1841
große Bedeutung der Miſſionen für die Er-
ſchließung der Kolonien wird auch vom Staate
anerkannt, Die Miſſionsſchulen ſind überall die
älteſten u. die zahlreichſten Bildungsanſtalten der
Kolonien, Der Miſſionär legt wie der Staat eben=
ſalls Wert auf die Heranbildung einer wirtſchaft-
lich brauchbaren Bevölkerung, „Daher finven wir | (
bei nahezu allen Miſſions8geſellſchaften auch Unter-
richt8anſtalten. Schon die Beſchäftigung im
Pflanzungsvetriehe erfordert neben körperlicher
raſt eine gewiſſe geiſtige Schulung. . . . Vol-
lend3 unentbehrlich wird ein gewiſſes Maß von
Einſicht bei den zahlreichen Gehilfen, die jeder
Europäer braucht, der mit Maſchinen od. feinern
Werkzeugen zu Hauſe od. auf dem Felde arbeitet,
ferner bei den Auſſchern u. Schreibern, den Unter=
bedienſteten u. Handwerkern. Daher richteten ſich
die Beſtrebungen der Negierung von Anfang an
dahin, unſre überſeeiſche Jugend in beſondern
Unterricht8anſtalten für ſol bilden“ (Barth, Unſre Schußgebiete).
Die verſchiedenen Miſſionsgeſellſchaſten unter=
halten gegenwärtig in den deutſchen Shußgebieten
rund 2000 Schulen, die den Charakter von Ele-
mentarſchulen haben, indem ſie in Neligion, Leſen,
Schreiben, Rechnen u. Singen unterrichten. Bei
zufriedenſtellenden Leiſtungen im Deutſchen ge-
währen die Landes8kaſſen namhafte Zuſchüſſe. Die
NRegierungsſchulen erſtreben etwas höhere Unter-
richt3ziele u. erteilen auch meiſt Handfertigkeit3=
unterricht durch tüchtige Handwerks3meiſter. Nicht
ſelten (z. B. in Tanga, Oſtafrika) iſt ihnen eine
Schülerkapelle angegliedert. In Oſtafrika beſtehen
meiſt eigne Inderklaſſen u. A8kariſchulen, d. h.
Klaſſen für die eingebornen Soldaten. Die Re-
gierungsſchulen für die Europäer ſind oft höhere
Lehranſtalten mit Berechtigungen, z. B. in Tſing-=
tau (ſ. Deutſche Schulen im Auslande).
11. Die Schulen in den einzelnen Kolo-
nien. Nach dem amtlichen Jahre8berichte (hr3g.
vom Neichskolonialamt) für 1911/12 beſtanden
in den einzelnen Kolonien folgende Schulen:
Oſtafrika: 4 Regierungöſchulen für Europäer
(Dar e3-Saläm, Aruſha, Oldonyo Sambo, Le-
ganga) mit 5 Lehrern; 20 Schulen für Einge-
borne (z. B. in Tanga, Pangani, Bagamojo,
Dar e8-Saläm, Kilwa, Lindi, Tabora, Bukoba,
Muanſa, Sſongea, Neu=Langenburg, Morogoro,
Mpapua) mit 10 deutſchen u. 135 Hilfslehrern
u. 5155 Schülern. Faſt überall ſind Handwerker-
ſchulen angegliedert ; ferner 3 Miſſionsſchulen für
Europäer (Dar e8-Saläm, Tandala, Mlalo) u.
1279 Miſſionsſchulen für Cingeborne (718 ka=
tholiſche u, 561 andre, mit 77505 Schülern
(48 558 katholiſchen u. 28 947 andern). Die ka-
tholiſh Benediktinern (189), Vätern vom Hl. Geiſte
(291) u. Weißen Vätern (238).
