411 Römiſche Erziehung. 412
da3 Entſcheidende, Cine ganze Neihe hierherge» | erſt lag dieſe Sorge dem Vater ob (Cie. ds rop.
höriger R.e ſind in dem Art, Lehrercharaktere in | I 22), der mehr durch Vorbild u. Vorſchriſten
der Literatur (f. d.) genannt; aber es erhellt aus | als durch wiſſenſchaſtliche Ansbildung zu erziehen
dem vorhin Geſagten, daß für eine wirklich be» | hatte, wen er als ſeinen Sohn u. ſeine Tochter
ſruchtende Lektüre für die eigentliche Tätigkeit des | durc< Aufheben vom Boden nach der Geburt an-
Lehrer3 nur die höchſten Muſter unjrer Literatur | erkannt hatte. Half Juno Lucina, wenn das Kind
etwas abwerſen können, wenngleich gelegentliche das Licht der Welt erblickte, ſo ſtand bei dieſer
feine pſychologiſche Bemerkungen in weniger be- „Hebung“ Levana bei, ſonſt drohte dem Neuge»
deutungsvollen Dichtungen vorkommen. Wie ſchr bornen bei der erſt ſpäter geſehlich eingeſchränkten
eine derartige Lektüre beſruchtend, erfriſchend od. | Vollgewalt des Vaters, der patria potestas, unter
gar hemmend auf den Erzieher wirkt, iſt nach in- | Umſtänden Tod od, Ausſekung od. das Lo3 der
dividneller Anlage verſchieden. Von den bekann» | Sklaverei, Das anerkannte „Püppchen“ (pupus,
teſten Erziehungs8»R.en ſeien noch namentlich ge- ; pupa) brachte Freude ins Haus u. erſuhr treue
nannt: Gottſried Keller, Der grüne Heinrich ; : Wartung. Am 9. Tag, nundcina, erhielt der
M. v. Ebner-Eſchenbach, Das Gemeindekind ; | Knabe, am 8. das Mädchen ſeinen Nuſnamen
B. v. Francois, Die lehte Neckenburgerin; H, | (praonomon) unter religiöſer Feier, der die näch»
Heſſe, Unterm Rad. Anus dieſen u. andern N.en | ſien Verwandten beiwohnten ; e3 war der lustri-
wird ſich troß ihrer der unſrigen ſo oft entgegen» | eus dies (Maor. sat. 1 16, 36). Stande8amt-
ſtehenden Weltauſſaſſung manche8 Korn pädago» ' liche Geburtsliſten wurden ſeit Mark Aurel geführt.
giſcher Weisheit holen laſſen. Gegen böſe Geiſler ſchüßte man das Kind durc
Literatur. H. Keiter u. T. Kellen, Der RN. Amulette, die bei vermögendern Leuten in einer
(+1912, Geſch.); F. Hashagen, Der „moderne“ R. | 9oldenen Bulla um den Hals gehängt wurden, wie
1. d. Volksöerzieh (1907) ; K. Schmitt, Der moderne / anch oft fleines Spielzeug (eropundia, „Naſſel-
N. (1908); I. Kellen, Das Buch als Lebensbe» | gleiter (1910); F. X. Wetzel, Die Lektüre (*1910); | Kind ſelbſt; ſchon gegen Ende der Republik aber
I. Volfelt, Kunſt u. Volkserziehung (21911) ; | vertraten gewöhnlich Ammen ihre Stelle, bis ſeſtere
A. Löptz Peläez, Die Gefahr d. Buches (dtſch. | Nahrung gegeben werden konnte. Für die Ent-
Zun KENN vu 9 niſſe |. | wielung des Kindes mußten alle möglichen Gott-
agen META AU- [L. Kie8gen.] heiten ihren Beiſtand leihen. Unter der Ob-
Rowiſche Erziehung, 1. Die häußliche | hut treuer Mütter od. Pſlegerinnen wuchs das
Erziehung. Wollte man für die Geſchichte der ' Kind auf, hatte ſeine Freuden u. Spielſachen wie
