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Lehrer ſeminariſtiſchexr Bildung verliehen, ſo daß
dor? die jüngern Jeſtangeſtellten Akademiker keine
unterſcheidende Amtsbezeichnung haben.
131. Andre Amtöbezeichnungen ſür akade-
wii gebildete Lehrer in Süddeutſchland 3. in
ſterreich. In Baden, Würitemberg, Bayern u.
Oſterreich gibt es die Amtsbezeichnung O. für
Akademiker nicht. Die verbreitetſte Benennung iſt
Hier Proſeſſor. Dieſer Titel wird in Baden ſoſort
bei der ſeſten Anſtellung verlichen. In Würtitem»
berg heißt der Akademiker al8 Lehrer auf der
Mittelſtufe (V=-O III) Oberpräzeptor bzw. Ober»
reallehrer, auf der Oberſtufe (VII--O1) Pro»
Jeſſor ; den Lehrern der Mittelſiuſe wird jedoch
nach längerer Dienſtzeit gleichſall8 der Titel Pro»
feſſor verlichen, Die Klaſſen der Unterſtufe (Vor-
ichule u. VI) führt an humaniſtiſchen Anſtalten
in der Negel der nur ſeminariſtiſch gebildete Prä»
zeptor, an realiſtiſchen Schulen der Negllehrer
(j. d.). In Bayern kennt man die Amtsbezeich»
nungen Gymnaſial» u, Reallehrer u. Proſeſſor
ſowie für Fälle beſonderer Auszeichnung Kon»
retjox u. Studienrat, Die beiden lehten Benen-
nungen ſind auch in Sachſen üblich. In Öſterreich
iſt der akademiſch gebildete Lehrer zunächſt proviſo-
riſcher Gymnaſial» od. Realſchullehrer 1. wird nach
8jähriger zuſriedenſtellender Dienſtleiſtung als
wirklicher (definitiver) Lehrer im Lehramte beſtätigt
mit Zuerkennung des Proſfeſſortitels. Akademiſch
gebildete Lehrer an mittlern u. höhern Schulen er-
halten bei längerer Dienſtzeit od. bei der Penſionie-
rung den Titel „Schulrat“ od. „Regierungsrat“.
-- Über die Zahl der feſtangeſtellten akademiſch
gebildeten Lehrer in den verſchiedenen Bundes»
ſtaaten u. in Öſterreich vgl. den Art, Hilſslehrer.
111. Seminariſtiſch gebildete DO. In Baden
bezeichnet man mit O. unter anderm denjenigen
Volksſchullehrer, der an kleinern Orten Über die
Geſamtheit ſeiner Amts8genoſſen od. in größern
Städten über die in einem Schulhauſe unterrich»
tenden Lehrer eine Art Auſſicht führt, der die
laufenden Geſchäfte erledigt, die Lehrmittel ver-
waltet, für Durchſührung der Schulordnung ſorgt
uſw. Ortſc einen (neuerdings akademiſch gebildeten) Rektor;
an Schulen mit 4 bis 10 Lehrern wird ein „Erſter
Lehrer“ beſtimmt, der auch den Titel „O.“ ſührt,
In Württemberg heißt O. der Schulvorſtand (dem
auch mehrere Schulhäuſer unterſtehen können) an
der 3--bklaſſigen Schule. Bei mehr als 7 Klaſſen
ſührt der Schulvorſtand den Titel „Vollsſchul-
reltor“, der die Beſähigung zum Amt eines Be-
Zirköſchulauſjeher8 beſihken muß. Auch in Bayern
wird der auſſichtſührende „Hauptlehrer“ an einem
ſtädtiſchen Schulhauſe O. genannt. In Öſter-
reich heißt O. der Leiter einer mehrklaſſigen Volks»
ſchule (der an einklaſſigen heißt Schulleiter), Als
Auszeichnung erhält der verdienſtvolle O. den
Titel „Direktor“. Für ſeminariſtiſch gebildete
Leiter größerer Schulorgani8men beſteht auch der
Titel „Laijerl. Rat“.
Oberlehrerin -- Oberlin, Johann Friedri.

