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ſeiner Werke wurden in mehrere Sprachen über-
ſeht, eine gute Anzahl erſchien deutſch in Negen3-
burg bei Manz. |
II. Vedentung in pädagogiſcher Beziehung,
G. glaubte, daß immer weitere Kreiſe der Menſch-
heit in religiöſer Hinſicht erkrankten u, dringende
Hilfe darum nottue. Gewiſſenhaft müſſe das
werdende Geſchlecht im Chriſtentume beſeſtigt wer-
den. Wie nun der hl, Paulus ſich ereiſerte beim
Anblieke des in Abgötterei verſunkenen Athens, ſo
loderte G.3 apoſtoliſches Feuer auf gegen die
Herrſchaft heidniſcher Schriftſteller ſelbſt in ſo
vielen katholiſchen Gymnaſien. Er forderte für
len, während die (gehörig zu reinigenden u. lich zu erklärenden) griechiſchen u. römiſchen
Klaſſiker eine Nebenſtellung einzunehmen hätten.
Auf den 5 untern Klaſſen ſolle man nur in den 3 obern dagegen Autoren leſen. Die Renaiſſance verſchulde al3
einflußreichſte antichriſtliche Erziehung8urſache die
Berkehrung d nung, ſie habe das ſrüher für minder wertvoll
Gehaltene zur Hauptſache gemacht. G. erregte
weithin außerordentliches Auſſehen, obwohl ſeine
Forderungen keine8weg3 neu waren ; vgl. nur die
Art. Gregor I. u. Geöner. In den aus8gebrochenen
Kampf griff Pius IX. beſonder8 1853, durc
Schreiben an die franzöſiſchen Biſchöfe, vermit»
telnd ein: Studierende ſollten ſich e richtigkeit u. Beredſamkeit bald aus den einſicht8-
vollſten Väterwerken aneignen, bald au3 den be=
rühmteſten, gründlich gereinigten Heidenautoren.
111, Werke: Du Catholicisme dans 1'6du-
cation (Par. 1835, 21884); Lo ver rongeur
des 80cI6tes modernes ou 16 paganisme dans
1'6ducation (ebd. 1851 ; deutſch: „Der nagende
Wurm“ [1851]); Lettres 3 Mgr. Dupanloup
Sur 16 paganisme dans1'6ducation (ebd. 1852;
deutſch : „Briefe über da8 Heidentum in der Er=
ziehung" [1854]); La question des classiquos
ramen6ce a 83 plus gimple expreggsion (ebd.
1852); La Revolution, 9* 4a 12* Iivraison:
Ja Renaisgance (ebd. 1852 f; deutſch: „Die
Revolution“ [6 Tle, 1856 f]); Pis 1X et les
6tudes classiques (ebd. 1875). Seine Klaſſiker
ausgaben: Bibliothäque des classiques ehr6-
tiens (30 Bde, 1852/56, um 1880: 34 Bde);
Choix do elassiques profanes (2 Bde, 1857).
Literatur. Nicard, Ktudo gur Mgr. G. (Par.
1872) ; Maynard, Mgr. Dupanloup (ebd. 1884;
gegen D., für G.) ; L. Veuillot, M&anges 1, 6 u. 11,
1 (dazu E. Venillot, Vie de 1,. Vouillot Il xvm);
N. Förſter, Schulklaſſ. Verirrungen (1900) ; derſ.,
Ropertorium christiano-classicum (1903). Mehs-
rere Schriftſteller entſtellen G., indem ſie ihn 3. B.
die heidniſchen Autoren ganz aus den Schulen ver-
bannen laſſen. Vgl. den Art, Klaſſiker, riſtl.,
gric.-lat. [R. Förſter O0. 8. B.]
Gaumen |. Sprachorgane.
Gebärden j. Taubſtummenunterricht.
Gaumen -- Gebet.

