1349
zeit al8 P.; Vorrüdkungsmöglichkeiten im In
ſtitut8dienſte ſelber durch die Beſtimmung, daß im
allgemeinen die Direktion8poſten nur ehemaligen
P.en vorbehalten ſind; durch Titel= u. Gehalt8-
ſtufen (z. B. Sub-P., Haupt-P., Subdirektor,
Direktor), durch Heranziehung auch der Inſti-
iutöerzieher zu den verſchiedenen ſtaatlichen Schul-
u. Erziehungskommiſſionen u. „behörden unter
Verleihung von Titeln nad) Analogie etwa der
Studien= u. Schulräte („Erziehungsrat“ od. „In=
ſtitut3rat“" u. ä.). Derartige Dinge vermögen
wenigſtens im Bewußtſein der Öffentlichkeit dem
Inſtitut8= u. damit vor allem aud dem P.endienſt
eine ſozial dem Lehrberufe mindeſtens gleiche Wer-
tung zu geben, wodurd) manche tüchtige Kraft den
Inſtituten gewonnen u. erhalten werden könnte.
Literatur, I. N. Edinger, Die kath. An»
ſtalt8erz. (1913); F. Dupanloup, Die Erzieh. (3 Tile,
1867/68) ; Biol. d. kath. Pädag. 1X XU XIV:
Barrelle u. Huber, Pädag. Winke f. d. P. u. Pro-
feſſoren an kath. Lehr- u. Erziehungsanſt, (31909);
„BLlätter f. Anſtalt8pädag. " (Donauwörth , ſeit
1910) ; „Das Alumnat“ (München, ſeit 1912).
[J. Weber.]
Pragmatismus, Zumphiloſophiſchen
Schlagwort iſt der P. (vom griech. rpäyp.. ==
Handlung) erſt gegen Ende des 19, Jahrh. ge-
worden, obwohl ſich bereits bei Kant Stellen
ſinden, die den Gebraud) dieſes Wortes in Welt-
anſchauungsſragen nahelegen. Den Anſtoß zu der
modernen Nichtung, die ſich mit dieſem Namen
fennzeichnet, gab der amerikaniſche Logiker C. S.
Peirce (Vierce), der 1877/78 in der Revue Po-
pular Science Monthly ſcharffinnige Aufſäße
über folgende erkenntniätheoretiſche Fragen ver=
öffentlichte: „Wie bildet fich die Überzeugung?“
ut. „Wie können wir unſre Gedanken klären 2“
Pierce ſoll auch ſeit 1875 den Namen P. ge=
braucht haben, Öſſentlich eingeführt iſt der Name
erſt 1898 durc ſeinen Schüler William James
(7 1910; Prof. an der Harvard-Univerſität). Un-
abhängig davon gebrauchte auch der Franzoſe
M. Blondel für ſeine 1893 angeregte Philoso-
phie de l'action den Namen P. Dod wird die
Bezeichnung P. gegenwärtig faſt ausſchließlich für
die amerikaniſche Nichtung angewandt.
1. Begriff des P. Die neue Nichtung iſt in
der 2. Hälſte des 19. Jahr). auf dem Boden der
pofitiviſtiſchen (ſ. Comte) Stimmung der Wiſſen=
ſchaſt entſtanden, die „Anpaſſung“ al3 allgemeines
Kennzeichen des Lebens zur Deviſe aller Erklä-
rungöverjuche erhob. Bereits Pierce beſtimmt das
Ziel unſrer Forſchung als „Eroberung einer Über=
zeugung zur Leitung unſrer Handlungen“, u.
W. James, der eigentliche Begründer des P., be-
zeichnet als die „Grundſrage bei Dingen, die zum
erſtenmal ins Bewußtſein treten, nicht die theo=
retiſche: Was iſt da8? ſondern die praktiſche :
Halt, wer da? od. : Was fange ich an?“ „Theo
rien werden zu Werkzeugen", ſo behauptet W. Ja-
mes mit dem Hauptvertreter der „inſtrumentalen“
Pragmati8mus,

1350
Wahrheitstheorie, John Dewey (Columbia-Uni-
verſität). Ihr Nußen beſtehe darin, „daß ſie alte
Tatſachen zuſammenſaſſen u. zu neuen hinführen“.