rx. E. Zeitabſchnitte anſehen, ſür die etwa tief | heute u. genoß die Unterweiſung des Vater3 ſelbſt
eingreifende Reformen Markſteine darböten, ſo | od. eine8 „Pädagogen“, eines gebildeten od. auc
geriete man in Berlegenheit ; denn felbſt mit dem | ungebildeten Sklaven od. Freigelaſſenen (ſ. Paed-
Einfluß der griechiſchen Literatur auf die römiſche ; agogi), elwa vom 6. Jahre an. Ohne Beglei-
(240 v. Chr.) hebt keine neue Periode an für Er» | tung durſte das Kind nicht auf die Straße. Die
ziehung u. Unterricht, man müßte denn gerade die | Zucht war in der ältern Zeit ſtreng =- denn der
bloße Tatſache der Einführung des Griechiſchen | Knabe insbeſondere ſollte geiſtig u. körperlich ſür
in die dem gebildeten Römer notwendigen Lern- | den Staat erzogen werden --, ſpäter vielſach er-
fächer als eine Neuerung von einſchneidender Be= | ſchlafft. Aber ſchon Terenz (Adolph. 1 1, 47) emp
deutung anjehen. Später hat Quintilian (ſ. d.) | ſahl die Gewöhnung der Kinder an Selbſtzucht u.
ſogar empfohlen, zuerſt Griechiſch lernen zu laſſen, ; warnte vor Überſtrenge. Als ein Muſtervater er-
u. die Gebildeten waren des Griechiſchen mächtig, ! ſcheint der alte Cato Cenſorius, der perſönlich ſeine
das lange die Sprache der Geſchichtſchreiber blieb. | Kinder unterrichtete, ſogar ein Geſchicht8buc für
Vom römiſchen Staate aber geſchal) hinſichtlich | ſie mit beſonders großen Buchſtaben ſchrieb u.
der Erziehung u. des Unterrichts der Jugend zu , ſie in allen Leibesübungen unterwies (Plut, Cato
keiner Zeit ein Schritt von einſchneidender Be- '! m. 20). Der Altrömer war der Prieſter u. Nich-
deutung. Beide3 war Sache de3 Hauſes, für deſſen | ter der Familie, d. i. des ganzen Hauſes mit Ein»-
Erziehungsgrundſäße in erſter Linie praktiſcher ! ſchluß der Sklaven. Die Söhne lernten von ihm
Wert der Geiſte3= u. Charakterbildung maßgebend die Haus- u. Feldarbeit, die Führung der Waſfen
warunter der Voransſehung des Nußens fürs Vater- | u, begleiteten ihn zu den Märnermahlen (Plut, qu,
land (Cie. do rep. 1 4, 8 18; 1V 3; do fin. H1 | Rom. 33 p. 272 C), wo ſie Beſcheidenheit (pu-
19, 64; IV 2, 4; do div. II 2; de leg. II 2.). dor) üben konnten, Anſtand (decorum) beobachten
Ziel der Erziehung war die virtus, d. i, die Mann- | mußten u. Teilnahme für die öſſentlichen Ange
haftigkeit. Der junge Römer ſollte ein tüchtiger legenheiten gewannen (Cie. Brut, 19). Die alte
Mann werden, erfüllt von der pietas, dem tiefen Sitte, anch den Senatsſihungen beiwohnen zu
Pflichtbewußtſein gegen das Vaterland, ſeine dürfen (Gell. N. A. 1 23; Maerob. I 6; Plin,
Götter, ſeine Macht, wie gegen die Eltern; u. op. VI11U 14), lebte nur in der Erinnerung der
darum wurde das heilige „Band“, das den ein» : ſpätern Zeit fort, Auf Bewahrung der Keuſchheit,
zelnen mit diejen Gütern verknüpft, die ro)igio, , allerding3 im ſreien Sinne de3 Heidentums, a»
ſorglich gepflegt (Cic. do leg. II 7 11 16). Zu- | teten and) ſpäter noch brave Väter, wie der de3

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