Kamerun: Regierungöſchulen in Duala,
Victoria, Yaunde u. Garua mit 868 Schü-
lern. Die Miſſionsſchulen (darunter 109 katho=

Kolonialſ
1342
liſche) haben in8geſamt 33 157 Schüler (10 276
katholiſche).
Togo: Miſtionsſchulen : 179 katholiſche Kna-
benſchulen, 9 katholiſche Mädchenſchulen, 5 Klein=
kinderſchulen, 1 Fortbildungsſchule (Lome), 1
Lehrerjeminar (Miſahöhe) u. 1 Handwerkerſchule
Lome) ; zuſammen 6571 katholiſche Knaben u.
1207 katholiſche Mädchen. Die evangeliſche Nord=-
deutſche Miſſion unterhält 158 Knaben=, 2 Mäd-
d (Lome) u. 1 Lehrerſeminar (Miſahöhe) mit ins-
geſamt 4489 evangeliſchen Knaben u. 1464 evan=
geliſchen Mädchen. In Anecho unterhält dazu die
Wesleyaniſche Miſſion 6 Schulen mit 506 Kna-
ben u. 69 Mädchen.
Südweſtafrika hat Schulen in: Aus, Gi-
beon, Gobabis, Grootfontein, Karibib, Keet-
man8hoop, Klipdam, Kub, Lüderikbucht, Malta-
höhe , Okahandja , Omaruru , Swakopmund,
Ujakos, Warmbad, Windhuk u, Klein-Windhuk,
zuſammen mit 671 Schülern (577 evangeliſchen,
65 katholiſchen, 29 jüdiſchen), 15 Lehrern u. 15
Lehrerinnen. Swakopmund hat außer der Ge=
meindeſchule eine höhere Knabenſchule, Windhuk
eine Gemeindeſchule, eine Realſchule u. eine ka=
tholiſche Miſſionsſchule,
Zn Auſtralien (Deutſ ſowie Arc vom heiligſten Herzen Jeſu 111, die Mariſten
(?) Schulen mit 360 Schülern, die Geſellſchaft vom
Göttlichen Wort 23, die Kapuziner 14, die Me=
thodiſtiſche Miſſion8geſellſchaft 382, die Lieben=
zeller Miſſion 13 u, die Boſtoner Miſſion 21
Schulen. Die katholiſchen Miſſionen ſind vorherr=
jehend auf Gazellehalbinſel, Neume>lenburg, Mar-
ſhallinjeln, Salomonsinſeln, Friedrich-Witlhelms-
haſen, Jap, Palau, Marianen, Oſt-Karolinen.
Kiautſc höhere Lehranſtalt (Reform=Realgymnaſium) mit
135 Schülern (90 Knaben u. 45 Mädchen). In
den Mittelklaſſen wird Latein gelehrt. Der erfolg-
reiche Beſuch von Unterſekunda verleiht die Be-
rechtigung zum einjährig=freiwilligen Militär=
dienſt. Ferner beſteht eine ſtaatlihe Mädchen=
ſchule. Jm Landgebiete gibt e8 eine Anzahl
Dorſſ 29. Okt. 1909 eine deutſch- eröffnet worden, die von Anfang an ſtark beſucht
wurde (110 Schüler). Vgl, auch den Art. Deut=
ſc UI. FN. al3 Vorbereitungsſtätte für die Kolo-
nien gibt es in Deutſchland 4: in Wikenhauſen
a. d. Werra, 1899 vom Evangeliſchen Aſrikaverein
gegründet (Hr3g. des „Deutſchen Kulturpionier3“,
eit 1900); die von den Oblaten von der unbe=
ledten Jungfrau Maria gegründete u. geleitete
Kolonialmiſſionsſ Treis a. d. Moſel (ſeit 1903, früher in Hünfeld
bei Fulda) ; die Kolonial-Frauenſchule in Weil-
bach b. Flöröheim u. die Kolonial-Haushaltungs=
ſchule in Karthaus bei Trier. In dieſen Anſtalten

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