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wieder. So tritt z. B. im Bildungsplane immer
wieder die Geſchichte auf, freilich in jehr verſchie-
dener Verwendung. Auch der Forderung der Er-
ziehung zum Menſchen al8 der Grundlage wahrer
F. begegnen wir immer von neuem. Cine Wer-
tung im einzelnen könnte ſich nur auf eine voll
ausgebaute Pädagogik gründen, die vor allem die
ſozialen Geſichtöpunkie nicht außer acht läßt u.
ich nicht nur der Schwierigkeiten der F. im be-
ondern, ſondern auc ziehung wohl bewußt bleibt.
Hiteratur. Für die Geſch. der Theorie der
F. vor allem das gen. Werk von Münch. Eine
vollſtändige Geſch., die auch die hiſtor. Zuſammen-
hänge bis ims einzelne verfolgt, exiſtiert nicht. Dar-
ſtellungen der prakt. Erziehung in einigen Fürſten»
häuſern finden ſich für Deutſchland in N. Nehrbachs
NM. G. PV, (bis 1912: 50 Bde), für verſchiedene
Länver in Monographien. Ein ſtändiges Referat
über „Prinzenerziehung“" bringt nun der von der ||
„Geſellſch. |. dtſch. Erziehungs- u. Schulgeſch."
hrög. „Hiſt.-»pädag. Lit.»Bericht".
[G. Grunwald.]
Fürſtenſchulen. 1. Begrifſu. Gründung-
F. od. Landeöſchulen (heute in Sachſen offiziell
„Fürſten» u. Landesſchulen“ genannt) werden die
3 im ehemaligen albertiniſchen Sachſen gelegenen
höhern Schulen zu Pſorta, Meißen u. Grimma
enannt, die von dem Herzog Moriz im 16. Jahrh.
ür lutheriſche Zöglinge des ganzen Landes aus
den eingezogenen Kloſtergütern gegründet wurden.
Während die ſrühern Lateinſchulen Kloſter» od.
Stadtſchulen waren, übernahm nunder Lande3jfürſt
die Sorge für die Gelehrtenſchulen ſeine3 ganzen
Lande3, die von jungen Edelleuten, Bürger- u.
Bauernjöhnen beſucht werden konnten. Daher der
Name. Das proteſtantiſche territoriale Kirchen-
weſen zog ein terrikoriales Schulweſen nach ſich.
Die F. ſtanden in der Mitte zwiſchen den Latein-
ſchulen u, den Univerſitäten, auſ dieſievorbereiteten,
Sie dienten wie jene in erſter Linie der AuBbil-
dung künſtiger Theologen, doch ſollten ſie mehr als
jene zugleich auch „andre gelehrte Leute“, nämlich
Staatsdiener u. Beamte, vorbilden u. ſind ſo ſür
das proteſtantiſche höhere Schulweſen in Deutſch-
land von Bedeutung geworden.
In ihrer innern Cinrichtung behielten ſie viele3
von den klöſterlichen Anſtalten bei. Alle Lehrer
mußten Theologen u. unverheiratet ſein, die Alum»-
nen wohnten zu je 2 od. 3 in einer unheizbaren
Zelle, die ſie ſelbſt zu reinigen hatten. Man
ſtudierte in dem mit Öfen verſehenen 1octorium
od. coonaculum. Zum Waſchen benußten alle
Zöglinge einen im Hoſe aufgeſtellten Brunnen-
trog. Zahlreiche Andachtäübungen waren in das
Tagtewerk eingefügt, während des Eſſjen8 wurde
vorgeleſen, Über die Qualität der Speiſen kamen
viele Klagen vor; ſonſt waren die Portionen reich»
lich, u. nur vereinzelt wurden auch dieſe bemängelt.
