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Dichter8 Horaz (Sat. I 6, 65 ff 81 ff). Wo der
Vater geſtorben war, ſorgten echte Mütter von
altrömiſcher Geſinnung für die gute Erziehung der
Kinder u. ihre gründliche Bildung, ſo Cornelia,
die Mutter der Gracchen, die ihren Söhnen her-
vorragende griechiſche Lehrer gab (Cioc. Brut, 104;
Plut. C. Gracch, 19; Val, Max. 4, 4), u. Ju-
lia Procilla, die Mutter de8 Cn. Julius Agricola
(ſ. Tao. Agr. 4) (Tac, dial, do or. 28). Die
hohe Bedeutung des im Elternhauſe herrſchenden
Geiſtes u. Tones, des Einfluſſes der Umgebung
a“ das Denken, Handeln u. Sprechen der Kin=
der, die Notwendigkeit der richtigen Schulung der
Anlagen, die Diſziplin im weitern Sinne würdigten
Tüchtige im vollen Maße (Cie. Brut. 58, 210;
Hor. carm, IV 4, 25ff u. 33). Sowenig wie
räudige Schafe in der Herde duldete der einſichtige
Erzieher Taugenichtſe unter den Zöglingen (ſ. No=
nius unter reiculas aus Varros De liberis edu-
candis). Bis etwa zum 15. Leben8jahre rechnete
man da3 Kinde3alter (Varro bei Censor, do n,
14, 2). Nachdem der pubes die toga virilis für die
ſeither getragene praetexta in ſeierlicher Weiſe
erhalten hatte, ward er mit dem vollendeten 17.
Jahre als tiro (= Rekrut) dienſtpflichtig u. bil
dete ſich nun unter Leitung Älterer zum Krieger
u. Staatömann aus. Al3 der Geiſt de3 Helleni8=
mus auch Nom beſiegte, widmete ſich die Jugend
der vermögenden Klaſſen mehr dem Studium der
Nhetorik u. Philoſophie als der echtrömiſchen Er=
tüchtigung u. lernte an griechiſchen Hochſchulen
(Athen, Nhodo3, ſpäter auch in Maſſilia u. Me-
diolanum) Weltweisheit, Schliff u. Verkommens=-
heit, wenn nicht ſchon „Hauslehrer“, Lohnphilo-
jophen, die modiſche Bildung beigebracht hatten.
Auf der Zerrüttung de8 nicht heilig gehaltenen
Familienlebens beruht der Rückgang de38 ehemals3
ſtrengen u. wohltätigen Erziehung8weſens. Das
böſe Beiſpiel der Mütter verdarb auch den reinen
Geiſt der Mädchen in ſrühen Jahren. Und doh
war Rom einſt die Stätte, wo die Jungfräulich-
feit der höchſten Ehre ſich erfreute. Sie kam wie=
der zur vollen Würde durch den Segen de3
Chriſtentums,
11. Schulunterricht, Es iſt für das römiſche
Schulweſen bezeichnend, daß der Name für Schule
urſprünglich Judus iſt, zuweilen mit der nähern
Beſtimmung literarims, literarum, discendi.
Die Schule, vielleicht hervorgegangen aus ge=
meinſamen Bedürfniſſen von Nachbarn, daher in
triviis gehalten, galt alfo als Spiel, Zeitvertreib,
Kurzweil u. war es, ſolang der 1udi magister
(doctor), der literator, der „Clementarlehrer“,
die Anfangs8gründe alles Wiſſens, das ABO (lito-
ratura), da3 Leſen u. Schreiben u, Rechnen, den
Kindern durc< Zu>erpläßchen (erustula: Hor.
gat, 1 1, 25) mehr ſc Prügel mit der Nute, dem Riemen od. der Gerte,
die namentlich der grammaticus (literatus), der
„Oberlehrer“, wie der bekannte Orbilius plago-
sus (etwa „Pauker“), gern ſchwang (Hor.
