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ihrer arbeitöſreien Zeit unter Aufſicht der Hand»
werlsmeiſier. Häufig wurden dieſe L. auch durch
bereits beſtehende Meiſtervereine ins Leben ge-
rufen u, finanziell u, pädagogiſch von dieſen ſelbſt
ehalten, Dabei wurde entſprechend der Erzie-
ung3methode im Meiſterhauſe von ehedem das
„Patronageſyſtem“ auch auf dieſe L. übertragen.
Kauſmänniſche 2. beſtehen heute noch in großer
Zahl, wie auch die modernen Lehrmädc ſolchen L. geſammelt werden. Mancherorts wur-
den au< Lehrlingskongregationen gebildet, die
aber heute vieljach wie auch die L. kurzweg als
Jugendvereine (ſ. d.) betrachtet werden u. dieſen
in ihrem Vereinöleben auch tatſächlich zuzurechnen
ſind. [8. Schiela.]
Lehrmethode [. Methode.
Lehrmittel, 1. Begriff u. Arten. Unter L.
verſtehen wir hier alle Hilſ3mittel, deren ſich der
Lehrer bei der Vorbereitung auf den Unterricht u.
bei deſſen Erteilung bedient, mit Ausſchluß der
zur ſachgemäßen Ansſtattung des Schulzimmer3
gehörigen Gegenſtände (wie Bänke, Kartenſtänder,
Bilderhalter u. dgl.). Die für die Volkäſchule in
Betracht kommenden L. ſind : 1. Lehrerhandbücher
für die einzelnen Lehrfächer, die den lehrplan-
mäßigen Stoſſ darbieten; 2. Anſchauungsmittel;
3. bejondere Geräte, die der methodiſch richtige
Unterrichtöbetrieb vorausſjeht (Schultafel, Turn-
u, Spielgeräte, Geige u. a.).
II. Bedeutung. Die L. ſind für da3 Gelingen
der Unterricht3arbeit von weitreichendem Einfluß.
Wenn auch der Lehrer infolge ſeiner Ausbildung
im allgemeinen über den Lehrſtoſſ der Schule ge»
nügend verſügt, jo bedingt doch die methodiſche
Geſtaltung der einzelnen Lektionen eine dem be»
ſondern Zwe entſprechende Auswahl u. For»
mulierung des Lehrſtoſſe8, 1. dieſe ſoll regelmäßig
auf Grund geeigneter Handbücher erfolgen, die
den EE Benin mit Rückſicht auf die Ver»
hältniſſe u. Bedürfniſſe der Volksſchule darſtellen.
Solche Werke bilden die Grundlage u. Nichtſ für de3 Lehrer3 eigne Tätigkeit bei der Vor=-
bereitung auf den Unterricht. Da die Veran»
ſchanlichung de3 Lehrſtoſſe3 das grundlegende Prins=
zip jeglichen Unterricht3 ſein muß, wenn ander3
dieſer nicht in trocknen Verbaliömus ausarten
joll, hat man zu deren Erzielung für entſprechende
Hilfsmittel neben den wirklichen Gegenſtänden
u. Erſcheinungen, ſür Bilder, Karten, Modelle u.
andre künſtliche Gegenſtände, zu ſorgen. Auf ein
gewiſſe3 Maß von Anſchauungsmitteln kann auch
die einſachſte Schule nicht verzichten. Der Ge»
brauch ſolcher L. iſt inſofern die Vorbedingung
eines geiſtbildenden Unterricht8, als durch ſie die
Selbſttätigkeit der Schüler ungleich mehr in An»
ſpruch genommen wird als bei dem bloß mit»
teilenden Unterrichte. Die Schüler ſollen die Be-
griſſe u. die Ergebniſſe der Lektion aus den ſinn-
lichen Wahrnehmungen u, Anſchauungen ableiten
u. ſich ſo ihr Wiſſen tunlichſt ſelbſt erarbeiten.
So tragen die Anſchauungs5mittel mit dazu bei,
Lehrmethode -- Lehrmittel.

