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Schuldirektor. Er ſtarb am 80, Jan, 1865 in
Hannover,
II. Charakieriſtik, K. verdankte ſeine Erfolge
als Lehrer u. Organiſator des Schulweſens in
Weſtfalen u. Hannover ſeinem vielſeitigen Wiſſen
y. ſeinen edeln Charaktereigenſchaften. Er beſaß
eine tieſe Neligioſität u. war allem konſeſſionellen
Hader abhold. In den Anweitungen an die Lehrer
etonte er ſtet3, daß der Lehrer am nachhaltigſten
durch ſeinen eignen Charakter auf die Jugend
wirke. An den höhern Schulen legte er mehr, als
biöher geſchehen, Gewicht auf Naturbeſchreibung,
Naturlehre, Turnen u. zuſammenhängende deutſche
Geſchichte, die er ſelbſt in mehrern Büchern mit
patriotiſchem Schwunge darſtellte, Er betrachtete
es als ein Zeichen der Verweichlichung unſrer
Zeit, daß ſo oft über die Überanſtrengung der
Schuljugend u. über da8 Screekbild der Reiſe=
prüfung geklagt werde, Seine Anſichten hierüber
begründete er näher in einem Auffaße in Müßels
„Zeitſchrift f. d. Gymnaſialweſen“ (1856), Um die
hannoverſche Lande3geſchichte, die Sammlung ger=
maniſcher Altertümer u. geſchichtlicher Denkmäler
erwarb er ſich Verdienſte als Vorſißender des „His
ſtoriſchen Verein3 für Niederſachſen“.
111 Schriften. „Die Geſchichten u. Lehren
Alten u. Neuen Teſt, zum Gebrauche der Schüler
Uu. de38 Privatunterr. (1811, 291885); „Anleit.
f. Volksj ſchichten u. Lehren der Hl. Schrift“ (1811, 1837);
„Handbuch |f. Lehrer höh, Stände u. Schulen zu
den Geſchichten derHl. Schrift" (1811); „Chrono=
log. Abriß der Weltgeſch. für den Jugendunterr.“
(1814, 181861); „Deutſchland8 Zukunft in 6
Reden“ (1814); „Die deutſche Geſch. für Schulen“
(1. Abt. 1816; 2. Abt. 1817; 3. Abt. [ „Die deut=
ſchen Freiheitäkriege 1813/15“] 1819, 111890);
„Bemerk, üb. die Stufenſolge des Geſchichtöunterr.
in den höh. Schulen“ (1818 ; aus d. „Handb, [.
Lehrer“ abgedr.); „Kurze Darſtell. d. deutſchen
Geſch. für Volksſchulen“ (1822, 181894 umgearb.
von Fr. Neubauer) ; „Bildniſſe der deutſchen Könige
u. Kaiſer von Karl d. Gr. bi3 Maximilian 1.“
(1.--7, Hft 1844 f; 8. Hft 1847); „Das höh.
Schulweſen des Königr. Hannover ſeit ſeiner Or=
ganiſation i. J. 1880“ (1855); „Karl With.
Kortüm, Ein Lebensbild“ (1860: anonym); „Er-
innerungen aus meinem Leben“ (1863).
HSiteratur. (C. Schmalfuß,) F. K. Nekrolog
(1867); Kämmel: Allg. Deutſche Biogr. XV1 (1882)
450/453. [K. Hoeber.]
Kollegialität, 1. Weſen u. Aufgabe der
NK. Gleicher Stand, gleicher Beruf, gleiches Amt
bringen viele gemeinſame Intereſſen, gleiche Pflich-
ten u. Rechte, oft die Pflicht mit ſich, in einträch-
tigem Zuſammenarbeiten die gemeinſame Auſgabe
zu löſen. Da3 iſt namentlich der Fall in Körper-
jchaſten , die im Dienſte allgemeiner Wohlfahrt
ſtehen, ſo auch bei dem Lehrerſtand im ganzen u.
beim einzelnen Lehrkörper einer Anſtalt. Die Auf=
gabe de5 Werkes der Erziehung u. de8 Unterrichts,
Kollegialität.

