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naſialfurſe in Leipzig unter Leitung von Köthe
Windſcheid, die als erſte dentjſche Frau an einer | d
deutſchen Univerſität (Heidelberg) den Doktortitel
erworben hatte.
Faſt gleichzeitig mit dieſen Kurſen ging man
in Süddeutſchland an die Gründung von M., da
man mit Recht annahm, daß für eine gründliche
Durchbildung in den Gymnaſialſächern, beſon»
ders in den alten Sprachen, 4 Jahre nicht aus»
reichten. So eniſtand durch den Verein „Frauen-
bildung-Frauenſtudium“ in Karlsruhe 1898 das
erſie deutſche M., das aber aus praktiſchen Grün»
den niht mit der Sexta begann , ſondern auf
den Unterban der 6 untern Klaſſen der höhern
Mädchenſchule einen 6klaſſigen gymnaſialen Lehr-
gang weſentlich nach dem Typu3 eines Neſorm»
gymnaſium3 humaniſtiſcher Richtung auſbaute u.
die Schülerinnen mit 12 Jahren zuließ. Die erſte
Neiſeprüfung wurde 1899 abgelegt. Cine logiſche
Konſequenz dieſer Entwieklung war, daß 1900
die badiſche Regierung den Frauen das Necht der
Immatrikulation auf den Univerſitäten Freiburg
u. Heidelberg einräumte, u. daß durch Bundes»
ratsbeſchluß 1899 die Frauen unter den gleichen
Bedingungen wie die Männer zu den mediziniſchen,
zahnörztlichen u. pharmazeutiſchen Übungen zuge-
laſjen wurden, wobei ihnen die Zeit, die ſie als
Hoſpitantinnen ſtudiert hatten, dem vorgeſchrie-
benen Univerſitätöſtudium gleichgeſtellt wurde, ſo-
lang ihre formelle Immatrikulation nicht erfolgen
fonnte. Nun entſtanden bald weitere Lehranſtalten,
teils nach dem Muſter der Berliner Kurſe =- 6klaſ-
ſige Gymnaſiailurſe wurden in Preußen zunächſt
nicht grnehmigt --, teil3 nach dem von Karls»
ruhe: 1894 in Leipzig, 1897 in Baden-Bad«c a,
1898 in Königöberg, 1899 in Hannover u. in
Stuttgart, 1900 in Bre8lau u, München, 1901
in Frankfurt a. M. un. in Hamburg, 1908 in
Schöneberg, Charlottenburg u. Straßburg i. E€.,
1904 in Bamberg ujw. Da3 Mannheimer M.
(1901) bildet den erſten praktiſchen Verſuch, die
höhere Mädchenſchule der Knabenreals= bzw. Ober»
realſchule anzugleichen, indem man der höhern
Mädchenſchule von der 4. Klaſſe ab eine Ober»
realjhulabteilung als Parallelklaſſe angliederte.
II. Heutiger Stand. Zn ein neues Stadium
trat die Frage der gymnaſialen Mädchenbildung,
als Realgymnaſium (ſ. d.) u. Oberrealſchule (ſ. d.)
in ihren Berechtigungen (ſ. d.) mehr u. mehr den
Gymnaſien gleichgeſtellt wurden. JInſolgedeſſen
wandelten ſich manche der ſchon begründeten M.
in Mädchenrealgymnaſien um, u. die ſeit 1901
neuerrichteten nahmen faſt ſämtlich den Lehrplan
des Nealgymnaſiums an ; ſo Hamburg, Charlotten»
burg, Schöneberg, Nürnberg, Kaſſel, Dresden,
Straßburg, Aachen, Bonn, Elberſeld, Erſuxt,
Eſjen, Jena, Magdeburg, Würzburg. 1903 ge»
nehmigte die preußiſche Regierung auch die Er-
richtung von 6klaſſigen Kurſen.
