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Naturwiſſenſchoften. Seine naturwiſſenſchaftlichen
Kenntniſſe verſchaſſte er ſich zum größten Teil durch
privates Studium. Den erſten botaniſchen Unter
richt erhielt 8. von einem Apotheker, während er ſich
ſeine phyſikaliſchen Kenntniſſe teilweiſe in Vor-
leſungen erwarb. Schon von Beginn ſeines Stu
diums an zeigte er einen ungeheuern Sammeleifer
1, ſammelte mit großer Energie nach u. nach alie
möglichen Naturovjekte des Pflanzen-, Tier- u.
Mineralreiches. Seine freie Zeit verwandte er
womöglich zu Exkurſionen ; die Ferien brachte er
immer auf Studienreiſen zu. Mit Nieſenfleiß be=
ſtimmte er die geſammelten Gegenſtände, ſichtete
u. ordnete ſie u. zeichnete ſich die wichtigſten Eigen-
ſchaften der Naturkörper auf. Ebenſo ſtellte er
jelbjt viele Verſuche mit Tieren an, die oft mehrere
Jahre dauerten, z. B. mit Kreuzottern u. Wanzen.
Beſondere Aufmerkſamkeit ſchenkte er den ſchäd-
lichen u. nühlichen Inſekten. Neben dieſen vielen
Arbeiten war er eifrig auc ſchriftſtelleriſch tätig.
Die erſten naturwiſſenſchaftlichen Abhandlungen
erſchienen im „Hilde8heimer Wochenblatt“ in Form
von zwangloſen Artikeln. Dieſe wurden dann
ſpäter zur Grundlage ſeiner großen „Synopſis“.
L.' Tätigkeit auf dem naturwiſſenſchaftlichen Ge-
biete wurde allgemein anerkannt; mehrere Be=
ruſungen an Univerſitäten lehnte er ab. 1855 er-
nannte ihn die Univerſität Göttingen zum Ehren-
doktor. Sein vollſtändiges Aufgehen im Berufe
u. im Studium machte ihn zuleßt zu einer Art
Sonderling, doch blieb er dabei ein anſpruchsloſer
Menjſ) u. ein frommer Prieſter. Obwohl er ſeine
theologiſche Ausbildung in einer Zeit religiöſer
Verflachung u. Gleichgültigkeit empfangen hatte,
konnte die eingehende Beſchäftigung mit den Natur-
wiſſenſchaften ſeinen Gottesglauben nur fördern. --
1905 wurde L. in Hildesöheim ein Denkmal geſeßt.
11. 8.' pädagogiſche Bedeutung liegt mehr
in feiner Tätigkeit als Schriftſteller. In ſeinem
Unterrichte hatte er eine eigne Methode. Von den
Schülern ließ er fich alle8 Unklare u. zu Erfragende
vor der Stunde an die Tafel ſchreiben u. erläuterte
diejes dann ſofort. Sein Unterricht war etwas
pedantiſch, doh auch wieder anziehend, da er viele
ſeiner Naturobjekte zeigte u. oft Anekdoten u. leb=
hafte Neiſeſchilderungen in ſeinen Vortrag einflocht.
Gute Schüler nahm er mit in ſein eignes Muſeum,
das er teilweiſe ſpäter der Anſtalt ſchenkte. Dort
konnte er ſich ſtundenlang in anregendſter Weiſe
mit ihnen wiſſenſchaftlich unterhalten. Wie hoch
ſein Schüler Lorenz Kellner (ſ. d.) ſeinen Unter-
richt bewertete, ſpricht er in ſeinen „LebenS3blät=
tern“ (S. 20) aus, --- Einen dauernden Plaß
in der pädagogiſchen Literatur verſchafſte ſich L.
durch ſeine Lehrbücher, vor allem durch ſeine große
„Synopſi3 der 3 Naturreiche“ (l: Botanik [1844];
11: Zoologie [1847]; II: Mineralogie [1853]).
