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beſſere Einkommen u. die leichtere Fortbildungs»
möglichkeit 1äßt ſich der eine od. andre Lehrer
nuch durch die jeht Herrjchende Vergnügungs ncht
in die Stadt ziehen, u. gar mancher Lehrer jucht
dorthin zu kommen wegen der leichtern Möglich»
keit, die Ninder angemeſſen ausbilden laſſen zu
können, Dieſer lehtere Grund iſt! durchaus ſtich»
Haltig, wennjchon auch hier das leidige „Aber“
nicht fehlt, Unerwähnt darf ſchließlich auch nicht
bleiben, daß der Lehrer auf dem Lande weit mehr
ſeine Perjönlichkeit au8wirken kann als in der
Stadt, wo er nar ein Teil des Schulganzen iſt,
dem er ſich einzufügen hat, oſt mit Hintanſehung
der eignen Überzeugung. E3 haben alſo beide
Stellen ihr Für u. Wider, die gründlich u. all»
ſeitig geprüſt werden wollen, ehe der entſcheidende
Schritt getan wird, der oſt nicht ſo leicht mehr
rückgängig gemacht werden kann. [L. Vaaßen.]
Rand: 11. Stadiſchulen., Ein weſent-
licher Unterſchied beſteht zwiſchen L.-» u, S, nicht ;
denn beide haben Lehrer mit gleicher Vorbildung
u. gleichalteriges Schülermaterial. Äußere Ums
ſtände jedoch veranlaſſen eine mehr od, weniger
aus8geprägte Abweichung. Die in den lebten Jahr»
zehnten durch verſchiedene Urjachen veranlaßte
außerordentliche Vermehrung der Bevölkerung in
den Städten zwingt dieſe zu ſortwährenden Neu-
bauten von Schulhäuſern, die geräumig, licht» u.
geſchmadvoll 1. mit allen dem heutigen Stand»
punkte der Pädagogik u. Geſundheitslehre ent»
ſprechenden Cinrichtungen verſehen ſind, während
die L. vie!ſſach noc< rec müſſen. Selbſt bei Neubauten muß auf die
kleinen Verhältniſſe Rückſicht genommen werden,
ſo daß manche Einrichtungen, wie Bäder, Turn-
halle u. a., kaum in Frage kommen können. Auch
in bezug auf die Lehr» u. Veranſchaulichungs»
mittel iſi die S. gegenüber der L. meiſt ſchr im
Vorteil. Bedeutender als dieſe äußere Diſſeren-
zierung iſt die bezüglich der geiſtigen Entwicklung
des Schülermaterial3. Da38 Kind der Stadt
bringt eine Menge von Vorſtellungen un. Be»
griſjen mit in die Schule, die dem Landkinde un-
bekannt ſind. Lehtere3 kommt meiſt arm an Vor»
ſtellungen, wenig gewellt u. verſchüchtert in die
Schule, wo ihm zudem no< die hochdeutſche
Sprache al3 etwa3 ganz Fremde3 entgegentritt,
ſo daß e3 oſt recht lange dauert, ehe e38 überhaupt
zum Sprechen zu bringen iſt. Im weitern Ver
laufe der Schulzeit tritt jedoch der Unterſchied in
der Bildungsſähigfeit immer mehr zurü, weil e8
an Körper u. Geiſt geſünder bleibt als da3 Stadt»
find, dem e3 nur zu oft an Licht, Luſt, Nahrung
u. Pſlege ſchlt. Auch empfängt dieſes neben den
guten Eindrücken häufig recht ſchlimme, die e3
ſrühreiſ, ſrech u. großſprecheriſch machen od. gar
auf Abwege bringen, während das Landkind ein-
ſacher, natürlicher u. ſolgſamer bleibt, Bei erſterm
wechſeln die tauſjenderlei Eindrücke kaleidoſkop-
artig u. machen es leicht oberflächlich u. ſlüchtig, |
bei lehterm dagegen können die weniger zahlreichen |
Land- u. Stadtſchulen -- Landwirtſchaſtlice Schulen,

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Eindrüe länger u, intenſiver wirken, haften dar-
um beſſer u. bilden das Kind zu einem ſcharfen
1, denkenden Beobachter aus, der ſein geringes
Denkmaterial trefſlich verwerten lernt.
