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„Handbuch der techigmo della dottrina eristiana [1912] iſt
die Neligions8geſchichte ſchr gekürzt). Ein ſolcher
Anhang iſt gegenwärtig der einzige Leitfaden des
kirchengeſchichtlichen Unterricht8 in der Volksſchule,
der in den Lehrplänen u. in der Lehrpraxis durch-
weg ſehr a18 Stiefkind behandelt wird. Das Uu-
zulänglic die Erlangung eines beſſern in abſehbarer Zeit
aber bezweifelt, darum die Frage ſeiner zweck=
dienlichern Einrichtung erörtert (Katech. Blätter
1911, 41 ff).
11. Der Zweck der K. in der Volksſchule iſt
1. ein unterrichtlicher: Sie macht mit den
Schiſalen der Kirche nach dem Tode der Apoſtel,
dem Wirken bedeutender Perſönlichkeiten, dem
Aufblühen der Kultur u. Bildung unter dem Ein=
fluſſe der Kirche bekannt u. befriedigt dadurch das
intellektuelle Intereſſe der Kinder; 2, ein reli-
gid3-ſittlicher: Sie beſtärkt die Jugend im | F
Glanben durch den Nachweis, daß die katholiſche
Kirche die wahre iſt, an der ſich die göttlichen
Weisſagungen fortwährend erfüllen; ſie erweckt
das ſympathetiſche Intereſſe für die Kirche durch
die Erzählung von ihren Freuden u. Leiden,
ihren Gewinnen u, Verluſten, ihrem Aufblühen
u. Niedergang ; ſie erzeugt Liebe u. Anhänglich=
keit an dieſe durch die Schilderung ihrer wohl-
tätigen u. ſegensreichen Wirkſamkeit für die Völ-
ker; ſie regt zu tätiger Mithilfe (Gebet, Beteili
gung an Miſſionsvereinen) an ihren Arbeiten an;
ſie ſtellt in den großen Perſönlichkeiten der Jugend
Muſter zur Nachahmung im Streben nach Tugend
auf; 3. ein praktiſcher: Sie vermittelt das
Verſtändnis der religiöſen Erſcheinungen u. kir<-
lichen Einrichtungen der Gegenwart, von denen
manche auch die Kinder u. ihre Umgebung un
mittelbar berühren (Miſſion, Vereine, Klöſter,
Kollekten , Kirchen, Kirchendiener, Gottesdienſte
andrer Konfeſſionen uſw.) ; 4. ein apologe-
tiſc daß die Kirche unter göttlihem Scuße ſteht, der
bewirkt, daß die Pforten der Hölle ſie nicht über-
wältigen können, u. ſie hat vielfach Veranlaſſung,
Vorwürfe u. Verleumdungen ihrer Gegner zu
widerlegen. Wegen dieſer großen Aufgaben der K.
ſprechen ſich die neuzeitlichen Katechetiker faſt alle
für ihre Aufnahme in den Lehrplan der Schule
aus; Damroth (Katechetik [21891] 142) nennt ſie
einen weſentlichen Teil des Religion3unterrichts,
der ohne ſie geradezu unvollſtändig ſein würde.
DI. Die Stellung der K, im Neligionsunter-
richt wird verſchieden normiert ; die einen (Noſer,
Damroth, Kehrein-Keller) wollen ſie eng mit der
bibliſchen Geſchichte, die andern (M. J. Schmidt,
Deharbe, Zollner, Mehler) mit dem Katechi3mus-
unterricht verbinden. Die erſtere Verbindung be-
gründet F, Noſer (Katechetik [1901] 8 33) da-
mit, daß die K. ihrem Inhalte nach Fortſeßung
u. Vervollſtändigung der bibliſchen Geſchichte ſei,
die lehtere Verbindung wird von denen verteidigt,
Kirc
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welche die K. ebenſo wie die bibliſche Geſchichte
der Religionslehre dienſtbar machen wollen ; ſie
ſoll die hiſtoriſchen Beweiſe für dieſe liefern (Kon=
zil8entſcheidungen gegen Häreſien, Kirchenväter als
Zeugen der Tradition, Heiligenlegenden al8 Vor-
bilder tugendhaften Lebens), ſie ſoll die Gläubigen
an ihrer Mutter, der Kirche, die Eigenſchaſten
in hellem Glanze ſchauen laſſen, womit unſer Herr
„Feſus Chriſtus die allein wahre, von ihm geſtiſtete
Kirche ausgezeichnet hat. Für beide Verbindun
gen laſſen ſich gute Gründe geltend machen, beide
haben aber auch die ſchlimme Wirkung, daß die
K. gewöhnlich zu kurz kommt od. ganz vernach=
läſſigt wird (JI. Pötſch, in A. Rude8 Methodik I
[kath. Aus8g. 2?1912]).
IV. Die Stoſſanordnung der K. iſt in den
lekten Jahren am meiſten erörtert worden. Soll
fie biographiſch (in Zeit= u. Lebenabildern) ſein?
ür die erſtere Anordnung, wie ſie im Anhang
zum Deharbeſchen Katechi8mus vorliegt, iſt außer
Gatterer-Krus (Katechetik [? 1911] 135) nament-
lich P. Bergmann (Katech. Bl. 1911, 58 ff)
eingetreten : „Einzelbilder, weil nur zu oft der
lebendigen Verbindung entbehrend, die auch eine
künſtliche Brücke nicht zu erſeßen vermag, können
nicht den Einbli> in das Wachſen des Gotte3=
reiches, in das Wirken der geiſtigen u. Gnaden-
kräſte, insbeſondere in die ſichtbare Führung der
Vorſehung gewähren, wie ein Volksſchüler ſie
do< erhalten ſoll.“ Die meiſten Methodiker
(Damroth , Bauſchke, v. d. Fuhr, Jakſch) lehnen
aber für die Volksſchule die ſyſtematiſche, zuſam=
menhängende Behandlung der K. ſchon de8halb
ab, weil fie eine genaue Kenntni8 der Einzel=
begebenheiten vorausſeße, welche die bloße Auf=
zählung in den Abriſſen nicht vermittelt ; Pötſch
(bei Rude a. a. O. 1 82)ſpricht ſich gegen die Einzel-
bilder auf der Stufe der Darbietung aus didak=
tiſchen Gründen aus. Obgleich Keller bezweifelt,
daß die Auflöſung der K. in Einzelbilder in der
Schule praktiſch durchführbar ſei, erklärt er ſich
dod) für dieſe, aber unter der Bedingung, daß die
Bilder werden, daß ſie in ihrer Geſamtheit einen Über=
bli über die ganze K. gewähren, wie e3 im An=
hang des Augsburger Katechismus geſchehen ſei
(Katec die Vorteile der beiden Stoffanordnungen mitein=
ander zu vereinigen, der vielfach (3. B. von Noſer,
Baier, Scieſer) empfohlen, in einzelnen amtlichen
Lehrplänen vorgeſchrieben, in der Mehrzahl der
vorhandenen Hilfsbücher (z. B. von Scröder-
v. d. Fuhr, Thiel, Merſch, Baldus, Perk-
mann) durchgeführt iſt. P. Bergmann (Kate.
Bl. 1911, 60ff) ſchlägt dagegen zuſammen-
hängende Erzählung in der Weiſe Deharbes
mit Einſle denen die bedeutendſten Perſönlichkeiten od. Er-
eigniſfe eines Abſchnittes ausführlicher dargeſtellt
werden.

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