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Schönheit wieder zurücßzuſühren, ſügte der Ver-
jaſſer dem Titel hinzu, In den Mittelpunkt der
ganzen Religionslehre ſtellte ex die bibliſche Lehre
vom Reiche Gottes, die Licht ſei für den Verſtand
1. Nahrung für das Herz. -- Für unſer Lexikon
kommen hauptſächlich ſeine katechetiſchen Schriſten
in Betracht, Die erſte größere iſt „Die ganze
eines Vaters mitſeinem Sohne" (5 Bde,
Augsöburg 1796/1800). Sie enthält die Katecheſen
des Verſaſſer3 in den Schulen Freiburgs u. zeigt,
wie dieſe nach den „Grundſäßen der wahren Ka»
techiſiermethode“, die ex dem 1, Bande als Cin»
leitungvoranſtellte(Scparatdruck, Freiburg 1793),
ſich geſtalten müßten. --- Von den Latecheſen mit
der ſchulentlaſſenen Jugend ließ er eine kleine
Zahl al8 Muſter ſeiner „Methode des Unterrichts in Selbſigeſprächen“ durch einen ihm
naheſtehenden Prieſter herausgeben (1855) ; ſeine
Katecheſen über „Die vollſtändige Sittenlehre
nach der Ordnung der 10 Gebote Gotte38" waren
ohne ſein Wiſjen ſchon früher veröffentlicht wor»
den, =- Für die Kinder verſaßte er eine Anleitung
zum würdigen Empfange der heiligen Kommunion:
„Die Ehre des Tiſches des Herrn" (1799), zur
Beiwohnung der heiligen Meſſe „Die Ehre der
heiligen Meſſe" (2799), eine Bibliſche Geſchichte
u. die 2 Natechiömen „Chriſtliche Lehre von un
ſerm Beruſe zur Heiligkeit u. ewigen Glüdſelig»
keit im Reiche Gottes in kurzen (1154) Säßen
u. „Die worten ſür Kinder". Jn dem erſtern iſt nicht nur
die herkömmliche Cinkleidung des Stoſſe8 in
Frage u. Antwort, ſondern auch die Einteilung
nach den katechetiſchen Lehrſtüken verlaſſen u. eine
neue durchgeſührt nac< den 3 Fragen: 1. Was
hat der liebe Gott getan, um uns in den Himmel
zu bringen? (Die Antwort gibt die Geſchichte des
Alten u. Neuen Teſtamentes, die Lehre von der
Kirche u. vom Ende der Welt.) 2. Wa3 müſſen
die Menſchen tun, um in das Reich Gottes auf»
genommen zu werden ? (Pflichtenlehre.) 3. Welche
Mittel hat uns der liebe Gott gegeben, um in ſein
Reich einzugehen? (Gebet, Sakramente, Gelübde.)
In dem Katechismus ſind alle abſtrakten Erklä-
rungen, Deſinitionen u. dialektiſchen Erörterungen
vermieden ; das ofſenbarung3mäßige Lehrmaterial
wird mit den Originalworten der Hl. Schrift
dargeboten u. die Anwendung de3 göttlichen
Wortes auf da3 praktiſche Leben ſoſort gemacht.
Eine ſolc jedoc keine religiöſen Begriſſe, ſondern ſeht dieſe vor»
aus. --- Weite Verbreitung hat ſeine „Galerie
bibliſcher Bilder“ geſunden. Nachdem er mehr-
mal3 in den Vorreden ſeiner Schriften auf den
Mangel an bibliſchen Bildern u. ihre großen
Vorteile hingewieſen hatte, führte er einzelne ſchon
als Münſterpfarrer, die übrigen (ingeſamt 35)
in den Jahren 1842/56 aus u. veröffentlichte ſie
mit erläuterndem Texte.


Gartenarbeit --- Gaume, 152
III. Die Bedeutung O.38 für die Katechetik
liegt darin, daß er die verderblichen Wirkungen
der rationaliſtiſchen Zeitrichtung entſchieden ab»
ywehren, dagegen die von ihr erzeugten Verbeſ»
ſerungen des Unterrichts ausgiebig zu verwerten
fich bemühte, Für den Unterricht verlangte er als
notwendigſte Cigenſchaft die Anſchaulichkeit, die
dadurc zu erzielen " daß alle Begriffe u. Ur»
teile bis in ihre kleinſten Beſtandteile dem äußern
od. innern Sinne der Kinder vorgeſtellt u. alle
Erklärungen an die im kindlichen Geiſte vor-
handenen Vorſtellungen u. Empfindungen ange-
knüpft würden, Darin beſtehe das wahre Weſen
der ſokratiſchen Methode, die G. ſchon in der
ſeiner Dokltordiſſertation beigefügten Theſe (Nr
12) al8 die ingonio parvulorum pras ceteris
accommodata bezeichnete. Sie ſei anch die eigent=
liche Lehrweiſe Chriſti, der „nur in Gleichniſſen
zum Volke redete“, die er aus der unmittelbarjten
Umgebung u, perſönlichen Erſahrung ſeiner
Zuhörer fchöpſte. Den gleichen Dienſt wie die
Gleichniſſe leiſteten auch die Geſchichten; ſolche ---
Uy. zwar nur bibliſche --- wählte er als Unterlage
jür alle Gegenſtände der Sittenlehre. (In den
nähern Ausführungen über ſeine Methode zeigt
ſich die Bekanntſchaft G.3 mit Baſedow, Salz-
mann, Campe, v. Noc einſtimmung mit Overberg u. eine nahe Ver-
wandtſchaſt mit den Vertretern der Münchner
katechetiſchen Methode.) =- Über die Anwendung
der Methode auf den Neligionsunterricht äußert
ſich G. : Dieſer hat teil3 Tatſachen teil8 Wahr-
heiten zum Gegenſtande ; leßtere ſind aus der Ver-
nunſt od. aus der Oſſenbarung od. aus beiden
zugleich erkennbar. Tatſachen müſſen natürli)
erzählt werden, aber aus Geſchichten laſſen ſich
gute Lebenöregeln entnehmen, u. dafür iſt die
Methode ſehr zwe>mäßig; ebenſo iſt ſie es für
alle religiöſen Wahrheiten, die aus der Vernunft,
der Erfahrung u. dem innern Gefühle dargetan
werden können.
Literatur. Ygl. G. Tinkhauſer, Blätter der
Erinnerung an G. (1858); F. W. Bürgel, Fürſtbiſch.
G. als Katechet (in Katechet. Monatſchr. 1912,
Nr 7--9). [F. W. Bürgel.)
Gartenarbeit ſ. Handarbeitsunterricht.
Gaume, Joſeph. 1. Lebensgang. G.
wurde 1802 zu Fuans (Doub3) geboren u. ver-
ſchied am 19. Nov. 1879 in Paris, Von 1827 bis
1851 war er in Never3 Theologieproſeſſor, Gym-
naſialdirektor, Kanonikus u. Generalvikar. Seit
1852 lebte er meiſt in Paris. Er wurde Ehren-
doktor der Theologie (Prag), Ehren-Generalvikar
von Reims, Montauban u. Aquila, auch Mitglied
gelehrter Geſellichaſten. Nachdem Gregor XVI. ihn
1841 zum Nitter des St Silveſterorden8 ernannt
hatte, erhob ihn Piu8 IX. 1854 zum Apoſtoliſchen
Protonotar. Seine zahlreichen, anregenden u.
größtenteils ſehr verdienſtvollen Schriften ver-
teilen jich auf das Gebiet der Theologie, Päd-
agogikt, Geſchichte u. Soziologie. Verſchiedene

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