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unſrer Stimmlaute (vgl. die Wörter Fibel, ihn,
ſie, Vieh -- Meer, mehr -- hat, hatte), ferner die
Bezeichnung nja Laute durc< 2 od. gar 8
Zeichen (<, ng, j<) od. zweier Laute durch 1 Zei-
gezeigt iſt, gilt zum Teil in noch höherm Maße
von den übrigen Kulturſprachen, beſonder8 auch
vom Franzöſiſchen u. Engliſchen.
Unſre Schriften ſind alſo keine lauttreuen
Schriften, keme L. im engern Sinne. Das hat
natürlich eine Neihe von Unzuträglichkeiten im
SGeſolge, die da38 Verlangen nach einer „lauttreuen“
Schrift geweclt u. eine Neihe von Verſuchen zu
ihrer Verwirklichung gezeitigt haben. So ſind die
meiſten Kurzſchriſtſyſteme in dem rein äußerlichen
Streben nach Kürzung u. Vereinfachung von ſelbſt
dazu gekommen, von orthographiſchen Künſteleien
mehr od. weniger abzuſehen, haben ſic ſo zu einer
allerdings no II, 8. u. Schule, Zum Bewußtſein kamen
die Schwierigkeiten u. Mängel der orthographiſch
gebundenen Schriſt am ſtärkſten beim Sprach-
unterricht, u. zwar ſowohl bei dem der Lernan=
fänger wie ganz beſonder3 beim Unterrichte in den
modernen Fremdſprachen. Allerdings beginnen
die Abeſchüßen ihre Übungen durchweg an laut=-
trenem Schreibſtoſſ, aber jchon recht bald beginnt
der Kampf zwiſchen Laut u. Schrift, der das Kind
dazy führt, ſich mehr auf Auge u. Gedächtnis als
auf das Ohr zu verlaſſen u. e8 ſo de3 Beobachtens
des Lautes entwöhnt, worin wiederum die oſt be-
klagten Mißerfolge des üblichen Schreib= u. Necht-
ſchreibeunterricht8 ihren Grund haben, Mit Recht
wird daher geſordert, daß der Lernanſänger zus
nächſt nur Lautſchrift ohne Nücſicht auf die Ortho=
graphie ſchreibe, bis ihm das Kraftgeſühl aner
zogen iſt, daß er jedes Wort vermittelſt der
Beobachtung des Laute3 zu ſchreiben vermag, u.
daß auch beim Fortgeſchrittenern möglichſt oft der
dur< das Ohr ſeſtgeſtellte Lautbeſtand in L. dem
orthographiſchen Wortbilde gegenübergeſtellt wird.
Noch wichtiger al8 beim normalen Kinde iſt na-
türlich die Verwendung der L. unter den weit
jchwierigern Unterricht3verhältniſſen der Hilfs= u.
der Taubſtummenſchulen.
Am früheſten u. allgemeinſten aber hat man
die Bedeutung der L. für den Unterricht in leben-
den Fremdſprachen anerkannt. Von jeher wurde
in Lehrbüchern lebender Fremdſprachen bei erheb=
lichem Unterſchiede zwiſchen Schrift u. Laut die
„Ausſprache“ in L. beigefügt, was naturgemäß
nur unvollkommen gelang, ſobald e8 ſich um
fremdſprachige Laute handelte, die der Mutter-
ſprache fehlten. Sobald aber der jungen Wiſſen=
ſchaft der Phonetik (ſ. d.) eine genaue Durchfor=
ſchung u. Abgrenzung des Lautbeſtande38 der
verſchiedenen Sprachen gelang, wurde die Be=
zeichnung der Auöſprache durch L. immer einwand=
freier, u. dabei ergab ſich ganz von ſelbſt das
Bedürſnis, die in den Alphabeten gegebenen Au3=
drucsmittel dur< beſondere Zeichen zu ergänzen,
Lautſchrift.

