537
arbeit8-, Muſik», Zeichen= , Turnlehrerinnen
hrauchen al8 Grundlage, ehe ſie ihre Fachſtudien
beginnen, meiſt auch die höhere Mädchenſchule ;
auch die Volksſchullehrerin macht, wo nicht be-
ſondere Präparandinnenſchulen beſtehen, dieſe An=
ſtalt durch ; Muſik=-, Mal-, Zeichen=, Modellier-
ſchulen, gewerbliche Schulen aller Art, Theater-
ſchulen ujw. ſchließen ſich an die Grundbildung
auf der höhern Mädchenſchule an. Wo mittlere
Mäddenſchulen beſtehen, für Mädchen des Mittel-
ſtandes berechnet, ſtehen Lehrſtoff u. Klaſſenzahl
zwiſchen Volks= u. höherer Mädchenſchule. Es
ſchließen ſich oft Fachkurſe für Fremdſprachen,
Stenographie, Maſchinenſchreiben, Buchführung,
Maſchinennähen, Kleidermachen uſw. an. Leider
konnte der Staat ſelbſt noch ſehr wenig tun, um
der Not des Frauengeſchlecht38 abzuhelfen.
Literatur. G. Kruſche, Lit. d. weibl. Erzie»
hung Ut. Bildung in Deutſchland von 1700/1886
(1887) ; A. Mollberg, M. u. Frauenberuf (21904) ;
A. Rude, Schulpraxis (*?1911); J. Wychgram,
Handb. d. höh. Mädchenſc Frauenbildung. Zeitſchr. f. d. geſ. Intereſſen d.
weibl. Unterrichtsweſ. (Leipzig ; ſeit 1902) ; Die
Lehrerin in Schule u. Haus, Organ d. Allg.
deutſc Organe des Vereins kath. deutſcher Lehrerinnen :
Monatſc 1888); Mädchenbildung auf (Kempten ; ſeit 1904); H Lange, Die höh. Mäd-
Ziele u. Wege d. höh. Mädchenbild. (1892);
Mies, Üb. d. Hirngewicht des heranwa ſchlechtes: Korreſpondenzbl. d. deutſch. Geſellſch. f.
Anthropol. 1894; O. Heubner, Lehrb. d. Kinder-
heilkunde (2 Bde, 21911); 8. Burgerſtein u. A.
Netolikhky, Handb. d. Shulhygiene (*?1902); G.
Sc (41909); Schulordnung f. höh. Mädchenſchulen
in Bayern: Miniſterialbl. f. Kirchen» u. Schul»
angelegenh. Nr 10 v. 12. April 1911; J. E, Stuart,
Üb. d. Erzieh, kath. Mädchen (1914).
[I. Heigenmooſer.]
Mädchengymnaſien. 1. Geſchichtliches.
Das M. iſt ein Ergebnis der Frauenbewegung
(ſ. d.) de3 19. Jahrh. Sollte dem weiblichen Ge-
ſchlechte der Weg zu höhern, die humaniſtiſche
Bildung od. wenigſtens die Kenntni8 de3 Latei-
niſchen voraus8ſehenden Stellungen zugänglich ge=
macht werden, ſo mußte auch die Vorbildung der
Frau dementſprechend umgeſtaltet werden. Dazu
boten ſich drei Wege dar. Der eine wies auf die
Koedukation hin (ſ. Gemeinſame Erziehung), wie
fie in den Vereinigten Staaten ſchon lange be-
ſtanden hatte. In Deutſchland iſt dieſe jedoch
heute noch in Preußen u. Bayern ausgeſchloſſen,
während Baden, Heſjen, Sachſen, Württemberg
(vgl. dieſe Art.) u. andre Bundeöſtaaten ſie ein=
geführt haben. Ein zweiter Weg wies auf das
M. als ſelbſtändige Anſtalt hin. Ein dritter ſah
die beſte Löſung in der Angliederung weiblicher
Gymmnaſialklaſſen an die höhere Mädchenſchule ent-
weder in der Form der Gabelung od. al3 Aufbau

Mädchengymnaſien.

