neuen Er=-
hebungen wurde biäher nicht veröffentlicht.
In Fabriken u. gleichgearteten Betrieben
waren in Deutſchland Kinder unter 14 Jahren
beſchäftigt: i. I. 1899: 7408; 1902: 8077;
1903: 8919; 1907: 13054; 1908: 12062;
1909: 11545; 1910: 12870. Die Zahlen für
die einzelnen Jahre ſind untereinander nicht ver-
gleichbar, weil dur< den ſtändigen Wechſel in der
Geſeßgebung immer wieder andre Grundſäße für
die Auszählung zur Anwendung kamen, Wegen
Zuwiderhandlungen gegen die Vor-
ſchriften de8 K.geſeßes8 von 1903 wur-
den Gewerbetreibende in Deutſchland verurteilt :
1905: 3009; 1906: 3286; 1907: 4219;
1908: 3697; 1909: 3117; 1910: 3723. Die

Kinderſchuß,
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Mehrzahl dieſer Zuwiderhandlungen trifft auf die
Beſchäſtigung fremder Kinder bei Botengängen
(8 8 des Geſekes): 1933, 2040, 2399, 2201,
1841, 2362.
B. Schutz gegen Vernachläſſigung u. Ver-
wahrloſung. Hier einſchlägig find die Beſtim-
mungen de8 B.G.B., die das Familien u. Eltern-
recht u. die Beſchränkung u. Entziehung dieſer Rechte
durch das Vormundſchaft8gericht betreffen, ferner
die Beſtimmungen über Fürſorgeerziehung (ſ. d.)
nebſt den einzelnen bundesſtaatlichen Ausführung3-
geſehen zur Zwangserziehung ; hierher gehören
ferner die Strafdrohungen der 88 361 Ziff. 4 u.
361 Ziff. 9, 361 Ziff. 5 u. 10 N.St.G.B. über
die Vernachläſſigung der Unterhalts8pflichten. Dem
HEN wurſ vor, der im Anſchluſſe an die reich8geſeß-
liche Straſdrohung gegen ſäumige Unterhalt8ver=
pflichtete (8 361 Ziſſ. 5 u. 10) Zwangzarbeit
vorſieht. Auch die Lande8geſeße über den Scul=
beſuch ſind hierher zu zählen.
0. Dem Scuße der Kinder gegen unſitt-
liche Angriffe u. Mißhandlungen dienen die
Straſdrohungen des N.St.G.B. in ſeinen 88 174
Ziff. 1, 176 Ziff, 1 u. 3, 182 184 184a 223ff
235 237. Gegen die Gefährdungen durch Shund=
literatur u, Kinematographen beſtehen noh keine
genügenden geſekßlichen Schußbeſtimmungen ; die
Schußvorſchriſten gegen Mißhandlungen ſind durch
die Novelle zum R.St.G.B, v. 19. Juni 1912
(in Kraft ſeit 5, Juli 1912) erweitert u. verſchärft
worden (8 223 3 Abſ. II NR.St.G.B.). Gefordert
wird in der Literatur ein eigne8 Jugendgeſeß, da3
alle Schußbeſtimmungen für Kinder enthalten ſoll.
1. Im Auslande. 1. Der große Fabrikſtaat
England hat zahlreiche Geſeße zum K. erlaſſen.
Die wichtigſten find : da3 Fabrik= u. Werkſtätten=
geſeß (Thes Factory & Workshop Act) von
1878; da3 K.geſeß (Prevention of Gruelty tc
Children Act) von 1891, 1897 ; das Geſez Em-
ployment of Children Act von 1903 u. das
umfaſſende Kindergeſeß (Children Act) von 1908
-- 2, Frankreid beſit ein Geſeß von 189€
bi3 1900, da3 die induſtrielle Kinderarbeit regelt
durch Verordnung von 1910 iſt da3 Höchſtgewid
der Laſten feſtgeſeßt, das Kinder u. Jugendlich
tragen od. befördern dürfen ; ein einheitliches Ar
beit8geſeh ſieht der baldigen parlamentariſche!
Erledigung entgegen. -- 3. In Öſterrei ent
hält die Gewerbeordnung Schußvorſchriften ſü
die Kinderarbeit; ſie gehen nicht ſo weit wie di
deutſchen Beſtimmungen. -- 4. Ungarn hat g(
ſeßliche Vorſchriften in den Geſeßzen Art. VI 1
XXI von 1901 ; dod dienen ſie mehr der Jugent
ſürſorge überhaupt al8 dem K. im Erwerbslebe
für ſich. =- 5. Die Mehrzahl der übrigen Stac
ten Curopa3, ſoweit ſie Schußgeſeßze haben, ve
bietet od. beſchränkt die Kinderarbeit. =- 6. D
Vereinigten Staaten von Amerika ke
nen zwar unermüdlich tätige Jugendſürſorgeve

einigungen u. erfolgreich tätige Jugendgeriä

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