In der Anſtalt ſelbſt bac>te, ſchlachtete u. braute
man, Cine beſtimmte klerikale Tracht war vor-
geſchrieben : ein kurzer Mantel, Scholana genannt
Fürſtenſ
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(daher Schalaune), u, eine hohe runde Mühße (der
jog. Spanier in Pforta). Die Diſziplin war
ſtreng, Rute u, Geſängnis8 bei Waſſer u. Brot
kamen in Anwendung. Bei großen Vergehungen
wurde der Betreſſende vor den Augen ſeiner Mit-
ſchüler von den einzelnen Mitgliedern des Lehrer-
follegium8 der Reihe nach „kaſtigiert“, u. noch zu
Anfang des 18. Jahrh, bemühte ſich das geſamte
Kollegium der Meißener Schule vergeblid) um
Erlaſſung dieſer Pflicht, Dem Unterrichte lag mit
einigen Erweiterungen Melanc Schulordnung v. 1528 zugrunde. Gelehrt wurden
die Fächer de3 Trivinm8: Grammatik, Rhetorik,
Dialektik, u. drei Sprachen : Latein, Griechiſch,
Hebräiſch. Das gewandte lateiniſche Sprechen im
ciceronianiſchen Stile blieb ein Hauptziel, darum
war den Schülern auch im Verkehre miteinander
der Gebrauch der lateiniſchen Sprache vorge-
II. Entwitklung der F. bi8 zum 19, Jahrh.
Die weitere Entwicklung der F. ſpiegelt die kul-
turellen Verhältniſſe der Zeit wider. Man ſah
auf ſtrenglutheriſche Orthodoxie gegenüber dem
Kalvinismus. In Meißen wollte man neben der
Schule ein beſonderes theologiſches Seminar grün»
den 1u,, als dieſer Plan mißlang, die drei F. zu
iheologiſchen Schulen machen u. daneben eine be»
ſondere Schule für den Adel einrichten, wogegen
aber die Stände ebenſo auſtraten wie gegen die
Abſicht de38 Adels, eine von den F. ausſchließlich
für den eignen Nachwuchs zu beſtimmen. Im
17. Jahrh. wurden die theologiſchen Kämpfe durch
die Kriegswirren abgelöſt, die auch für die Schu-
len manche Diſziplinloſigkeit mit ſich brachten u.
einen rohen Bennali3mus auſkommen ließen. Der
Aberglaube jener Zeit führte zu wiederholten Un-
terjuchungen gegen Schüler, die im Rufe ſtanden,
Verkehr mit dem Teufel zu haben od. Zauber-
bücher zu beſihen, Die Didaktiker des 17. Jahrh.
erlangten auf den Lehrbetrieb in den F. keinen
Einfluß, ebenſowenig zunächſt der Pictiömus u.
Rationali8mus , gegen die ſich Sachſen heſtig
wehrte, wenngleich dieſe Strömungen für die Mil-
derung der Diſziplin nicht ganz ohne Bedeutung
geblieben ſein werden, Für die allmähliche, wenn
auch zunächſt nur ſpärliche Pflege der deutſchen
Sprache wurden wichtig die deutſchen Sprach-
gejellſchaſten u. der Auſſc Opitz u. Gottſched. In Pforta entſtand 1740 ein
poetiſche8 Kränzchen, deſſen bekannteſte Mitglieder
Klopſto>, J. E. u. J. A. Schlegel waren. Um
jene Zeit ſtudierten in Meißen Gellert, Gärtner,
Rabener, I. H. Schlegel u. Leſſing. Das neu
erwachte Intereſſe für die deutſche Sprache kam
au) dem lateiniſchen Unterrichte zugute, in dem
ſich die äſthetiſche Seite u. Literaturgeſchichte ſo-
wie Nealkenntniſſe in den Vordergrund drängten
gegenüber dem grammatiſchen Formali8smus
früherer Zeit. Selbſt Sulgärten wurden ge-
gründet. Troß alledem fehlte e3 nicht an Ans
griſſen gegen die F., u. ſie hatten den neu auf»

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