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1. Dlt, 1914 in Kraft tretende Hilfsjſc Jehrerprüfjung geſchaffen. Nach 8 2 der be-
züglichen Miniſterialperordnung werden hierzu zu»
gelaſſen: „Geiſtliche, anſtellung8ſähige Kandidaten
der Theologie u. der Philologie, Volksſchullehrer,
welche die Prüfung für endgültige Anſtellung be»
ſtanden haben, u, Lehrerinnen, die mindeſtens 8
Jahre in wirklichem Klaſſenunterrichte voll be»
ſchäftigt waren u. ſich in der Praxis bewährt
haben.“ Die ſchriftliche Prüfung umfaßt 2 Auf»
gaben aus dem Gebiete der Hilfsſchulen, von denen
eine der Methodik zu entnehmen iſt; die mündliche
Prüjung umfaßt außer den bei Schilderung des
Seminars genannten Gebieten noh die Geſchichte
Y, Literatur des Hilfsſchulweſens ſowie die Fragen
der Shwachſinnigenfürſorge. =- Über die H 1148.
I Literatur. A. Fuchs, Schwacſinnige Kinder
(*?1913); F. Weigl, Geiſtig minderwert. Nindex a. d.
Lande u. in kl. Städten (1908). [F. Weigl.]
Lehrex an Foribildungsſchulen [. Fortbil»
dungösſchulen, Abſchn. VII.
Lehrer an (preußiſchen) Mittelſchulen.
Nicht weniger als 6 Schulgattungen müſſen in
Betracht gezogen werden, an denen die hier zu»
jammengejaßie Lehrerkategorie wirkt: die höhere
Mädchenſchule, die gehobene Mädchenſchule, die
Rekioratsſchule , die Volksſchnle mit gehobenen
Klaſſen, die gehobenen R vn u. endlich die
(preußiſchen) Mittelſchulen (f. d.) im Sinne der
miniſteriellen Beſtimmungen v. 3. Febr. 1910
als die wichtigſte diejer Schularten. An dieſen
Schulen mit (1911) 10581 Klaſſen wirken L.
U, Lehrerinnen, die ſich al8 beſonderer Mittel»
ſchullehrerſtand bezeichnen laſjen. Die Vorbildung
iſt ſeminariſtiſch ; bis 1898 konnte in der 2. Lehrex-
prüfung wegen guter Leiſtungen Volksſchutlehrern
die Berechtigung erteilt werden, in den untern
Klaſſen der Mittelſchulen zu unterrichten. Dieſe
durch den Mangel an geprüften Mittelſchullehrern
veranlaßte Beſtimmung iſt aufgehoben ; die An»
ſtellungsberechtigung an mittlern Schulen erwirbt
der Volksſchullchrer durch die Mittelſchullehrer-
prüfung (jeit 1872, neu organiſiert 1901, früher
ſchon u. ſyſtematiſch ſeit 1912 durch ſtaatlich ein»
gerichtete Mittelſchullehrerkurſe erleichtert), die am
Siß der Provinzial»Schulkollegien vor einer be-
jondern Prüfung3kommiſſion in jährlich 2 Tex-
minen abgelegt wird. Sie erſtrekt ſich neben
einer Prüfung in Pädagogik beſonder38 auf die
wiſſenſchaftliche Fortbildung in 2 Fächern, Ne-
ligion, Deutſch, Franzöſiſch, Engliſch (Latein),
Geſchichte, Erdkunde, Mathematik, Botanik, Zoo»
logie, Phyſik, Chemie. Zu dieſer Prüfung werden
auch Geiſtliche ſowie Kandidaten der Theologie u.
des höhern Schulamtes zugelaſſen, wenn ſie mit
dem Zeugnis der Reiſe die Hochſchule bezogen u.
