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diente ihnen al8 Ackerbauſchnle, u, in 2 großen
Werkſtätten konnten ſie ſich in der Schreinerei,
Schnißerei , Schloſſerei u. Baukunſt ausbilden.
Die Arbeit war in den Dienſt der Erziehung ge=
ſtellt. Blain, der erſte Biograph L.3, bezeugt 1733:
„Die meiſten von denen, die in St-Yon eingeſperrt
waren, haben durc ihren ſpätern Lebens8wandel
die Macht u. Vorzüglichkeit der dortigen Erziehung
erwieſen.“
Da da3 Noviziat treſſlich gedieh, konnte L. ſeine
Genoſſenſchaft immer weiter ausbreiten. In Nouen
errichtete er eine 5. Armenſchule u. gab dieſer
u. den 4 alten je 2 Schulbrüder. In Marſeille
herrſchte unter den jungen Seeleuten ſolche religiöſe
Unwiſſenheit, daß manche muſelmänniſc Da gründeten wohltätige Katholiken eine Frei-
ſchule, die 1706 2 Schulbrüdern übergeben wurde
u. bald ſaſt 200 Schüler zählte. 1707 eröffneten
je 2 Brüder Freiſchulen in Valrea8, Alais u.
Grenoble, In leßterer Stadt waren ſpäter 5 Brü
der tätig. Weitere Brüderſchulen taten ſich 1708
auf zu Mende u. zu St=-Deni8. Auf die Ver=
folgungen, denen die Brüder in Paris nicht ohne
Sculd der Janſeniſten aus8geſeßt waren, kann
hier nur vorübergehend hingewieſen werden. Die
Miſſionsöprieſter des hl, Vinzenz v. Paul, denen
ſeit 1676 die Paſtoration von Verſaille8 ans=
vertraut war, erkannten in L. einen Geiſte8ver-
wandten ihre3 großen Stiſter3 u. beriefen 1710
4 Brüder ſeiner Genoſſenſchaft an die Armen-
ſchulen der Stadt. In Boulogne ſtiſteten mehrere
Wohltäter eine Freiſchule u. beriefen im Okt,
1710 4 Schulbrüder zu deren Übernahme. In
Moulins8 wirkten ſeit 1710 2 Schulbrüder. In
Van3 wurde im Oft. 1711 eine Freiſhule mit
2 Brüdern eröſſnet. Das war die leßte Neu
gründung, die L. erlebte, Das Noviziat, das er
1712 für den Süden de3 Königreichs in Mar=
jeille eröffnete, hat ſich infolge janſeniſtiſcher Quer-
treibereien nach kaum 1 Jahre auſgelöſt. Nach
ſaſt 2jährigem Aufenthalte im Süden trat L. die
Nückreiſe an, ſtudierte in Lyon die Einrichtung
der vom Erzprieſter Demia ſeit 1667 gegründeten
Armenſchulen u. kam über Neim3 u. Paris in
St-Yon an. Seine Geſundheit war geſc darum faßte er den wichtigen Entſchluß, abzu-
danken u. no bei ſeinen Lebzeiten von den Brüs
dern einen Superior aus ihrer Mitte wählen zu
laſſen. Bei dem de3halb einberuſenen General=
kapitel, an dem 16 Direktoren der einzelnen
Niederlaſſungen teilnahmen, wurde am 18. Mai
1717 der Bruder Barthelemy zum General=-
ſuperior gewählt. Alsdann entſchied da38 General=
kapitel einige Fragen bezüglich der allgemeinen
Regel, der Negel für den Bruder Direktor u.
der Anleitung zur Dienſtſührung u. übergab die
Protokolle dem demütigen Stiſter behufs deſini-
tiver Feſtſtellung der Regeln u. der Anleitung.
Lehterer ging allen Brüdern mit dem Beiſpicle
pünktlichen Gehorſams gegen die Negel u. den
neuen Generalſuperior voran u. erlebte no
La Salle,

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Freude, daß das Anweſen St-Yon im März
1718 durd< Kauſ Eigentum der Brüder wurde.