Daß anderſeit8 in den ausgebauten S. der
Lehrer nur einen Jahrgang hat, ſeine Kraft alſo
nicht zu zerſplittern braucht, iſt in mancher Hin-
ſicht ein Vorteil, legt jedoch die Geſahr nahe, daß
mehr Unterrichtöſtojf an das Kind herangebracht
wird, als e8 verarbeiten kann. In den L. dagegen
mit mehrern od. gar allen Jahrgängen müſſen
die Kinder häufiger ſchriftlich beſchäſtigt werden
u. gewinnen ſo Zeit zur geiſtigen Verdammg des
Lernſtoſſes, den ſie zu ihrem vollen Cigentum
machen können. Dazu kommt noh der große Vor-
teil, daß die untern Jahrgänge viele3 vom Unter=
richte der obern anſſchnappen, daß ferner durc
Kombinationen ſich für ſchwächere Kinder od. Ab»
teilungen eine nüßliche Wiederholung erreichen
läßt, daß endlich der Unterricht der untern Jahr=-
gänge für die obern eine ſtändige Wiederholung
iſt. In bezug auf die wichtigſte Auſgabe der
Schule, die Erziehung, ſind die L. unſtreitig im
Vorteil, weil der Lehrer die Kinder jahrelang be-
hält u. ihre Individualität ſtudieren, auch ihr
Verhalten außer der Schnlzeit beobachten u. be-
einfluſſen kann, was ſür die Kinder der S. nur
unvollkommen möglich iſt wegen de8 ſtändigen
Wechſel3 des Lehrperjonal8, das in den Ober-
klaſſen, in denen Bildung u. Erziehung ihren Ab-
ſchluß finden ſollen, nur in einzelnen Vertretungs-
ſtunden beſchäftigt wird, dann aber auch wegen
der Wohnungsverhältniſſe. So erklärt es ſich,
daß oft die L. ihren Schülern eine abgerundetere
Bildung u. einen gediegenern Erziehungskern mit=
geben können als die S., u. daß ans jenen ſo viele
tüchtige Männer hervorgegangen ſind.
[L. Vaaßen.]
Landwirtſchaftliche Schulen, 1. Ge-
ſchichtliches8. Die 1. Fachſchulen -- Akademien,
Mittelſchulen, niedere 1, S. =- gehören zu den jün
gern Erſcheinungen des Bildungsweſens. Ihre An-
fänge reichen etwas über 100 Jahre zurü>. Wenn
auc ſchon Thomaſiu3 um 1700 in Halle über
Landwirlſchaſt al38 Teil der Kameralwiſſenſchaſt
Vorträge hielt, u. König Friedrich Wilhelm 1.
1827 zu Halle u. Frankfurt a. O. eigne Lehr-
ſtühle für Vollk3- u. Staatswirtſchaftslehre unter
beſonderer Berücſichtigung der Landwirtſchaft
einrichtete, ſo iſt die Begründung der eigentlichen
Landwiriſchaſt8wiſſenſchaſt u. einer beſondern
Schule dafür doch auf Albrecht Thaer zurüczu-
führen, der 1806 die erſte (mit einem größern
Gutsbetriebe verbundene) akademiſc für Landbau in Möglin bei Freienwalde a. O.
errichtete.
Zu den bedeutendern Männern, die mit Thaer
die Errichtung l. S. für nötig hielten, zählen J.
N. Schwerz, Schönleutner, I. G. Schulze,
Schweizer u. Sprengel. Dieſen iſt die Gründung
der 1. Akademien bzw. 1, Lehranſtalten zu Hohen

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