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Den Titel O., u. zwar Seminar-O, führen
ferner in Württemberg u. Bayern die an Semi-
naren unterrichtenden Jeminariſtiſch gebildeten
Lehrer, Baden hat faſt nur akademiſch gebildete
Seminarlehrer (ſ. Lehrer an Seminaren).
Zn Bayern gibt es überdies ſeminariſtiſc ge-
bildete Bezirk8-O., welche die Konſerenzen der
Volksſchullehrer leiten u. den jungen Hilfslehrern
Anregungen geben müſſen. Verdiente Bezirk8-O.
erhalten bei ihrer Penſionierung den Titel O.
Literatur. H. Morſc Deutſchl. u. Öſterr. (*? 1910); L. Wieſe, Das höh.
Schulweſ. in Preuß. IV (1902, hr8g. v. Irmer);
F. Paulſen, Geſch. d. gelehrt, Unterx, (2 Bde,
21896 Ff); R. Groſſe, 1810/1910. Beitr. 3. Geſch. d.
O. ſtandes (1910); W. Oberle u. E. Nöſters, Taſchen»
buch |. d. höh. Lehrerſtand Preuß, (1.--3. Tauſ.,
19125; 11, Teil: Geſchichtl. Entwill. d. O.ſtandes8).
[W. Oberle.]
Obexlehrerin ſ. Lehrerin (Abſchn. 11, 12).
Oberlehrertag [. Lehrerverſammlungen.
Oberlin, Johann Friedrich. 1. Lebenß-
lauf. O. wurde als Sohn eines Gymnaſial-
profeſſor8 am 31. Aug. 1740 in Straßburg i. €.
gehoren. Sc idtätigkeit, ſeine Abneigung gegen jegliche Un-
gerechtigkeit u. ſeine Einfachheit als beſondere
Charakterzüge hervor. Dazu kam ein tieſes Ge-
müt. Nach langer Unentſchiedenheit wandte er ſich
dem theologiſchen Studium zu. Wie ernſt er es
damit meinte, geht aus einem ſchriftlichen Aft her-
vor, in dem er ſich feierlich mit allen ſeinen Kräſten
am 1. Jan. 1760 Gott weihte, Seine erſte Stelle
al8 Hofmeiſter verließ er, al8 man ihm den Feld-
predigerpoſien in einem ſranzöſiſchen Regiment
anboi. Noch bevor er aber dieſe8 Amt antrat, ge-
lang es ſeinem Vorgänger im Steintal (Vogeſen),
dem Paſtor Stuber, den jungen Kandidaten ſür
das Apoſtolat unter den ſozial ſehr ſchlecht ge-
ſtellten Steintälern zu begeiſtern. Jm April
1767 trat O. dieſe ſeine Lebensſtellung in Wal-
dersbach an, für die er in Magdalena Salome
Witter am 6. Juli 1768 eine ihm gleichwertige
Gehilſin ſich heimführte. Zuerſt richtete der
Pfarrer ſein Hauptaugenmerk auf die materielle
Hebung ſeiner Gemeinde, von der Überzeugung
getragen, daß wohlgeregelte Arbeit den Boden für
das Chriſtentum erſt bereiten müſſe. Dur)
Brüden- u. Straßenbau, wobei er ſelbſt mit Hand
anlegte, verband er das abgelegene Tal mit der
Haupiſtraße (1770), gründete einen landwirt-
ſchaſtlichen Verein, der Preiſe für Obſtbau u.
Viehzucht ausſetzte (1778), u. deſſen Mitgliedern
er wöchentlich 2 Vorleſungen hielt. Nicht zuleßt
wandte er ſeine Sorge au der Scule zu, die er
in gänzlich verwahrloſtem Zuſtande angetroſſen
hatte. Er führte das Baumwolleſpinnen u. das
Weben ein, machte eine Bibliothek den Leuten zu-
gänglich u. trat zwe>d8 Beſchafſung von Bibeln
als erſter auswärtiger Korreſpondent mit der Bri-
tiſchen Bibelgeſellſchaſt in Verbindung (1804).

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