II. Die Schriften L.3 ſind: 1. Die „Regel der
Brüder der hriſtlichen Schulen (Regle des fröres
des 6coles chretiennes)“, die in der Faſſung von
1717 die hauptſächlichſten pädagogiſchen Grund-
ſäße L.3 in ſich ſchließt. Neueſte Überſezung (1903)
im Verlage der Schulbrüder zu Streber8dorf bei
Wien, 2. Die „Leitung der (Conduite des 6Goles chretiennes)“ iſt nad) u.
nach aus der unterrichtlichen u. erziehlichen Tätig=
keit 8.3 u. jeiner Mitarbeiter herau8gewachſen,
wurde von den Novizen abgeſchrieben u. beſolgt,
von L, nad) Beratungen mit den erfahrenſten
Brüdern wiederholt überarbeitet u. nach deſſen
Tode 1720 erſtmal8 zu Avignon genau nach dem
Manuſkripte 8.3 gedru>t. Die neueſte deutſche
Au8gabe dieſer „Leitung“, die im Laufe der Zeit
mannigfad) erweitert u. verbeſſert worden iſt, ent=
hält Bd XV1U der „Bibliothek der katholiſchen
Pädagogik“. Darin iſt auch die „Anleitung für
den Lehrerbildner“ aufgenommen, die L. 1696
entworfen, u. die Erklärung der „Zwölf Tus=
genden eine8 guten Lehrer8“, die Bruder Aga>
thon, Generaljuperior von 1777 bi8 1797, nach
dem Plane L.3 verfaßt hat. 3. „Die Pflichten
de38 Chriſten gegen Gott u. die Mittel, fie gut
zu erfüllen (Les devoirs du chrötien)“ iſt
1703 erſtmal3 gedruckt u. nachher in vielen Auſ=
lagen verbreitet worden. Der 1. Teil handelt in
populärer Darſtellung von dem Glauben, den Ge=
boten, den Sakramenten u. dem Gebete u. wurde
lange Zeit in den Brüderſchulen als Leſebuch be=
nußt. Der 2. Teil iſt ein Katechismus3 für die
Schüler u. behandelt denſelben Stoff in Fragen
u. Antworten. Der 3. Teil iſt ein liturgiſcher
Katechismus, der die Schüler in die tieſe Bedeu=
tung der religiöſen Zeremonien einführt u. mit
einigen religiöſen Liedern abſchließt. Das einzige
nod vorhandene Exemplar von 1703 iſt in der
Nationalbibliothek zu Paris, 4. „Die Regeln de3
Anſtande3 u. der regles de la bienscance et de 1a eivilits
chrötienne)“, um 1695 für die Jugend verfaßt
u. 1718 in gotiſchen Lettern gedruckt, damit die
Kinder auch dieſe Schriſt kennen lernten. Da3
Büchlein behandelt eingehend u. praktiſch die Pflege
des Körper8, da8 Benehmen beim Schlafengehen
uv. Auſſtehen, bei Tiſche, bei Beſuchen, auf der
Straße u. auf Neijen, die Zungenſünden, die
Kleider, die Spiele, die Briefe 2c. (deutich 1910),
Auch die asketiſchen Schriften L.3 -- Betrach»
tungen für die Sonn- u. Feiertage, 16 Betrach»
tungen für die Zeit der Retraite, Die täglichen
Übungen der Frömmigkeit in den Schulen, Unterweijungen u. Gebete für die heilige
Meſje, die Beicht u. die Kommunion, Erklärung
der Methode de3 (betrachtenden) Gebete3 (letzte
Schrift aus dem Jahre 1718)-- u. die no vor»
handenen 91 Brieſe des heiligen Stifter3 enthalten
vielfach pädagogiſche Gedanken u. Ratſchläge.

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