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einer Zeichnung A) den Auſbau Ilarzumachen,
ſtellt den Gedankengang ſeſt, faßt die Haupteigen-
haſten der Perſonen zu kurzen Charakteriſtiken
zuſammen 1. lenkt den Blik auf die Form der
Dichtung u. die Perſon des Dichters, -- Daß
man in andern Unterrichtöſjunden, wo es mögli
iſt, auf das Geleſene Bezug nimmt, um es no
zu vertiefen, iſt ſelbſiverſtändlich. Stets aber mu
je N.lektüre im Schulleben einen Höhepunkt be»
deuten; ſie ſoll den Geiſt mächtig erfaſſen, Herz
u. Gemfit mit idealen Vorſteklungen erfüllen u.
kräſtig nachwirkende Willensimpulje anregen, --
Vgl. auch den Art. Lektüre in Volksſchulen,
Literatur. A, Schiel, Zuſammenhäng. Lek»
türe i. d. Volksſchule (1907). [A. Schiel.]
Klaſſikervorſtellungen für Schüler.
Ju neuerer Zeit iſt e8 mehr u. mehr Üblich ge»
worden, daß auch die Bühne in den Dienſt der
Jugendbildung geſtellt wird. Dabei handelt e8
ſich nicht ſowohl um eigentliche Schuldramen
(ſ. Dramatiſche Auſſührungen), alſo nicht um
Velehrung in allerlei Wiſjen8gebieten od. gar um
Förderung ſeiner Lebensart, ſondern um Dar»
bietungen klaſſiſcher Dramen unſrer eignen
Nationalliteratur u, dann um ſol Antike u. des Auslandes in neuerer Zeit, die für
die Geiſte8» u. Derzensbildung unſrer deutſchen
Jugend in erſter Linie ſörderlich erſcheinen. Dod
braucht e3 nicht ausgeſchloſſen zu ſein, daß unter
gewiſſen Vorausſehungen auch Vorſührungen der
Schüler ſelbſt, wie ſie in den „Dramatiſchen Ver-
einen“ mancher Lehranſtalten gepflegt werden,
dieſen Zwecken dienlich ſein können, zumal da die
engen 11. vielſach lediglich formalen Geſicht8punkte
früherer Jahrh. nicht in Betracht kommen. Um
aber gerecht zu ſein, müſſen wir anerkennen, daß
zur Zeit dex Humaniſten wie aud) der alten Je»
juitenkollegien weder die goldne Zeit unſers deut-
ſchen Drama3 angebrochen war noc< die Stunde
nationalen Empfindens für die deutſche Welt ge-
ſchlagen hatte,
1. Thratervorſtellungen. Im allgemeinen iſt
in deutſchen Landen der Beſuch de3 Theaters
durch Schüler, beſonder3 jüngere, gebunden an
die ausdrückliche Zuſtimmung der Eltern, u, bei
Schülern, deren Eltern nicht am Orte wohnen,
an die Genehmigung de3 Direktors od. Klaſſen-
leiters. Da aber in unſrer Zeit unvergleichlich
mehr als ſrüher da3 Bedürſni3 der Jugendbildung
auch von den Vertretern der Schauſpielkunſt er-
kannt u. berückſichtigt wird, ſo iſt der Beſuch des
Schauſpielhauſes durch Schüler neuerding3 ſchr
viel ſtärker als in alter Zeit. Pflicht der Schule
iſt e3 natürlich nach wie vor, daß ſie über eine
geeignete Answahl der vorzuführenden Stücke
wache 11. überhaupt das rechte Maß u. Ziel auch
in dieſem Punkte nicht aus den Augen verliere.
Unterſcheiden kann man zwiſchen Vorſtellungen,
die ausſchließlich od. in erſter Linie für Sc<üler
dargeboten werden, u. ſolchen, die ſür ſie beſonders
geeignet ſind u. deren Beſuch etwa durch ermäßigtes
Klaſſikervorſiellungen für Schüler.