Entmnames
weg
Nömiſc
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ep. 11 1, 70; Suet, gr. 9). Jn den höhern,
vom grammaticus graecus od. latinus ge=
leiteten Schulen wurde Lektüre, beſonder38 poetiſche
(die Odyſſee des Livius Andronicus, Ennius, Ho=
mer, Vergil, Horaz uſw.), aber auch proſaiſche
getrieben (Zwölftafelgeſeße), viel diktiert, auswen-
dig gelernt (Cie. de leg. II 23, 59), Grammatik,
Literaturgeſchichte u. Realien (hauptſächlich Mytho-
logie) gelernt, auch der mündliche u. ſchriftliche
Gedankenausdruck geübt, Dieſe Schulen kamen
erſt in Schwang, ſeit Krates von Mallo8 (167
v. Chr.) bei einem längern Aufenthalt in Rom
durch Vorträge weitere Kreiſe für die griechiſche
Literatur erwärmt hatte (Suet. gr. 2), aus der
die Komödien ja ſ Doch foll das erſte derartige pa ppurodisagoxaeloy
der Freigelaſſene Spurius Carvilius gegründet
haben (etwa 234 v. Chr. Plut. quaest. Rom. 59).
Für Fächer, die nicht praktiſchen Zwe hatten, wie
Muſik, ſportliche Gymnaſtik u. die enzyklopädiſche
Vildung der Griechen (die artes liberales), nun
gar für Tanzen beſaßen die Nömer im allgemeinen
keinen Sinn (Quint. 1 10, 1), ſo ſehr ſie Geſang
pflegten u., wenigſtens in der Glanzzeit der Repu=-
blif, j den Körper durchLeibe3übungenſtählten(Springen,
Laufen, Schwimmen, Neiten, Jagd u. dgl.). In
einer dritten Art von Schulen (Apul. Flor. 20),
Fachſchulen lateiniſcher Rhetoren, konnten ſich ſeit
etwa 100 v. Chr. die jungen Leute für die ſpätere
juriſtiſche u. politiſche Tätigkeit in der Redekunſt
ausbilden. Wie ſchon i. J. 161 gegen da3 Wirken
der fremden Philoſophen u. Nhetoren eine Verfüz
gung ohne dauernden Erfolg ergangen war, ſo blieb
aud) das Edikt des Zenſors L. Craſſus (92 v. Chr.)
gegen die lateiniſchen Rhetorenſchulen, die Vor
ſchulen der Unverſchämtheit u. Abſtumpfung (Goll,
N. A. XX 11, 2; Cie. de or. 11124, 94f; Tac.
dial. de or. 35), wirkung8l108. Die Schüler der
Nhetoren machten ſchriftliche Auſſäße (Erzählungen,
Lob= u. Tadelreden, Vergleiche) u. arbeiteten
Selbſtgeſpräche (8uasoriae declamationes) bez
rühmter Perſönlichkeiten ſowie Streitfragen (con-
troversiae) au3, hohle38 Wortgepränge, oft nach
der Form der Chrie (ſ. d.), mit dem man das an=
dächtige Publikum blendete (Suet. rh. 1 ; Quint.
II an mehrern Stellen ; Tac. dial. ds or. 35 u. So-
neca). =- Die ludi, in denen Geſchlechtertrennung
nicht ſtattfand, die männliche Jugend jedoch das
Übergewicht bildete, waren ſämtlich Privatunter»
nehmungen, über die nur die allgemeine Polizei=
auſſicht geübt wurde (Cie. de rep. 1V 3, 3; Gell.
N. A. XX 1, 2; Suet. rh. 1). Sie befanden ſich
nicht in Schulhäuſern, ſondern in offenen Buden,
Vorhallen (tabernae, pergulae) od. auf dem
Markte, auf der Straße (in trivio, daher trivialis
Scientia, Trivialſchule; |. d.) (Liv. 111 44, 6;
lustim. XXI 5; Iuv. 11, 137; Suet. gr. 18;
Dio Chrys. 20 p. 264 M. 291, 23 Dind.). De3-
halb fonnte das Publikum auch Zeuge der Vor»
gänge in der Schule, de3 Unterricht3verfahren3 u.

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