Während durch die Gründung dieſer Anſtalten
od. durch Zulaſſung der Mädchen zu den Knaben-
Mädchengymnaßſien,

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ſchulen für eine Neihe von Bundesſtaaten die Frage
er gymnaſialen Mädchenbildung gelöſt ſchien,
fam jie in andern, beſonder8 in Preußen, nicht
zur Nuhe ; es wurde namentlich darum geſtritten,
ob die 4---6 Jahre der Kurſe zu einer gründlichen
Anöbildung in den humaniſtiſchen Fächern aus»
reichten, u. ob 1. in welcher Form (Parallelklaſſen
od. Auſbau?) ſie mit der höhern Mädchenſchule
verbunden werden ſollten, Die Entſcheidung er-
folgte für Preußen 1908 mit der Neſorm des ge=
jamten Mädchenſchulweſen3, u. zwar zugunſten der
Guvelung. Nach den Beſtimmungen v. 18. Aug.
1908 blieben für die Allgemeinbildung der Mäd-=
hen 1. für die weitere u. die Fachausbildung als
Lehrerin die höhere Mädchenſchule u. das höhere
Lehrerinnenſeminaxr in etwas veränderten Formen
als Lyzeum (ſ. d.) u. Oberlyzeum (ſ. d.) einſchließ»
lich Frauenſchule (ſ. d.) beſiehen. Für die Aus=
bildung zur Univerſitätöreife wurden beſondere
„Studienanſtalten“ (ſ. d.) geſchaffen, die nach
dem Bildungsweg für Gymnaſien, Realgymnaſien
od. Oberrealſchulen eingerichtet ſein können. Die
Mehrzahl der in Preußen bis dahin gegründeten
gymnaſialen od. realgymnaſialen Kurſe wandelten
ſich nun in Studienanſtalten um (vgl. Statiſtik
beim Art. Studienanftalten); nur wenige hielten
ihre Sonderexiſtenz aufrecht (jf. Abſchn, 111). Auch
manche norddeutſche Staaten ſind zur Gründung
von Studienanſtalten übergegangen, davon Heſſen
u. Sachſen mit ſtarker Abweichung vom prenßi-
ſchen Plan. --- In Bayern hat durch die Neu-
ordnung des Mädchenſchulweſens v. 8. April 1911
das M. Cxiſtenzberechtigung erhalten 3; die Gym=
naſial» u. Nealgymnaſialkurſe für Mädchen ſind
an das 3. Jahr der höhern Mädchenſchule (an das
7. Schuljahr überhaupt) angegliedert u. umſaſſen
6 Jahres8kurſe ; der Weg durch ſie u. die Univer=
ſität führt zum Lehramt an höhern Mädchenſchulen
u. an M., verleiht aber aud) no andre Berech
tigungen (Bibliothekarin, Apothekerin, Ärztin,
Zahnärztin, Handels8lehrerin uſw.). = In Baden
iſt eine teilweiſe Neuordnung erfolgt dur die
Miniſterialverordnung v. 29. März 19183, die
den Auſbau zugunſten der Gabelung ablehnt. E3
dürfen an den beendeten 4. Jahre8kur3 höherer
Mädchenſchulen die 6 obern Jahreskurſe von Gyms-
naſien, Nealgymnaſien u. Oberrealſchulen ange=
gliedert werden; bei der Angliederung einer Ober-
realſchulabteilung kann dieſe ausnahmsweiſe mit
miniſterieller Genehmigung im Anſchluß an den
beendeten 5. Jahreskurs der höhern Mädchenſchule
auf die 5 obern Jahreskurje beſchränkt werden.
Dieſe Anſtalten führen die Benennung höhere
Mädchenſchule mit M., mit Mädenrealgym-
naſium od. mit Mädchenoberrealſchule ; für die
zwei lehtern Kategorien gelten die für Realgym=
naſien mit neuſprachlichem Unterbau u. die Ober-
realſchulen erlaſſenen Lehrpläne, für die erſte wird
der Lehrplan bis zum Erlaz einer allgemeinen
Anordnung im Wege der Vereinbarung mit den
beteiligten Gemeinden feſtgeſtellt, Die Neiſe-

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