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Eintritt8geld erleichtert wird. Wenn aber die
rechte Orn au8 dem Theaterbeſuche gewonnen
werden ſoll, ſo wird vielfach eine vorherige Ein»
[pr in das jeweilige Drama ſtatiſinden müſ-
en, Beſonder3 ſruchtbar wird ſich alſo der Theater-
beſuch geſtalten können, wenn er ſich an die be-
endete Schullektüre eines dramatiſchen Meiſterwer-
kes anſchließt. Wenngleich in erſter Linie für die
deutſche Jugend die Werke der klaſſiſchen Zeit in
Betracht kommen, ſo wird doch die nachgoetheſche
Dramatik ein ſehr beträchtliches Feld behaupten
müſſen, ſo beſonder8 Hebbel u. Grillparzer. Aber
auc< die Meiſter des Dramas der Gegenwart
werden nicht leer ausgehen dürfen; wenngleich
hier ſelbſtverſtändlic die vorbengende Überwachung
der Schule beſonders vorſichtig verfahren muß, ſo
wird doh eine übertriebene Beſchränkung in
der Negel, beſonders in der modernen Großſtadt,
einen Schlag ins Waſſer bedeuten, indem die ältern
Schüler exſt recht der verbotenen Frucht, nun auc
der mit vollſtem Nechte verbotenen, nachlaufen od.
gar ſich dem Kino-Elend um ſo mehr überant-
worten, Umſichiige Direktoren werden da, wo
niehrere höhere Anſtalten vorhanden ſind, ſich gern
zuſammenfinden, um mit der Leitung der in Be-
tracht kommenden Bühnen gemeinſam Fühlung
zu nehmen.
11. NR. der Schüler. Während in den Schulen
alten Stils, die auf den Schultern des italieni-
ſchen Humanis8nms8 ruhten, antike Klaſſiker bei
den Schulaufführungen ſaſt nur inſoweit berüd-
ſichtigt wurden, als ſie der lateiniſchen Sprach-
ewandtheit dienen konnten (ſ., Dramatiſche Auſ-
führungen), haben die veränderten Bildungzsziele
unſrer Zeit einen geſunden Wandel geſchaffen.
Die edelſten Erzeugniſſe der altgriechiſchen Muſe
ſtehen, ſoweit die Antike in Betracht kommt, im
Vordergrunde. Gelegentlich wird ſogar der grie-
Dod empfichlt ſich die3 zweiſello3 nur da, wo
beſonder8 günſtige Vorbedingungen gegeben ſind
1. wo vor allem ein vollkommen tüchtiger Spiel-
leiter die Gewähr des Gelingen8 bietet. Im
Vordergrunde ſtehen Sophokles? Dramen, in
erſter Linie „Antigone“, dann „König Odipus“ ;
auch „Aja3“ u. „Philoktet“ ſind ſchon gewählt
worden. Da wo „Antigone“ im engern Nahmen
der Schule gegeben wird, empfichlt ſich die deut-
ſche Bearbeitung von Joh. Alf. Simon,
111. Die Nationalſfeſtſpiele für die deutſche
Jugend. Von beſonderer Bedeutung ſür die He-
bung des erziehlichen Einfluſſes der K. iſt der
1906 unter Führung de3 Weimarer Literar-
hiſtoriker8 Adolf Bartel3 gegründete Deutſche
Schillerbund, der ſich die Abhaliung jähr=
licher Nationalſeſtſpiele für die deutſche Jugend
beider Geſchlechter am Hoftheater zu Weimar
zur Auſgabe geſiellt hat. Seit 1909 finden die
Spiele regelmäßig in je 8 Spielwochen (Ende
Juli u. Anfang Aug.) ſtatt ; der Beſuch war bisher
ſtark, u, die Feſte ſind zweiſello8 anregend verlau-

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