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blühenden Philanthropinen gegenüber nicht immer
einen leichten Stand.
III. Seßte Entwieklung u. gegenwärtiger
Stand. 18165 kam Pforta an Preußen, das ſich
der neu gewonnenen Anſtalt kräſtig annahm u.
1817 dort das Abiturientenezamen einführte, wo»-
mit die alten Sprachen als grundlegend anerkannt
waren. Männer wie Thierj<, die Brüder Ranke,
Jahn u, Boniß haben dort ihre Jugendbildung
erhalten. Wenn bi8 dahin nur Freiſtellen geweſen
waren, ſo kamen nun auch vollzahlende Koſtſtellen
hinzu. Das Recht der Beſeßung erkauften ſich für
viele Stellen der Krieg3=, der Unterricht8= u. der
Juſtizminiſter ſowie der Oberkirhenrat. Durd das
Abiturientenexamen u. die Umgeſtaltung der Lehr-
pläne für Gymnaſien in der lekhten Zeit wurde
naturgemäß die früher weitgehende Freiheit in der
Aus8wahl von beſondern Lieblingsſtudien, ins-
beſondere auch der Privatlektüre, erheblich ein=
geſchränkt, aber grundſäßlich nicht aufgehoben. So
beſteht noh heute der ſog. Studientag (ſ. d.), ein
unterrichtöfreier Tag in jeder Woche für private
Studien, u. von den meiſten Schülern wird no
der ganze Homer durchgeleſen. Eine freiere Selbſt-
tätigfeit läßt ſich um ſo eher erzielen, als das Bene-
fizienweſen eine freiere Auswahl der Schüler ge=
ſtattet u. ſolche, die nur die Berechtigung zum
einjährigen Militärdienſte erlangen wollen, aus8>=
geſchloſſen ſind. Durd) da38 Alumnat5weſen iſt e3
ermöglicht, daß die ältern Schüler ſic der jüngern
Fußball -- Galura.

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fräftig annehmen, wie denn die Primaner dreimal
wöchentlich Nepetitionsſtunden erteilen. Der Geiſt
der Zuſammengehörigkeit, der ſich dabei entwickeln
kann, u. die ſpätere Anhänglichkeit an die Anſtalten
kommt zum Ausdruce in dem „Verein ehemaliger
Fürſtenſchüler“, der 1875 gegründet wurde u.
1900: 1589 Mitgliederzählt, nämlich von Grimma
657, von Meißen 547, von Pforta 346 u. als
außerordentliche Mitglieder die 39 Lehrer der Sc len, Die beiden ſächſiſch gebliebenen F. Grimma
u. Meißen ſind im allgemeinen dem preußiſchen
Vorbilde geſolgt. Do haben es die Zeitverhält=
niſſe mit ſich gebracht, daß ſich der Lehrbetrieb in
allen 3 Anſtalten mehr u, mehr den Gymnaſien
angleichen mußte.
Literatur. Pertuch, Chronicon Portenge
(Leipz. 1612); F. K. Kraft, Die Landesſchule
Pforta (1814) ; Kir in ihrer geſchil. Feſtſchr. z. Säkular-
feier (1843); W. Corſſen, Altertümer u. Kunſt
denkmäler uſw. des Ziſterzienſerkloſter3 St Marien
u. der Landes8ſchule zu Pforta (1868); Th. Flathe,
St Afra (1879; ſehr brauchbar) ; H. Peter, Die
Pflege d. deutſch. Poeſie auf d. ſächſ. F. (Mitteil.
des Ver, f. Geſch. d. Stadt Meißen 1, 3); F.
Paulſen, Geſch. d. gelehrt. Unterr. (2 Bde, ?1896f);
W. Rein, Enzyklop. Handb. d. Pädag. 111 (21905).
[G. Grunwald.]
Fußball ). Spiele.
Fußbekleidung der Kinderſ. Kleidung.
Fußwanderungen |. Schulreiſen.
G.
Gabelsberger ſ. Stenographie.
Gallißin, Fürſtin Amaliev., ſ. Fürſten-
berg, Overberg.
Galura, Bernhard. I. Lebens8gang, G.
wurde geboren am 21. Aug. 1764 zu Herbolz=
heim (Baden), ſtudierte 1783/87 Theologie in
Freiburg i. B., ging 1787 nad) Wien ins Ge=
neralſeminar, in dem nach Verordnung Joſephs I1.
junge Theologen aus allen Provinzen der Mon=
archie verſammelt wurden, vorzüglich um in den
Grundſäßen der ſokratiſchen Katechiſiermethode
unterrichtet zu werden. Der ſpätere Fürſterzbiſchof
Gruber war Seminarpröſelt, 1788 erhielt er die
höhern Weihen u. wirkte bis 1791 als Studien-
präſekt am Freiburger Seminar; nebenamtlich
gab er auch in 2 Mädchenſchulen Neligion8=
unterricht. Schon in dieſen Jahren hat ſich in ihm
jene Vorliebe zum Volk3unterrichte ausgebildet,
die ihn zeit ſeine3 Lebens beſeelte. Al3 Pfarrer
am Freiburger Münſter (1791/1805) u. (nach
einer djährigen Zwiſchenzeit, die er als Negie-
rungsrat in Günzburg u. dann ohne amtliche
Stellung verbrachte) an St Martin daſelbſt (1810
bi3 1815) hielt er regelmäßig an Sonn- u.
Feiertagen auch die Chriſtenlehre. Aus Liebe zu

den Kindern richtete er für die Schulkinder der
ganzen Stadt Freiburg einen eignen ſonn= u.
ſeſttäglichen Gottes8dienſt ein, den er in der Vor=
rede zur 2. Auſl. ſeines Werkes „Die ganze
ter8 mit ſeinem Sohne“ (Bd V, S. xv) bes
ſchrieben hat. Oſt führte er den Spruch im
Munde: „Man muß jedes Kind hoc jedem die möglich größte Sorgſalt widmen ; denn
aus dem Kinde kann etwas Große8 werden.“
Nachdem er 1815/19 als Negierungsrat in Jnn3=
bru gewirkt hatte, war er 1819/29 Weihbiſchof
von Brixen u. Generalvikar von Vorarlberg mit
dem Siße in Feldkirch u. wurde dann Fürſtbiſchof
von Brixen. Er ſtarb am 17. Mai 1856.
1. Seine Schriſten belaufen ſich nach dem
von ihm geführten eigenhändigen Kataloge auf
84 ; ſie befaſſen fich mit Gegenſtänden aus faſt
allen Diſziplinen der Theologie u. ſind vorwiegend
praktiſcher Natur. Außerordentliches Auſſehen er=
regte die „Neueſte Theologie des Chriſtentums“
(5 Bde, Augs8burg 1798/1802, 31844 mit Vorw.
von Feßler), „ein Plan zur Reform der Theo=
logie u. ein Verſuch, die Lehre vom Chriſtentum
auf die urſprüngliche Sprache, Simplizität u.

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