811
TF. Sthaub , Die kathol. Caritas u. ihre Gegner
at H. Auer, A. F. Ozanam (1913); WW. Lieſe,
Wohlſjahrtspflege u. Caritas (1914); H. Kroſe,
Nirc<1. Handb. (kath.); I. Schneider, Kirchl, Jahrb.
für die evang. Landeskirchen Deutſchlands; H.
Priebe, Nir wiſſenſch, Moral u, ihre Lehrweiſe (1910); I.
Dillinger, Kirchl. u. ſtaatl. Armenpflege (1912);
G. Dirtſſel, Die uner]döp/l. Goldgrube (1905 ; ſchön
u. volfstümlich): ſür Unterrichtszweele : H. Dit»
ſcheid, Soziale Frage u. werktät. N, |. Schule u.
Hays (21912). [H. Ditſcheid.]
Natkikultur., Die Gegenwart treibt einen
Kultus der Natftheit, wie er in den Berioden
ſtärkſten Verſalls einzelner Länder, 3. B. in Frank»
reich vor der Revolution, kaum eifriger gepflegt
worden iſt, Frühere Erſcheinungen ähnlicher Art
werden auch noch dadurch überboten, daß man
dieſe N. in die Erziehung hereinzubringen verſucht.
Die „ſittliche Abhärtung“, um derentwillen man
die N. in der geſchlechtlichen Erziehung (ſ. d.) ge-
pflegt wiſſen will, iſt ein zu gewagtes Experiment.
Der alte Erziehungöpraktikei Ludwig Auer ſagt
darüber iy: ſeinem Büchlein über die geſchlechtliche
Erziegung, man werde doch nicht durch Verab-
reichung von Giſt gegen Giſtanſnahme „abhärten“
wollen. --- Von der Geſährdung der Jugend durch
die heutige Propaganda der Nacktheit in Poſt-
karten, Albums, Zeitſchriften, ſonſtigen „VBilder“-
werken, ferner auf der Bühne, die leider immer
mehr wahl» u. auſſicht3lo3 auch der Jugend zu-
gänglich wird, ſoll hier nicht gehandelt werden
(vgl. darüber den Art. Schundliteratur u. Schmuß-
kunſt). „Sittlicher Jugendſchuß“ tut nach dieſer
Richtung ebenſo not wie die übrigen einſchlägigen
Beſtrebungen; er muß die Prophylaxe bilden für
die Neinerhaltung de3 nachwachſenden Geſchlechts,
Hier iſt zu ſprechen von den Formen, in denen
die N. unter Vorſchüßung von heilſamen Reformen
in die Erziehung einzudringen ſucht, Die über»
triebene Vorliebe für geſc klärung(ſ.d.)hat dazu geführt, daß -- noch dazu
beſonder3 von Franen (Maria Liſchnew3ka)! --
die Vorführung u. Beſprechung de3 naten Kör-
per3 unter beſonderer Hinlenkung auf die Ge-
ſchlechtsteile im öffentlichen Unterrichte geſordert
wurde. Ja ſchon Sechzjährigen wollte man Mo»
delle des Körper3 ſamt den Geſchlecht3teilen demon-
ſtrieren. Baſedow u. die andern philanthropiſchen
Erzieher wurden damit überholt, aber die Ab»
lehnung war auch eine ſehr weitgehende. Durch
die ganze deutſche Lehrerpreſſe jeder Nichtung wurde
z. B. der Vorſchlag einer Lehrerin, die Nacktmo-
delle Sindern in der Volksſchule vorzuführen, zum
Teil in der ſchärſſten Form zurückgewieſen.
In andrer Weiſe tritt die N. an die Schule
heran durch die Forderung dez Nac>tturnens,
Pudor iſt der Hauptverfechter der Jdee, auf den
Kunſterziehung8tagen wurde ſie von einzelnen
Rednern vertreten, u. manche Kreije der Turn-
lehrerſchaſt ſympathiſieren mit ihr. Verſchiedene
Vorkärpfer der N. (ſo z. B. wieder die Liſchnew3ka)
Nacktkultur -- Nägeli, Haus Georg.

