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1795 erworbenen polniſchen Landesteilen bemühte,
hat erſt neuerdings P. Schwarß (ſ. u, Lit.) völlig
flargeſtellt, 1790 wurde er an in die Akademie
der Künſte u. der mechaniſchen Wiſſenſhaſten als
Mitglied auſgenommen. Auſgerieben durc ſeine
vielſeitige Tätigkeit, ſtarb er am 24. Sept, 1800
infolge der Strapazen einer Dienſtreiſe nach Süds
preußen, =- Seine von Schadow geſchaffene Büſte
wurdeſchon 1801 im großen Hörſaal de8 Joachims»
talſchen Gymnaſiums aufgeſtellt.
DH. Die Bedeutung M.3 beruht nicht ſo ſehr ||
auf ſeinen wiſſenſchaftlichen Leiſtungen als viel=
mehr auf ſeinen ungewöhnlichen praktiſchen Ver-
dienſien al8 ausgezeichneter Lehrer, Direktor u.
Verwaltungsbeamter, die ihm den Ehrentitel eines
Praeceptor Borusgsiae eingetragen haben. Bez
deutung3voll bleibt ſein Name für das Abiturien=
tenexamen, um deſſen im Dez. 1787 von dem
Kanzler der Univerſität Halle v. Hoffmann erſt=
mals angeregte Einführung (23. Dez. 1788) er
ſich ſehr verdient gemacht hat; er arbeitete 3. B.
im Auſtrage des Oberſc ment für die Schulzeugniſſe aus, Jn den Reſfor-
men, die er im Joachimstalſchen Gymnaſium
fraſtvoll durchſührte, berührte er ſich mannigfach
mit ſeinem Zeitgenoſſen Gedike (ſ. d.); wie dieſer
behandelte er im Unterrichte auch die „Enzyklo»
pädie der Wiſſenſchaften“. Al3 dur die berühmte
Kabinetts3order v. 5. Sept, 1779 die Grundlinien
für die künftige Geſtaltung des preußiſchen höhern
Schulweſens in maßgebender Form gezeichnet
worden waren, erhielt M. durch den Miniſter
v. Zedliß den Auſtrag, dementſprechend die neue
Lehrordnung für da8 Joa an8özuarbeiten, die dann den andern Gymnaſien
Preußens al8 Vorbild dienen ſollte, =- Als
höchſtes Unterricht8ziel galt M. die harmoniſche
Ausbildung aller Seelenkräſte. Dazu ſchien
ihm da38 verſtändig betriebene Studium der
Alten da3 Hauptbildungsmittel zu ſein. Das
Latein (vor allem die Lektüre des Cicero) ſtellte
er im Unterrichte an die erſte Stelle (in den
4 untern Abteilungen mit 11, in der obern
mit 7 Wochenſtunden), u. deſſen Methodik bildete
ſein Spezialſtudium, Seine „Lateiniſche Gram=
matik in Beiſpielen“ (2 Vde, Berlin 1785)
ſuchte die Sprache in einem eignen „rein induk=
torijhen“" Lehrverfahren ohne mechaniſches Lernen
zu lehren. Konnte M. aus naheliegenden Grüns
den mit einer ſol dringen, ſo bleibt ihm do das Verdienſt, die im
18. Jahrh. einſeßende dur der Übungätexte zum grammatiſchen Unterrichte
am fſinnreichſten durc Verwendung geeigneter Sentenzen u. ſeine Art,
„den Sprachſtoſf für die Negel durchſcheinend“
zu machen, iſt auch für die Gegenwart no nach-
ahmen3wert. Dem Griechiſchen widmete er in der
5. Abteilung 3-4, in den 4 obern dagegen 5
Wochenſtunden. Seinem Spracunterrichte, der
im allgemeinen die ſtatariſche Lektüre bevorzugte,
Meineid -- Meinung, gute.

