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iſt leicht zu verhüten, wenn man Sorge trägt, |
daß im Schulzimmer gute, reine Luſt mit Feuch».
tigkeitägehalt vorhanden iſt, u. daß die Kinder die
Stellung häufig wechſeln. Außerdem verbiete der
Lehrer ſireng das Bohren in der Naſe. Iſt N.
eingetreten, jo muß jedes unnötige Schneuzen ver»
mieden werden. Man entſerne einengende Klei»
dungöſtüe, namentlich enge Halsbekleidung, laſſe
den Kopf vornüberhü'lten, drücke die Naſenflügel
mit den Fingern zu uv. laſſe kühles Waſſer, dem
man (auf eine Kafſeetaſje) 2 Löſſel Eſſig od. 1
Teelöſjel Alaun beigibt, auſſ Blutung iſt Tamponade (Verpfropfung) der Naſe
durch den Arzt angezeigt. Am wenigſten eignet
ſich hierfür die allgemein übliche braune Eijen»
jormwatte. Manc Einkauchen der Füße in kalte8 Waſſer geſtillt.
iäauſlegen auf die Naſe tut manchmal ebenſall3
gut, ebenſo da3 Hinauſſchieben von Cisſtüc in da3 blutende Naſenloch.
Literatur. M. Bresögen, Das Sc Naſe (1898); A. Fehringer, N., Bluthuſten u.
Blutbrechen (1908). [A. Baur.]
Naſeweisheit ſ. Neugierde.
Nationale Schule. 1. Das nationale
Lehrgut. Der alte vollberechtigte Grundſaß, daß
die Schule dem Leben dienen müſſe, würde an ſich
ſchon ausreichen, den Wert des nationalen Mo»
ment3 für die Jugendbildung zu begründen, ob-
wohl da3 Leben, d. i. da3 Gemeinleben der Men»
Ichen auf beſtimmtem Boden, auf eine Mehrzahl
von Verbänden geſtellt iſt. Das Vehikel alle3
Verkehrs iſt die Sprache, alſo ein nationale3 Gut;
nächſt ihr die Sitte, die nach ihrer Naturſeite durch
die Nationalität mitbedingt iſt. Soſern die Volk3»
einheit auf der gemeinſamen Abſtammung beruht,
die lektlich auf die Familiengemeinſchaft, alſo das
Haus, zurückgeht, ſtre>t das nationale Moment
feine Wurzeln bis in die urſprünglichſte Stätte
der Erziehung hinein. Die Erweiterung de3 Hauſe3
zur Heimat, wie ſie für die ſittliche Erziehung von
größter Bedeutung iſt, iſt ohne nationalen Ein»
ſchlag nicht zu vollziehen. Die Schule hat in dem,
wa3 die Jugend mitbringt, in ihrer Sprache, Sitte,
Anſchauungsweije die Fußpunkte für ihre Auſgabe
zu ſuchen u. wird es um ſo mehr, je größere3 Ver-
ſtändnis ſie ſür den Abſchluß der Bildung in der
Sittlichkeit erkennt.
11. Nationale 1. internationale Bildungs-
werte, Die Kulturgemeinſchaſt der Völker u.
weltgeſchichtliche Bewegungen haben aber wieder»
holt in da3 Leben u. damit in die Schule die Auſ-
gabe geſtellt, dem Volkstum ſremde Elemente zu
aſſimilieren. Die Völker mit national-ſelbſtwüch-
ſiger Kultur ſind hinter denen mit zugewachſenen
geiſtigen Elementen zurückgeblieben, u. es bedeutet
einen Fortſchritt, da3 Cigne u. das Fremde zu einer
Einheit zu verarbeiten, was in verſchiedener Weiſe
geſchah, worüber die vergleichende Erziehungs- u.
Bilduag3geſchichte lehrreichen Auſſchluß gibt.

Naſewei3heit =“ Nationale Sule,
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So waren die Römer genötigt, griechiſche Bil
dungörlemente auſzunehmen (vgl. Willmann, Di=
dakti? [1909] 88 12/14). Man lernte Griechiſch,
regulierte das Lateinnachgriechiſchem Muſter, über-
ſehte Homer, bildete ihn lateiniſch nac 1, Horaz ein poetiſches Lehrgut ſchufen, das als
national u. klaſſiſch gelten konnte ; auch die Re-
eption der griechiſchen Nedekunſt, die Philoſophie,
ie Wiſſenſchaften, mußten verſchiedene Stadien
durchlauſen, ehe ſie den Völkern einer neuen Pe=
riode zum Lehrgute dienen konnten. Dieſes u.
mit ihm verbunden die wie Pfropfreiſer auf Wildlinge, den jugendlichen
Völkern dargeboten, wobei das nationale Moment
zurücſiehen mußte. Doch kann man nicht ſagen,
daß die Kultur de3 Mittelalter3 demoraliſierend
wirkte, Die ritterliche Bildung u. da3 gewerbliche
Lehrweſen geſtalteten ſich national, ſelbſt der Schul-
unterricht fand in einem ſittenhaſten Schulleben
ein volkstümliche3 Clement ; ſogar die lateinijch-
lehrenden Univerſitäten hatten mit dem Volksleben
Fühlung (ebd. 8 18).
Die Renaiſſance brachte die altklaſſiſchen Stus-
dien in Flor u. entfremdete die Geiſter vielfa) der
Volkäliteratur, aber bot doch auch Entſchädigungen;
in jene Zeit fällt die grammatiſche Bearbeitung
der meiſten europäiſchen Sprachen, u. auch die
nationalen Literaturen empfingen Anregungen von
der klaſſiſchen (|. Humaniſtiſches Schulweſen). Die
Didaktiker traten ſür die Verwendung der Mutter-
ſprache im Lateinunterricht ein. Die Aufklärung
förderte das Volksſchulweſen, wenngleich ſie vor»
wiegend kosmopolitiſch gerichtet war. Die Frei-
heitökriege belebten mächtig den vaterländiſchen
Sinn, u. in dem deutſchen Volks8ſchuljyſtem erhielt
das nationale Moment prinzipiell eine maßgebende
Stellung; für alle Schulen wurden Heimat- u.
Vaterlandskunde , Volk8poeſie , Nationalliteratur
zu methodiſch verarbeiteten Bildungsmitteln er-
hoben.
111, Nationalität u. Religion. Das Erſtarken
des nationalen Elements hatte ſich im Cinklange
mit dem haltung iſt das Gedeihen des Schulweſens weſent-
lich bedingt. Die Beſtrebungen, die Jugend zu
Volksgenoſſen zu bilden, ſind mit der ſittlich-reli-
giöſen Aufgabe der Schule ſchr wohl verträglich
u. finden bei beſonnener Geſtaltung daran den
beſten Rückhalt. Die Pietät gegen unſre lichen Altvordern weiſen auf beide Elemente hin;
der ſalſche Ko3mopolitiamu3 iſt immer zugleich
ungläubig. Die n. S. darf darum nicht die Ne-
ligion erſeßen wollen, od. auch nur die Konſeſſio-
nalität beiſeiteſezen. Der univerſale Zug des
Chriſtentums hält den einſeitigen Nationaliömus
hintan u. kommt in dieſem Betracht mit dem
Prinzip der Humanität (ſ. d.) überein ; nationale
Selbjtüberhebung, die neben dem eignen Volke
nur minderwertige Nationalitäten zu finden ver-
meint, iſt ebenſo unchriſtlich wie inhuman, wie
in kultureller Hinſicht gefährlich.

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