538
auf die abſolvierte höhere Mädchenſchule. Beide
Wege find eingeſchlagen worden.
Scon in den 1870er u. 1880er Jahren hatten
jc verſchiedene deutſche Frauen auf ausländiſchen
niverſitäten, namentlich ſchweizeriſchen, eine aka-
demiſche Bildung erworben, u. aud) auf deutſchen
Univerſitäten waren vereinzelt Frauen als außer-
ordentliche Hörerinnen zugelaſſen worden, Bren=
nender wurde die Frage de3 humaniſtiſchen Frauen=
ſtudiums für Deutſchland aber erſt, al8 1886 der
„Allgemeine Deutſche Frauenverein“ durc einen
Stipendienſond3 die Mittel erhielt, das Frauen=
ſtudium praktiſch zu unterſtüßen u. 1888 ein eigner
Verein, der Frauenverein „Neform“ (ſeit 1895
„Frauenbildung = Frauenſtudium“) für die Er=
ſchließung der auf wiſſenſchaftlicher Vorbildung
beruhenden Berufe für die Frau ins Leben ge
ruſen wurde. Beide Vereine traten mit Petitionen
an die Bundesregierungen u. geſeßgebenden Kör=
perſchaſten heran, den Frauen wenigſten8 den
höhern Lehrerinnen= u, Erzieherinnenberuf zu er=
ſchließen u. das dazu notwendige Studium frei-
zugeben. 1889 wurde als erſte Anſtalt, welche
die Fächer der höhern Knabenſchule auch den
Mädchen zu vermitteln ſuchte, vom Wiſſenſchaft=
lien Zentralverein zu Berlin die „NRealkurſe für
Frauen“ gegründet, deren Leitung Helene Lange
übernahm ; die Kurſe ſollten eine über die höhere
Mädc Schulung des logiſchen Denkens, die in der höhern
Knabenſchule vor allem dur< Mathematik, Natur=
wiſſenſchaften u. die alten Sprachen erzielt wird,
vermitteln u, die allgemeine Bildungs8grundlage
für praktiſche Berufe u., ſoweit es damals mög=
lich war, für den Univerſitäts8beſuch ſchaffen. Dieſe
Kurſe begnügten fich zunächſt mit der Vorberei-
tung auf die ſchweizeriſche Maturitätsprüfung.
hr Lehrplan umfaßte zuerſt 2 Jahre, ſeßte Ab-
ſolvierung der höhern Mädchenſchule voraus u.
ſtellte Mathematik u. Naturwiſſenſchaſten mit 8
Wochenſtunden in den Vordergrund, wozu no
Latein, Geſchichte, Volk8wirtſchaft3lehre, Deutſch,
Franzöſiſch u, Engliſch kamen, Als ſeit 1891 die
Ausſichten auſ die Zulaſſung der Frauen zum
Abiturientenexamen an einer höhern Knabenſchule
u. zum Univerſitätsſiudium ſowohl in Baden wie
in Preußen wuchſen, verwandelte H. Lange die
Nealkurſe Okt. 1893 in Gymnaſialkurſe um; da
man nad) Lage der damaligen Verhältniſſe größten=
teil3 nur mit erwachſenen Schülerinnen rechnen
konnte, jo follten die Kurſe, auf der Vorbildung
der höhern Mädchenſchule weiterbauend, ihre
Schülerinnen in eiwa 4 Jahren (mit 20--24
Wochenſtunden) auf das Abiturientenexamen vor=
bereiten. Die Leiſtungen der erſten Abiturien-
tinnen, die am 29. März 1896 am kgl. Leſſing-
gymnaſium in Berlin die NReiſeprüfung ablegten,
erflärte der Kultusminiſter für reichlich ſo gut,
zum Teil für beſſer als die der jungen Männer.
Oſtern 1894 begründete der „Allgemeine Deutſche
Frauenverein“ in Leipzig ebenfalls 4jährige Gym

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.