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daß dem Arbeitsprinzip in wünſchen8wertem Maße
u. mit Erſolg Nechnung getragen wird. Ohne die
erwähnten Geräte wäre die Erteilung des Unter=
richts ſehr erſchwert od. gar unmöglich (vgl, auch
den Art. Anſchaunngsunterricht).
131. Beſchafſung 1, Beſchaffenheit, Der Be
ſtand an L.n ſoll angemeſſen ſein u. unabläſſig er-
gänzt, erneuert vu. erweitert werden. Am beſten
wird im Etat der Gemeinde, der ja auch die
Unterhaltung der Schulen obliegt, ein gewiſſer
Betrag vorgeſehen, der alljährlich zur Beſchaffung
von L.11 zu verwenden iſt. Vorſtellungen ſeitens
der Lehrperſonen od. der Schulaufſſicht8behörde
bei dem Gemeindevorſtand um Bewilligung jene3
Betrages dürſten in der Negel von Erfolg ſein.
Wenn dann jährlich auch nur eine geringe Summe
für L. verau8gabt werden kann, ſo wird e3 doh
immer mögli) jein, die umnentbehrlichſten zu be-
ſchaffen u. den vorhandenen Beſtand zu verjüngen.
In Preußen haben nach einem Miniſterialerlaß
v. 21, Febr. 1878 die Schulunterhaltungspflich-
tigen für die Beſchaffung der L. aufzukommen.
Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß nur wertvolle u.
brauchbare L. zu beſchaſſen ſind. De3halb jind vor
der Auswahl ein gut orientierendes Bücherver-
zeichnis u. ein zuverläſſiger Katalog zu Nate zu
ziehen. Gern wird man auch die Gelegenheit be=
nußen, in Schulmuſeen (ſ. d.) u. L.-Ausſtellungen
die L. in Augenſchein zu nehmen u. auf ihre
Brauchbarkeit für die jeweiligen Verhältniſſe zu
prüfen. Solche Ausſtellungen ſollten, wenn auch
in beſcheidenem Rahmen, wenigſtenöin den Städten
eingerichtet u. unter Berückſichtigung der Bedürſ=
niſſe auch der Landſchulen der betrefſenden Gegend
ausgeſtattet werden ; dann könnte jeder da3 für ihn
Paſſende bequem 1. richtig aun8wählen. Da für
die Veranſchaulichung zunächſt wirkliche Gegen=
ſtände Verwendung finden ſollen, ſind den Kindern
die Augen zu öſſnen für die Dinge u. Erſchei-
nungen ihrer Heimat (ſ. Exkurſionen, Heimats=
kunde). Aus ihnen müſſen ihre erſten Anſchauungen
u. Vorſtellungen hervorgehen, u. dieſe wiederum
bieten die tragſähige Grundlage u. das unerſeß=
liche Material für das ganze Unterrichtögebäude.
Dez3halb ſoll man aus der heimatlichen Natur u.
Kultur möglichſt viel in die Schule hineinbringen.
Die verſchiedenſten Dinge u. Gegenſtände aus
Haus u. Hof, Feld u. Wald, Garten u. Wieſe,
Spielplaß u. Arbeitsſtätte können geſammelt 1.
als wertvolle Veranſchaulichungsmittel bereitgeſtellt
werden. In diejer Nichtung muß vor allem der
Lehrer tätig ſein. Welch reichhaltige Sammlung
für die verſchiedenſten Lehrfächer ſich ſo ohne be-
ſondere Koſten gewinnen läßt, zeigt K. Trauter-
mann in ſeiner Schriſt „Entſtehung, Entwicklung
u. jehiger Stand einer L.fammlung“ (1912).
Daß auch die Schüler ſich hierbei gern beteiligen,
iſt bekannt, u. ihr Sammeleiſer wird, vom Lehrer
richtig geleitet, ein ſehr befriedigendes Ergebnis
haben (jf. Sammlungen). Da aber in ſehr vielen
Fällen eine unmittelbare Veranſchaulichung nicht

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