812
fordern vollſtändiges Nactſein, ſelbſt beider Ge=
ſchlechter, andre bewilligen wenigſtens Schwimm-
Hoſe für Knaben u. leichte Faltenhoſe bei völlig
nacktem Oberkörper für Mädchen. Als Gründe
führt man an: Bei den körperlichen Übungen
werden die Hautausſcheidungen vermehrt u. durc
die Kleidung zurückgehalten. Dieſer Grund iſt
nur ſtichhaltig bei ungeeigneter Turnkleidung, die
heute jedoch allenthalben ſchr zwe>mäßig geſtaltet
wird. Das Turnen ſoll ferner lehren, den Körper
zu fühlen; der bekleidete Körper habe aber kein
Taſtgeſühl, DieS iſt eine Übertreibung. Die Ge=
jhmeidigkeit nu. Beweglichkeit, die vernünftiger=
weiſe nur als Sinn dieſe8 „Fühlen8“ in Betracht
fommt, läßt ſich bei leichter Turnkleidung ebenſo*
gut erzielen wie bei Nacktheit. Schließlich wird
geſagt, der Turnlehrer müſſe den Körper des Zöge-
lings bilden u. de8halb jede Bewegung genau be=
obachten können. Der Turnlehrer hat aber doc
nicht eine Muskeltrainage im Sinne de3 Akro-
baten vorzunehmen, od. wie dies beim orthopädi-
ſchen Turnen notwendig werden kann. Er hat
mit dem normalen Körper zu rechnen, muß die
Wirkung einer Übung auf dieſen im voraus kennen
u. auch die korrekte Ausführung aller Bewegungen
bei leichter Kleidung kontrollieren können. Dazu
iſt noc< zu berücſichtigen, daß eine Neihe von
Gerätübungen, die direkte Berührung mit Eiſen
od. Holz nötig machen, nat doch nicht ausgeführt
werden können. Unter dieſen Umſtänden müſſen
wir die turneriſche N. ablehnen, umſomehr als mit
ihr die treueſte Hüterin von Keuſchheit u. Neinheit
geranbt würde: die Scham,
Literatur. L. Auer, Die Einſühr. in e. rich
tiges Geſchlehtsleben (1907); Körper u. Geiſt
(Turnerzeitſchrift), Jahrg. 1907 ff; F. Weigl, Er-
zieher u. moderner Nactkultus (Pädag. Zeitfr.,
Hft 25 [1909]; F. W. Foerſter, Sexualethik u.
Sexualpädagogik (21910). [F. Weigl.]
Nägel (Fingernägel) ſ. Haut (Abſchn. X11).
Näsgelt, Hans Georg. 1. Leben, N. wurde
am 16. Mai 1773 zu Weßikon bei Zürich al3
Pfarrerdjohn geboren. Der Vater pflegte eifrig
den Volksgeſang zur Verſchönerung der Volks-=
verjammlungen u. übte ein= u. zweiſtimmige Lieder
aus der Sammlung ſeines Vorgängers Shmidli :
„Singende3 u. ſpielende3 Vergnügen reiner An=-
dacht“. Vom Vater ging der Gedanke, die Muſik,
namentlich den Geſang zum Gemeingut des Volkes
zu machen, auf den Sohn über. Dieſer eröſſnete
1791 in Zürich eine Muſikalienhandlung nebſt
Muſikverlag, in dem ſeine eignen Werke erſchienen
ſind. Er begründete den Schweizerbund für
Muſiklultur u. war in der Schweizeriſchen Muſik-
geſellſchaft eiſrig tätig. Auch in Süddeutſchland,
ſo in Karlruhe, Darmſtadt, Mainz, Frankfurt,
Stuttgart, Tübingen, hielt er begeiſterte, lehrreiche
Vorträge über Muſik, die auf Beethoven8 YVer-
anlaſſung gedruekt wurden: „Vorleſungen über
Muſik mit Berückſichtigung der Dilettanten“
(1825), Eine Kritik über Thibaut3 „Über Nein-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.