1361
Erkenntniſſe al8 abſchließende Urteile geboten
werden, Sein Fehler beſteht nicht ſo Ehr in
dem, was er behauptet, als in dem, was er
nicht ſagt. E38 iſt unzweiſelhaſt richtig, daß der
Menſc< zunächſt u. vor allem in ſeiner Umgebung
ſich zurechtfinden muß. Ja wir geben ſogar zu,
daß die Nückſicht auf praktiſche Intereſſen die Aus»
bildung neuer Denkmethoden u. die Erſchließung
neuer Forſchungsgebiete bedingen kann. Aber der
Nuhen darf nicht die ganze Bedeutung der
Erkenntnis ausmachen. Die Erkenntniſſe haben
ihren Eigenwert : nur weil ſie „wahr“ ſind, weil
ſie alſo einen ſachlich begründeten Sinn haben,
können ſie „wirken“, nicht umgekehrt. Was heißt
denn „Nußhen“ u. „Anpaſſung“? EC38 wird doch
in dieſen Begriffen eine unabhängig vom Menſchen
wirkende Gejeßmäßigkeit vorausgeſeht, der man
ſich anpaſſen muß; e8 wird zugleich eine not»
wendige Folge von Urſache u. Wirkung ange»
nommen. Man überſehe auch nicht, daß „Nußen“
u. „Zweckmäßigkeit“ zweideutige Begriſſe ſind.
E3 muß bereits eine von uns unabhängige Wahr»
Heit beſtehen, wenn darunter mehr verſtanden ſein
joll als ein zielloſe3 Herumtappen. „Werden die
menſchlichen Wünſche u. Bedürſniſſe zum Maß-
ſtabe der Wahrheit, ſo bekommen wir ſo viel
Wahrheiten, al3 e8 Zeiten, Seelenlagen, ja Indi-
viduen gibt“ (Eucken). Demgegenüber iſt daran
feſtzuhalten, daß die Wiſſenſchaft auch die prak-
tiſche Auſgabe, lebenfördernd zu wirken, nur er»
ſüllen kann, wenn ſie in ſtetem Hinblicke auf die
allgemeingültigen, unveränderlichen Grundſähe
alle3 Seins u. Denkens bei der Durchſorſchung de3
Gegenſtandes von allen praktiſchen Intereſſen ab-
ſieht, Die Ablehnung einer derartigen unveränder-
Pragmatismus.

1352
lichen Wahrheit durch den P. beruht auf der Ver»
wechſlung unſers Erkennens mit dem Erkannten,
Die Vervollkommnungsbedürſtigkeit des erſtern
hat nicht ohne weitere8 die Veränderlichkeit des
lehtern zur Folge. Der P. verkennt die Eigenart
des Logiſchen, u. ſeine ſo beſtrikenden Auſſtellungen
ſind auf einem unſichern Fundamente aufgebaut.
Das Erkennen, ſo ſaſſen wir unſre kritiſchen An»
deutungen zuſammen, kann nur dann „ſich geltend
machen“, wenn es mehr iſt als einfache biologiſche
Anpaſſung, wenn es alſo die Verhältniſſe der von
uns unabhängigen Wirklichkeit -- allerdings in
der „Sprache“ unſers Geiſtes -- möglichſt getreu
wiedergibt, u. dieſe Wiedergabe iſt nur möglich,
weil das Denken in der Wirklichkeit eine feſte
Ordnung findet, die uns in den Stand ſeht, den
teten Wechſel in den Nahmen notwendiger Zu-
ammenhänge einzuſpannen.
Literatur, Trefſl. Orient, üb. d. P. bei L.
Nokt : Rev. N&oscol. 1907/11 ; vgl. auch J. Henry
(ebd. 1912), der den Unterſchied zwiſchen dem ame-
rik. u. franz. P. beleuchtet. --- BS, Lalande, Prag-
matisme ot Pragmaticisme (Rev. philos. 1906);
M. Hebert, Lo Pragmatisme (Paris *?1909) ; W.
Switalski, Der Wahrheitsöbegr. d. P. nac< W. Ja-
mes (1910); Dan, Feuling in „Hiſt.-polit, Bl.*
1912, Bd 149, Hſt 5/6; 8. Stein, Philoſ. Ström.
d. Gegenw. (1908) 33 ff; E. Dürr, Erkenntnis»
theorie (1910) 167 ff; N. Euden, Erkennen u. Le-
ben (1912) 35 ff; C. Znamierowski, Der Wahr-
heitöbegriff im P. (1912); Das „Verhältn. d. P.
zu Kant“ beleuchtet Lorenz in „Kantſtudien“ X1V,
Hſt 1. -- Vom Standpunkt der Apologet. bekämpft
den P. Seiß (Theol, u. Glaube 1910, Hft 8), „Fünf
Verwechſlungen des P.“; vgl. Sawicki, Was iſt
Wahrheit ? (Theol. u. Glaube 1909, Hſt 9).
[B. W. Switalsfi.]

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.