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Iich die Geſundheit8pflege hervorzuheben,
Mit dem Beginne der Pubertätsperiode (ſ. Ent»
witklungsperioden, Abſchn. VIT) der Mädchen
fangen für den Schulbetrieb mancherlei Störungen
an. Einzelne Schülerinnen können zu gewiſſen
Zeiten die Schule überhaupt nicht beſuchen ; andre
ſind freilich anweſend, können aber nur halb bei der
Sache ſein. Darauf muß namentlich beim Turn»
unterrichte Rückſicht genommen werden, Mädchen
müſſen on PISI den Unterricht unterbrechen,
ſind häuſig ohne Grund erregt, launenhaſt, zer»
ſtreut, teilnahmlo8. Nur eine taktvolle Lehrperſon
wird das Richtige in der Behandlung der Mädchen
dieſen Erſcheinungen gegenüber treſſen.
Auch im Unterrichtsverfahren ſind, weil
e3 pſychologiſch ſein muß, bedeutende Modiſika»
tionen notwendig. Da gegen Oberflächlichkeit,
Phantaſierei u. Phraſentyum beſonders gekämpft
werden muß u. das denkende Erfaſſen der Lehrſtoſſe
das Hauptziel iſt, werden öſter8 Abweichungen u.
Änderungen im normalen Gang nötig: dieſer
Stoſiteil verlangt ein längere8 Verweilen, Ver-
tieſen, jener wird ſchnell erledigt. Gegen ſubjek»
five, einſeitige Auſſaſſungen u. Färbungen hat
man immer zu kämpfen, ebenſo gegen Nedſeliglkeit
n. Abſchweiſen von der Sache, gegen da3 Über»
wuchern der Phantaſie u. de3 Gefühls. Dadurch
wird eindringendere Veranſchaulichung nötig; auch
ijt nachdrüdlicher der logijcje Zuſammenhang zu
erarbeiten, ſtet3 auf einſache u. prägnante Au3-
drucksweiſe zu dringen, überall auf Selbſttätig-
keit hinzuarbeiten. Da die Mädchenſchulen in ganz
bejonderm Maße Erziehungsanſtalten ſein müſſen,
iſt alles aufzubieten, um die edle Weiblichkeit zur
Entfaltung zu bringen u. alles Hinderliche zu bes
kämpfen. Ein religiös-ſittliches Frauengeſchlecht
iſt ein Segen ſür die Nation -- da3 möge bei
der M. nie vergeſjen werden!
VI1 Das Lehrperſonal. Wenn die Frauen-
rechtlerinnen die höhern Mädchenſchulen auc nicht
ausſchließlich dem weiblichen Lehrperſonal u. der
weiblichen Leitung übertragen wiſſen wollen, ſo
wenden ſich doch wohl alle Lehrerinnen gegen den
Zwang, daß Männer an Mädchenſchulen wirken
müſſen. Die Praxis berücſichtigt dieſe Wünſche
freilich nicht. Ob aber Mann od. Frau, ob aka-
demijc< od. ſeminariſtiſch gebildet, in jedem Falle
muß manbeſondere Forderungenanſol ſtellen : ein hohes Maß von Anpaſſungsfähigkeit an
die geiſtige Cigenart des Mädchens, eine perſönlich
feinere Art des Verkehrs mit den Schülerinnen, da-
beiaber auch männlicher Sinn, Beſtimmtheit, Kon-
jequenz u. Objektivität. Die wiſſenſchaſtliche Tüch-
tigkeit iſt abſolut nötig, wichtiger noch die pädago»
gijche. Von den Lehrerinnen ſolcher Schulen muß
man neben dieſen Lehrertugenden noch verlangen,
daß in ihnen auch das Mütterliche u. Frauenhaſte
zum Ausdrucke kommt; ſie müſſen die Vorbilder ſür
die Mädchen in der edeln Weiblichkeit ſein.