mindeſtens 6 Semeſter ordnungsömäßig den Uni»
verſitätsſiudien obgelegen haben. Die in Berlin
abgelegie Prüſung ſür Muſik gilt al3 Nachweis
eines Prüfungsfache3, Erſtrebt wird von den
Lehrer an Fortbildungs8ſ
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Mittelſchullehrern ein andrer Bildung8weg: Se-
minar mit dem Charakter der höhern Schule,
deſſen Lehrerprüfung zur Immatrikulation an der
Univerſität berechtigt, dann Hochſchulſtudium mit
Abſchlußprüfung u. Berechtigung zur Leitung von
Bolk8» u, Mittelſchulen, zur Anſtellung a18 Semi-
narlehrer, Seminardirektor u. Kreisſhulinſpektor.
An den mittlern Schulen wirken gegenwärtig auch
vielfac< Akademiker al8 Leiter u, L., wie auch
manche Mittelſchullehrer von ſparſamen Gemeinden
in den Lehrkörper der Gymnaſien u. Realanſtalten
berufen werden, Die geprüften L, erhalten nach dem
Miniſterialerlaß von 1910 die Amts8bezeichnung
„Mittelſchullehrer", während die wenigen nicht-
geprüjten den Titel „L, an der Mittelſchule“
führen ſollen, Die Beſoldung iſt noch nicht ge»
jehlich geregelt u, meiſt auf da8 Volksſchullehrer-
gehalt aufgebaut, dem nah Erlaß von 1910 eine
penſionsſähige Mindeſtzulage von 300 Xl zu=
gefügt werden muß. Die Anſſichtöverhältniſſe ſind
verſchieden, mehr iſt die Kreisſchulinjpektion8auſ-
ve vertreten als direkte Unterſtellung der Mittel-
kleinere Anſtalten unter der ſchulte 1 des Direktor8 einer benachbarten Vollanſtalt
jehen. Manchmal ſind beſondere Kuratorien zur
Wahrung der Intereſſen von Schule u. L. be-
ſtellt. Penſionierung u. Witwenverſorgung der
Mittelſchullehrer iſt nach Geſeß vom Jahre 1894
in derſelven Weiſe geordnet wie bei den unmittel-
baren Staatsbeamten. Die Mittelſchullehrer, die
im Gegenſaße zu den Volksſchullehrern das paſſive
Wahlrecht haben, ſind im „Preußiſchen Verein für
da8 mittlere Schulweſen“ zuſammengeſchloſſen. =-
Über die Mittelſchullehrerin ). Lehrerin,
Abſchn. IT, 2.
Siteratur. Sc len Preußens, hr8g. von F. Kirchert (1909 u. 1912);
Die Mittelſ F. Kirchert, jährl. 24 Hfte (Halle, ſeit 1887).
[L. Kie8gen.]
Lehrer an Seminaren. Die Bildung, Rez
kratierung u. Beſoldung der Seminarlehrer (ab-
gefürzt == S.) hängt ſo untrennbar mit den Se-
minaren, ihrer Verſaſſung u. ihrer Zielſehung zu
ſammen, daß das Werden ihre8 Standes wie alle
die mit ihrer Arbeit u. Stellung zuſammenhängen=
den Fragen nur im Nahmen einer geſchichtlichen
Betrachtung über die Entwieklung der Seminare
ſelbſt klar werden, die im Art. Seminar für Volks-
ſchullehrer nachzuleſen iſt. Hier können bloß die
wichtigſten Verhältniſſe der S., ſoweit ſie die
äußern u. innern Verhältniſſe des Dienſtes be-
treſſen, berührt werden.
1. Geſchichtliches. Wie die Anfänge der Volks8-
ſchule lange ſchon beſtanden, ehe es einen Stand
der Volksſchullehrer gab, ſo gab e3 anch Lehrer-
bildner in gewiſſem Sinne, ehe von Seminaren
die Nede ſein kann, Aber die Arbeit dieſer Lehrer-
bildner zu der Zeit, als die erſten Anſäße für eine
Volköſchule im heutigen Sinne ſich zeigten, be-

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