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Staaten iſt eine Art Perjonalunion zwiſchen
dem Miniſterium u, den Provinzialbehörden da»
durch hergeſtellt, daß die Vorſihenden der lehtern
zugleich Mitglieder des Miniſteriums ſind. In
Preußen u. Öſterreich wird die Stelle des erſten
Borſizenden (Präſidenten) von den jeweiligen
„Oberpräſidenten“ bzw. „Stattihaltern“ bekleidet;
die laufenden Geſchäfte de3 Vorſißes werden aber
in der Regel von Stellvertretern wahrgenommen.
Die Zuſammenſezung der Zwiſchenbehörden
iſt je nach den verſchiedenen Staaten recht mannig»
ſaltig. In Oſterreich gehören auch Laien dazu
(ebenſo in Hamburg, Bremen, Braunſchweig), in
Bayern, Baden (ane), Württemberg
ind auch Lehrer von Hochſchnlen u. Schulmänner,
ie nc. im praktiſchen Schuldienſte ſtehen, ver»
treten. Außerdem ſind überall Juriſten („Juſti-
tiare“ uſw.) vorhanden, dazu bisweilen Bauräte,
Medizinalräte, Kirchenräte.
111. Die Reichs-Schulkommiſſion. Das
Schulweſen iſt Sache der einzelnen deutſchen Bun»
deöſtaaten ; jedoch iſt eine das ganze Neich um-
faſſende Behörde erforderlich mit Nückſicht auf
ie wiſſe ſchaftliche Berechtigung zum einjährigen
Heereödienſt, weil ja die Einheit des Heere3 das
ganze Reich umſchließt. Deshalb werden nach
390 der deutſchen Wehrordnung die Lehranſtalten,
die gültige Zengniſſe für den einjährigen Dienſt
ansſtellen dürfen, durch den Reichskanzler „aner»
kannt u. klaſſifiziert". Zu ſeiner Unterſtüßung iſt
vom Bundesrat die Reich3-Schulkommiſſion (f. d.
Art.) eingeſjeßt.
Literatur. H. Morſch, Das höh. Lehramt in
Deutſchland u, Oſterreich (* 1910); H. Shwochow,
Die Schulpraxis für das Volksſchulweſen (*? 1905, 1
31912); Frankſurter in Baumeiſters „Handbuch d.
Erziehungs» u. Unterrichtölehre" 1, 2. Abt. (1897;
öſterr. Schulweſen) ; E. Horn, Das höh. Schulweſ.
der Staaten Europas (?1907); A. Beier, Die höh.
Sthul. Preuß. (f. d. männl. Jugend) u. ihre Lehrer
(? 1909). [F. Cramer.]
Oberſtudienrat [. Studienrat.
Oblateninuſtitut, Das O. iſt eine dem
mittelalterlichen Kloſterweſen, insbeſondere dem
Benediktinerorden eigentümliche Einrichtung, der»
gemäß Kinder, oft noch im zarten Alter, von ihren
Eltern in ſeierlicher Weije Gott im Kloſter ge»
weiht wurden. Solche Kinder hießen puori ob-
Jati ( „geopferte Kinder“) od. einfachhin Oblaten.
Sie waren wirkliche Mitglieder der Kloſterfſamilie,
trugen den Mönchöhabit u. wurden im Kloſter für
den Mönch3beruf erzogen u. ausgebildet.
I. Geſchichtliches. Schon in den ägyptiſchen
Klöſtern de3 hl. PBachomius (+ 346) war es üblich,
auch Kinder für da3 Kloſterleben zu erziehen.