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rühmte man nach, daß er nicht wenige Schüler
jo weit ſörderte, daß ſie „den Homer u. einen
Hiſtoriker mit Leichtigkeit“ leſen könnten. Daneben
vernachläſſigte M. aber die Logik, die Nhetorik (in
einem niedern u. höhern Kurſe), die deutſche
Grammatik, die Geſchichte, die Geographie u. die
Naturwiſſenſchaften nicht (für leßtere regte er die
Schaffung eines Naturalienkabinett8 an). Von
der Philoſophie berüdſichtigte er vor allem die
Geſchichte; die Mathematik u. die neuern Sprachen
einen nur eine geringe Rolle in ſeiner Schule
geſpielt zu haben. Dagegen wiſſen wir aus einem
Programme von 1779, daß er mit dem Unter-
richte in der deutſchen Literatur Verſuche gemacht
hat. -- Von M.38 Scriſten ſeien außer der ſchon
genannten Grammatik noch erwähnt: „Sitten u.
Lebensart der Römer“ (2 Bde, Berlin 1776,
21814); Ciceronis vita (ebd. 1783); „Briefe
über Schulprüfungen“ (ebd. 1785).
Literatur. F.L. Brunn, Verſuch e. Leben38«
beſchr. M.3 (1802) ; Kießling, Art. M. in K. A.
Schmids „Enzyklop. d, geſ. Erzieh. u. Unterrichts-
weſ.“ 1V (*?1881); Symbolae Joachimicae (1880)
217/235; R. Hoche, in Allg. Deutſche Biogr. XX1
(1885) 213 ff; K. A. Schmid, Geſch. d. Erziehung
V, 1(1901),165f; P. Shwarß, Die Gelehrtenſchul.
Preußens unt. d. Oberſchulkolleg. (1787/1806) u.
das Abiturientenexamen (2 Bde, 1910 f); derſ.,
Die preuß. Schulpolitik i. d. Prov. Südpreuß. 11.
Neuoſtpreuß. (1795/1806) (Zeitſchr. f. Geſch. d.
Erzieh. u. d. Unterr. 1911, 135/195).
[C. M. Roloff.]
Meineid [. Eid.
Meinung, gute. Unter g. M. (eigentlich
gute Sinnesrichtung) verſteht man in der lichen Moral die ſubjektive Beziehung einer äußern
Handlung auf einen ſittlich guten Zwe, in8beſon=
dere auf den höchſten Zwe, auf Gotte3 Chre, Die
M., Abſicht (Intention) iſt für jede äußere Hand=
lung die Seele, da3 Formalobjekt u. daher für ihre
ſubjektive Moralität entſcheidend. Siekommt haupt=
ſächlich in Betracht bei den an ſich (abſtrakt ge=
nommen) indiſſerenten Handlungen (die an ſic
weder gut noc ſchlecht jind : Leſen, Screiben,
Kaufen). Die g. M. macht aus ſolchen ſittlich un=
beſtimmten Handlungen ſittlich (natürlic) od. über-
natürlich) gute Werke. Daher die Bedeutung der
g. M. für das ſittliche Leben, das ungemein durch
ſie wächſt, weil ja der größte Teil des irdiſchen
Menſc lungen, wie Eſſen, Schlafen, körperlicher Bewegung
uſw., beſteht. Die fir Tagzeiten) wie die Hl. Schriſt mahnen darum,
die g. M. recht oft zu erneuern. Paulus fagt z. B.
(1 Hor 10, 31): „Ob ihr nun eſſet od. trinket od.
etwa3 andre3 tut, fo tuet alle8 zur Ehre Gotte3!"
Vgl. auch Kol 3, 17; 1 Petr 4, 11; Jo 15, 8;
Phil. 1,10 f u. die Wahlſprüce eines hl. Benedikt
(U. 1.0. g. D.) u. eines hl. Jgnatius (0. a. m. D.
g.). Die ſortgeſehte Erneuerung der g. M. iſt das
„Beten ohne Unterlaß“, das dem Chriſten zur Pflicht
gemadt iſt (Lk 18, 1; 21, 36; 1 Theſſ 5, 17;

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