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Gebet, I. Begriff u. Weſen. Das G. iſt
die Auzübung der Andacht (ſ. d.) dur u. oft auch äußere Sprechen des Menſchen mit
Gott über die menſchlichen Angelegenheiten in
ihrer Beziehung auf Gott. E3 iſt Sache aller
Seelenkräſte u. darum der erſte u. unmittelbarſte
Akt der Religion, das Atemholen de3 religiöſen
Gemüte3, Deshalb iſt das G. weſentlich ab-
hängig von der religiöſen Verfaſſung des Menſchen.
Das Tugenden gründet, iſt daher der Ausfluß der
Gejinnung de8 Glauben3, der Hoffnung u. der
Liebe zu Gott. Da das G. ein weſentlicher Be-
ſtandteil ſchon der natürlichen Religion iſt, findet
e3 fich bei allen Völkern. Durch die Offenbarung
in Jeſus Chriſtus hat das G, wie die Religion
ſelbſt ſeine höchſte Ausgeſtaltung gefunden, indem
der Herr uns beten lehrte „im Geiſte u. in der
Wahrheit“ (Mt 6, 9; Mk 1, 35; Lk 11,1; Jo
4, 24). Da3 G. iſt in allen ſeinen Formen eine
Verherrlichung Gottes, mag e8 Gotte3 Lob u. An=
betung bezwecken od. ihm einen Dank od. eine
Bitte ausſprechen. Als Akt der Gotte3verehrung,
als Verkehr mit dem Allerhöchſten iſt e3 eine der
höchſten u. edelſten Tätigkeiten des menſchlichen
Geiſte3 ; es gibt den Menſchen ſchon auf Erden den
Vorgeſ u. Vorgenuß der Himmelöſeligkeit
dur die Berührung u. Vereinigung mit Gott,
1. Wirkſamkeit, Als Umgang mit Gott iſt
da3 G. von größtem Einfluß auf die Menſchen=
ſeele, die dadurch veredelt wird. Der Pſalmiſt
ſagt darum: „Tretet hin zu ihm, ſo werdet ihr
erleuchtet“ (Pj 38, 6). Der hl. Chryſoſtomus
meint ; „Ein Menſch, der ſo, wie e3 ſich ziemt, mit
Gott reden gelernt hat, wird einem Engel gleich
werden : ſo ſchr wird ſeine Seele von den Banden
de3 Körpers beſreit, ſein Geiſt emporgehoben u.
in den Himmel verſeßt werden; ſo wird er die
Erde verachten u. am Throne des Herrn wohnen,
wenngleich er arm, gering u. ungelehrt iſt“ (Expl.
in Ps, 4), Da3 G. al3 Betätigung der drei gött=
lien Tugenden belebt den Glauben, ſtärkt die
Hofſnung u. entzündet die göttliche Liebe. Auch
die fittlichen Tugenden werden im G. gepflegt, ſo
vor allem die Demut, Dankbarkeit, Geduld u.
Beharrlichkeit. Jnfolge ſol in 1. mit dem G. wird dieſes zum allgemeinen
Gnadenmittel, das den Menſchen auf die gött=
lien Gnaden vorbereitet, ſie mitteilt u. vermehrt
dur) Erleuchtung de3 Verſtande8, Reinigung des
Herzens u. Stärkung de3 Willen3. Beſonder3 als
Bitt=G. iſt es nach dem Worte Jeſu ſelber das
umfaſſendſte Gnadenmittel. Der Herr verſichert
uns ausdrüclich, daß „der Vater im Himmel
Gute3 gibt denen, die ihn darum bitten“ (Mt
7, 11; vgl. 18, 19ff; Jak 5, 16). Jeſus hat
ſich felbſt verbürgt für die Erhörung der Bitten
in jeinem Namen (Jo 14, 13f; 15, 16; 16, 23).
Der Grund für die große Wirkſamkeit unſers
Bitt=G. (impetratoriſche Wirkſamkeit) liegt darin,
daß Jeſus al3 ewiger Hoherprieſter ſelbſt für

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