Die weitern Auſlagen dieſe3 Werke8 wurden
1882/86 von A. B. Frank, H. Ludwig u. F. Senft
beſorgt. Jeder Band enthält zunächſt eine kurze,
aber inhaltreiche Zuſammenſtellung der Leben3-
Lichthilderapparate -- Liebe.

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geſchichte aller Naturforſcher, die auf dem betref-
fenden Gebiete tätig waren, ſowie eine Aufzäh-
lung ihrer Werke in alphabetiſcher Reihenfolge.
Dann folgt die allgemeine Abhandlung über
Anatomie , Phyſiologie u. Morphologie der
Tiere u. Pflanzen. Den größten Raum nimmt
der 3. Teil jede3 Bandes, die Syſtematik, ein,
die alle damal3 bekannten Pflanzen , Tiere u.
Mineralien in kurzer Beſchreibung berüdſichtigt.
Die Namen ſind durc Der 1. Band enthält dazu noch alles, was über die
Anwendbarkeit der in= u. ausländiſchen Pflanzen
damal3 befannt war. =- 1848/52 ließ L. auch eine
„Sculnaturgeſchichte“ (3 Tle, !* bw. 111837/91)
u. einen „Analytiſchen Leitfaden für Anfänger“
in 3 Bändchen erſcheinen (1 21890, 11 121907,
IIT * 1881). Alle ſeine Bücher ſind ſtreng wiſſen=
ſchaftlich aufgebaut, ſehr überſichtlich u. äußerſt
praktiſch zuſammengeſtellt, ſo daß ſich jeder darin
ſehr leicht zurechtfinden kann ; auch ſind ſie reich
u. für die damalige Zeit recht gut illuſtriert. Ihr
Preis iſt außerordentlich gering. Alle dieſe Vor=
züge machen es verſtändlich, daß L.' Werke eine
ungeheure Verbreitung fanden u. auch in ſremde
Sprachen überſeßt wurden. Von den Schulbüchern,
die bis Ende der 1870er Jahre die einzigen guten
naturgeſchichtlichen Lehrbücher bildeten , waren
rund 250 000 Exemplare im Gebrauch; e3 wird
wohl keine ältere Schule geben, in der ſie nicht zu
finden wären.
Siteratur, KL. Grube, Joh. L. nach |f. Leb.
u. Wirk, dargeſtellt (1876). [S. Rudolf.]
Lichtbilderapparate ſ. Projektion3appa=
rate; Stioptikon.
Lijebe, 1. Pädagogiſche Bedeutung der L.
in Haus u. Schule. Die Urſtätte der Erziehung
iſt das Elternhaus. Vater u. Mutter ſind von
jeher die erſten natürlichen Erzicher ihrer Kinder
geweſen, 1. ſie ſind e3 in der Negel heute nod).
Daz3 ſeeliſche Band, das beide Teile zuſammen=
hält, iſt die L. Sie bildet zugleich die wertvollſte
Grundlage der häuslichen Erziehung. „Alle Er=
ziehertätigkeit ſeht Hingebungsfähigkeit voraus, u.
dieje iſt um ſo größer, je näher der Zögling
unſerm Herzen ſteht. Die L. allein erklärt die
himmliſche Geduld, die eine Mutter bei der Pflege
ihre3 Sänglings an den Tag legt ; ſie allein läßt
auch die oft großen Opſer an Zeit, Geld u. Arbeit
verſtehen, die viele Eltern ihren Kindern zu bringen
bereit find. Und wa3 die Hauptſache iſt für da3
Gelingen de3 Erziehungöwerkes: dieſe L. wird
vom Kinde erwidert. Sie erzeugt in ihm jene Auf-
geſchloſſenheit u. rüchaltloſe Empfänglichfeit des
Herzens, die den im Hauſe gelegten Erziehung3-
keimen eine faſt unzerſtörbare Leben8= u. Wir-
kungskraſt ſichert“ (Weimer, Hau8 u. Leben al3
Erziehung3mädte).
Daß der L. auch im Schulleben eine große
pädagogiſche Bedeutung zukommt, ſteht außer
Frage. Wenn das Verhältnis zwiſchen Lehrer u.
Schülern immerſo herzlich wäre wie zwiſchen Eltern

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