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ſobald es fich um Sonderlaute einer beſtimmten
Sprache od. aber um Zeichen handelte, die mehrere
verſchiedenartige Laute bedeuteten. So entſtand
eine Reihe L.jyſteme, von denen bald die in den
Vordergrund traten, die den Grundſaß verwirk=
lichten: für jeden Einzellaut nur ein Zeichen.
Fremdſprachliche Lehr= u. Wörterbücher wandten
dieſe Syſteme in großem Umfange u. folgerichtig
an 1. beſeitigten ſo einen großen Teil der Schwie-
rigkeit, welche die Erlernung der Ausſprache für
den Lernenden bedeutet.
IV. Verſuche einer Welt-L. Indes machte
fich dabei eine unliebſame Störung dann geltend,
wenn etwa da3 Wörterbuch ein andres L.ſyſtem
verwandte als da8 Lehrbuch, ein Unterſchied, der
den Anfänger verwirrte u. aud) den Fortgeſchrit=
tenen beläſtigte. Auch im wiſjenſchaftlichen Ver-
kehre wurde die Mannigfaltigkeit der L. ſyſteme
unangenehm empfunden, u. ſo trat da38 Bedürſnis
nah einer einheitlichen, internationalen „Welts=
L.“ immer klarer hervor. Allerdings war die
Schwierigkeit, eine ſolche zu ſchaffen, nicht gering.
Zunächſt hatte die phonetiſche Wiſſenſchaft ein
Intereſſe, auc) die feinſten u. kleinſten Lautunter=
ſchiede in der Schrift darzuſtellen ; ſo hat der eng=
liſche Phonetiker Ellis in ſeinem Scriftſyſtem
nicht weniger al3 20 Zeichen für die verſchiedenen
r-Laute. Eine derartige Sonderung würde eine
L. für die Zwecke des Sprachunterricht8 geradezu
unbrauchbar machen, wo eine Beſchränkung auf
die weſentlichen u. ſinnfäſligern Unterſchiede völlig
ausreicht. Eine weitere Schwierigkeit für eine
internationale Neglung liegt darin, daß jedes
Volk auf einzelne ihm vertraute Bezeichnungen
gewiſſer Lante verzihten muß. Bei einer Eini-
gung z. B. über den ſtimmhaſten 8-Laut müßte
entweder der Franzoſe auf das ihm geläufige
Zeichen z verzichten u. vom Deutſchen das Zeichen
s annehmen, womit er gewöhnt iſt, den ſtimmloſen
Laut zu bezeichnen, od. der Deutſche müßte ein
umgekehrtes Opfer bringen. Schwierig iſt natür=
lich auch die Einigung der gelehrten Erfinder der
verſchiedenen Syſteme, deren faſt ein jedes gegen
über den andern gewiſſe Vorzüge zeigt, auf die
bei der Vereinheitlichung zum Teil verzichtet wer=
den muß. =-- Die Association Phonetiqus In-
tornationale hat das große Verdienſt, durch ihre
Zeitſchrift Le Maitre Phonetique ſeit nahezu
3 Jahrzehnten den Weg für eine Einigung ge=
ebnet zu haben, zunächſt durc< Erarbeitung eines
L.ſyſtems, das den Bedürſniſſen der Wiſſenſchaſt
gerecht wird, ohne zu umſtändlich für den Ge-=
brauch beim ſremdſprachlichen Schulunterricht zu
ſein. Dur zielbewußte Arbeit hat e8 dann die
in mehr al38 30 Ländern verbreitete Zeitſchrift da=
hin gebracht, daß ihr Schriftſyſtem, das wie alle
verbreitetern L. ſyſteme auf das lateiniſche Alphabet
auſgebaut iſt, in immer zahlreichern Unterricht3-= u.
wiſſenſhaftlichen Werken angewandt wird ; u. der
ſchönſte Erfolg, der eine vollkommene Einigung
in greifbare Nähe rückt, iſt auf der 15. Tagung

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