Dieſe Sitte nahm auch der hl. Baſilius (ſ. d.),
der Organiſator de3 Orden3weſens in der morgen-
ländiſchen Kirche, in ſeine Kloſterregel auſ; nur
wahrte er den Jungauſgenommenen da3 Recht, ſich
ſpäter frei für den Ordensberuſ zu entſcheiden. Bis
in die Gegenwart hat ſich mit der Baſilianiſchen
Oberſtudienrat -- Dblateninſtitut,

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Rloſterregel auch da8 Baſilianiſche OD. mit un-
weſentlichen Abweichungen in der orientaliſchen
Kirche erhalten, Ander8 geſtaltet iſt das O. beim
HI. Beneditius (+5 543). Im Kap. 59 ſeiner
„Negel“ net auch er Kindern jeglichen Alter8
die Pforte jeine3 Kloſter8 ; betrachtet ſie aber von
vornherein al8 wahre Mitglieder der klöſterlichen
Familie gleich den Mönchen u. kennt eine nach»
trägliche freie Entſcheidung fürs Ordensleben
nicht; ihr Beruf iſt durch die Oblation der Eltern
für immer feſtgelegt. Dieſe die perſönliche Frei-
Heit ſtar? beeinträchtigende Beſtimmung der Bene
diftinerregel findet ihre Erklärung in der alt=
En Rechts8aufſaſſung, die dem Vater eine
gewijje abſolute Gewalt über ſein Kind zuſpricht,
u. die zu der Zeit, da St Benedikt ſeine Regel
ſchrieb, noch da8 ganze öffentliche u. private Leben
im Abendlande beherrſchte. Diejes Benediktiniſche
O. mit ſeiner abſoluten Verbindlichkeit der elter-
lichen Oblation hat, ſolang bei dieſer nur reli»
giöje Motive obwalteten u. die Erziehung der
inder im Geiſte des heiligen Ordenöſtifter3 ge-
übt wurde, unſtreitig viel zum Aufblühen des
Kloſterweſens u, damit zur Ausbreitung der lichen Kultur im Abendlande beigetragen. Wo
aber nicht religiöſe, fondern vielmehr weltliche
(Verſorgung), oft gar ſehr verwerſliche Beweg»
gründe (Enterbung aus Geiz) bei der Opferung
des Kinde3 im Spiele waren, da kamen nur zu
häufig auch beruſsloſe Elemente ins Kloſter, die
dieſem zum Verderben wurden. Auf dieſen Ums
ſtand iſt zweiſellos der Niedergang de3 Benediks=
tinerorden38 in der erſten Hälfte des Mittelalter3
zurückzuführen. Das Reſormkloſter von Cluny
(gegr. 910) behielt das O. in der Form bei, daß
die Oblaten wohl den klöſterlichen Habit u. eine
klöſterliche Erziehung erhielten, die feierliche Ob-
lation aber bi8 zum geſeßlichen Alter, d. h. bis
um 15. Lebensöjahr verſchoben ward. Ähnlich) ver-
ſuhren die Abzweigungen de3 Benediktinerordens,
ie Kamaldulenſer, Valumbroſaneru. Ziſterzienſer;
Abt Wilhelm (+ 1091) dagegen, der Stiſter der
Kongregation v. Hirſchau, ſchloß da3 O. von ſeiner
Kongregation ganz aus, Die Kirche, die bis da-
hin mit ihrem Anſehen da3 O. des hl. Benedikt
geſtüßt hatte, trug den gegen dieſes gerichteten
Strömungen um ſo mehr Nechnung, als auc die
theologiſche Wiſſenſchaſt unter Führung des
hl. Thoma3 v. Aquin die abjolute Verbindlichkeit
der elterlichen Oblation verneinte u. für den Ob-
laten die freie Beruſ8wahl als ſein perſönliches
Recht forderte. Schon gegen Ende des 12.
Jahrh. ergingen päpſtliche Entſcheidungen, welche
die Oblation minderjähriger Kinder nur dann
für verpflichtend erklärten, wenn dieſe nach der
Reife ſie au8drücklich od. ſtillſchweigend anerkannt
hätten. Damit war dem Benediktiniſchen Kinder=
O. der Lebensnerv entzogen; in der Form aber,
die ihm der hl. Baſilius gegeben hatte, erhielt e3
ſich in den verſchiedenſten Orden u. Kongre-
gationen noh lange Zeit. Die Beuroner Bene-

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