V111L Berechtigungen 11. Fortbildung, 1.Be-
rehtigungen. Die bayriſche Regierung hat
Mädc
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die Berechtigungen, die an den erfolgreichen Beſuch
aller Klaſſen der höhern Mädchenſchule geknüpft
nd, zuſammengeſtellt, Da ſie im ganzen Deuts»
ie hier folgen: a) Die Auſnahme in die Frauen-
er Erzieherinnenprüſung, =- b) Die Zulaſ-
fung zu der (in Preußen nicht exiſtierenden)
Erzieherinnenprüſung nach 2 Jahren weiterer
Fortbildung, Die erfolgreiche Abſolvierung dieſes
Examens berechtigt zum ſremdſprachlichen Unter-
richte an Schulen, die nicht höhere Mädchenſchulen
ſind. -=- 6) Eintritt in ein Wirſchaftslehrerinnen=
ſeminar nach 2 Jahren Fortbildung in Gegen=
ſtänden des Haushaltes. -- d) Ablegung der
Prüſung ſür Zeichenlehrerinnen an Volks8=, höhern
Mädchenſchulen, Lehrerinnenbildungsanſtalten,
Frauenarbeitsſchulen nach weitern 4 Jahren Vor=-
bereitung. =- 8) Zulaſſung zur Maſiklehrerinnen=
prüfung an höhern weiblichen Unterricht8anſtalten
nach Beſuch des Vorbereitungskurſcs ſür Muſik»
lehrerinnen. -- f) Ablegung der Prüfung für
Stenographielehrerinnen, --g) Prüfung ſür Turn-
lehrerinnen nah 6monatigem Kur3 an der Landes-
turnanſtalt, =“ 11) Eintritt in ein Handarbeits-
lehrerinnenjeminar ; i) in ein Kindergärtnerinnen=
ſeminar, u. k) in die 1V. Klaſſe einer Lehrerinnen»
bildungsanſtalt. -- Nach Bedarf u, ſonſtigen
Zulaſſungöbedingungen : 1) Kanzleiaſſiſtentinnen
bei Bezirköämtern, innerer Staatö3bauverwaltung,
ſtatiſtiſchem Landes8amt, Verſicherungskammern,
Negierungen Kammer d. Innern, Staatsmini-
ſterium d. Innern uſw, -- m) Bureauaſſiſtentinnen
bei Nentamt, Kreiskaſſen, Negierungen Kammer
d. Finanzen. =- n) Stellen bei Poſtverwaltung,
Telephon, Telegraph, Nechnungskanzleidienſt,
Poſtagenturen, Stellen im Bereiche der Eiſenbahn-
verwaltung, im Verkehr8miniſterium. -- 0) Ver-
einzelte Stellen bei andern Miniſterien.
2. Fortbildung. Für Mädden, die mit
16 Jahren die Schule verlaſſen u. ins Haus
zurückkehren, wäre die Frauenſhule (ſ. d.) im
Anſchluſſe u. als Fortſezung der höhern Mädc ſchule die geeignetſte Gelegenheit zur Fortbildung;
denn der Lehrſlofſ dieſer Anſtalt iſt die beſte Vor-
bereitung für das Haus u. die mittlern Frauenbe-
ruſe. Wer zu einem höhern Erwerbsberufe reale,
gymnaſiale, realgymnaſiale Bildung nötig hat,
kann die an die höhere Mädchenſchule anſchließen-
den Kurſe (Bayern) od. die Studienanſtalt (Preu-
ßen) beſuchen. Die Vereine haben in Großſtädten
höhere Unterrichtskurſe ſür Mädchen u. Frauen
geſhaſſen ; wirtſchaftliche Frauenſchulen haben die
höhere Mädchenſchule zur Vorausſehung. Eine
Menge öſſentlicher u, privater Schulen ſür Mäd»
Familie vor : Kaufmänniſche, gewerbliche, haus-
wirtſchaftliche Schulen ; die Sprachlehrerinnen,
Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen müſſen die
höhere Mädchenſchule durchgemacht haben, ehe ſie
die weitern Ziele verſolgen können ; die Hand-

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