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die Pflicht der Lehrer, für die Jugend Vorbilder
zu ſein, gebietet den Amt3genoſſen einheitliche3
Zuſammenwirken, treue8 Zuſammenhalten, gegen-
ſeitige Unterſtüßung in Erfüllung der Obliegen-
heiten des Berufe3 u. Amtes, mit einem Worte,
K., d. i. Amtsbrüderlichkeit. Sie iſt Kamerad=
ſhaſtlichfeit Gebildeter u. fordert Höflichkeit,
Nücſichtnahme, Anſtand, Gefälligkeit im Verkehr
mit den Amt3genoſſen, Bereitwilligkeit zu Beiſtand
mit Rat u. Tat in den Amtsgeſchäſten, beſonder3
gegenüber den neu in da3 Kollegium tretenden
jungen Lehrern, die ihrerſeit3 den ältern Herren
gegenüber Beſcheidenheit u. Zuvorkommenheit betä-
tigen möſjen u. nicht dazu berufen ſind, über deren
„Rädjtändigkeit“ u. Schwäden zu Gericht zu ſiken.
1. Störungen der K, Einbildung, Über-
hebung, Strebertum, Eiferſucht, Mißgunſt find
Feinde der K., die auc Störung erfahren kann durch Zwiſtigkeiten zwi-
ſchen Chefrauen od. andern Familiengliedern der
Kollegen od. dur< da3 Verhalten eine3 Lehrer-
kindes gegen ſeinen Lehrer. Lehrerkinder glauben
mitunter „ſich etwas herau8nehmen zu dürfen“,
weil ihr Vater dem Lehrkörper angehört , ſtehen
aber auch unter ſchärferer Kontrolle al3 ihre Ka-
meraden Uu. werden vielleicht ſtrenger als dieſe be»
urteilt. Überempfindliche Amts8genoſſen ſind zu-
weilen geneigt, die ihren Kindern zu teil werdende
berechtigte u. gerechte Behandlung übel aufzu=-
nehmen. C3 gibt aber auch überſtrenge Lehrer,
die gerade an Kollegen-Sprößlingen ihre „Ges
rechtigkeit“ beweiſen, was nicht notwendig er=
ſcheint. Man ſoll mit den Eltern ſich über deren
Kinder beſprechen -- warum tut e3 der Kollege
nicht mit dem Kollegen, dem Vater ſeines Schü-
ler8, beizeiten u. in aufrichtiger Fürſorge ? Be-
vorzugen iſt das nicht! Unkollegial handelt ein
Lehrer, der Über ſeine Kollegen anzügliche, nich!
mißzuverſtehende Bemerkungen vor andern od.
gar vor ſeinen Schülern ſallen läßt. EZ iſt un:
kollegial, Schüler, die man mit dem neuen Schul:
jahre aus der Hand eines andern Lehrers erhält
al3 unwiſſend zu bezeichnen mit Äußerungen wi
„Xhr habt ja gar nicht3 gelernt!“ u. dem Schul
leiter ſofort mit dergleichen, gewöhnlich unbegrün
deten Beſchwerden zu kommen. Cine arge Geſah
für die K. iſt vor allem die Bildung politiſche
od. konfeſſioneller Parteigruppen innerhalb eine
Lehrkörper3. Kollegial ſoll ſich der akademiſch ge
bildete Lehrer auch gegen den ſeminariſch ge
bildeten, der Schulleiter gegen die Lehrer be
nehmen u. dieſer nie vergeſſen, daß er „Kollege
war 1. e38 auch als Vorſteher bleibt, wenn er ſic
nicht bloß als „Vorgeſeßter“ fühlt, ſondern al
erſtes Mitglied eines gemeinſam arbeitenden Leh:
körper3, Sein Beiſpiel fördert am meiſten wahr
geſunde K., die nicht zur Duzbruderſchaft zu we
den braucht, Gemeinſame Veranſtaltungen, Au:
flüge, Bälle, Spiele (Kegel, Tennis uſw.) bring;
zwar die Zunftgenoſſen u. deren Familien
nähere, oft freundſc

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