Allerdings hält der P. „ſeinen Bli> keine3wegs
nur auf den nächſten praktiſchen Vordergrund
geheſtet ; er verweilt vielmehr ebenſogern bei den
fernſten Perſpektiven der Welt“. Aber es bleibt
beſtehen : „Die Geltung der Wahrheit iſt nichts
andres al3 eben der Vorgang des Sih=geltend=
Maden3“". Indem der P. dies betont, wird er
zum „Humani8mu3“ (F. C. S. Schiller-Oxford):
er ſucht die ganze Wirklichkeit nach den Intereſſen
der Menſ bekannte Saß des alten Sophiſten Protagoras
„Der Menſch iſt das Maß aller Dinge“ wieder zu
Chren. Naturgemäß leugnet der P. das Beſtehen
einer abſoluten, unerſchütterlichen Wahrheit. „Die
Wahrheit wird, weil ſie lebenfördernd
iſt.“ So iſt der uſerloſe Relativi8Smus das lette
Wort des P. Der allzu ausſchließlic Praktiſche gerichtete Sinn der Amerikaner ſeßt
eben „Wahrheit“ mit „praktiſ gleich u. gibt eine ſelbſtändige Bedeutung der
Wahrheit nicht zu. Wir können ſomit den P. als
die Überzeugung beſtimmen, daß Jdeen ſtet8 nach
Betätigung ſtreben (Curtis), u. daß in der zwek-
entſprechenden Betätigung ſowohl Ziel wie Maß
ſtab für die ordnende Gedankenbewegung liegt.
I. Unterſchied von der franzöſiſchen Denk-
richtung, Die Einſicht in die Unzulänglichkeit
einer verknöcherten Begriffsphiloſophie verbunden
mitderüberſchwenglichen Wertſchäßung biologiſcher
Erklärung8grundſäße bildet die Baſis, auf der die
amerikaniſche Richtung mit der franzöſiſchen zu
ſympathiſieren vermag. Aber die Verſchiedenheit
beider Auſſaſſungen bleibt gleichfalls groß. Wäh
rend die Amerikaner ſich auf keine beſtimmte Welts=
anſchauung ſeſilegen wollen, gehen die franzöſiſchen
Gelehrten, die ſich um den gegenwärtig bedeutend=
jten franzöſiſchen Philoſophen Bergſon ſcharen,
von einer beſtimmten Weltanſchauung aus u.
ſuchen von ihr aus Wiſſenſchaft u. Philoſophie
zu reformieren. Die „Handlung“ der Franzoſen
iſt eben eine Realität mit ſelbſtändigem Leben,
deren ſtetig wechſelnder, unmittelbar (intuitiv)
erlebbarer Strom von der nachfolgenden Erkennt=
nis immer genauer zu erfaſſen ſei. Die „Hand
lung" der Amerikaner iſt dagegen nur da3 Ziel,
in deſſen Dienſten das Erkennen ſicht.
HI. Rritif. Eine Würdigung des P. iſt wegen
ſeines Verzicht8 auf Formulierung einer beſtimms=
ten Weltanſchauung ſchwierig. A. O. Lovejoy
weiſt in einer kritiſchen Auseinanderſeßung mit
dem P. (Journ. of Philos, Psychol. & Scien-
tific Methods 1908) mit Recht auf die Zer=
fahrenheit im Lager der Pragmatiſten hin. Cben
wegen dieſer Vieldeutigkeit hat der P. eine weite
Verbreitung gefunden. Heute hat allerdings der
P. den Höhepunkt des Ruhmes bereit3 über=
ſchritten. Da3 Verüende ſeiner Auſſtellungen
liegt in der Gefälligkeit, mit der halbwahre

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.