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Augenzeugen aus dem Jahre 1805, des Päd» |
agogikprofeſſor3 J. Röll von Dillingen (ſ. u. Lit.).
Die Haupinenenungen find: 1. Tüchtige Körper»
pflege, die von S. ſchon aus Deſſau übernommen
u. durch Gut8Muths (ſ. d.) zu hoher Ausbildung
gebracht wurde. 2. Eine die Körperbildung unter»
tüßende Pflege von Handſertigkeiten, die zugleich
en Wirklichkeit8jinn bilden ſollte. Als Lehrer
dafür wirkte Blaſche (1796/1810), der auch lite»
rariſch tätig war; Rö>l erzählt von ſchönen
Leiſtungen einiger Schüler in der Tiſchlerei u.
Dreherei. 3. Naturbeobachtung u. Naturſtudium.
S. ſelbſt war in Zoologie u. Botanik gut unter-
richtet, GutsMuth3 war Lehrer der Geographie ;
aus dem Zögling, den er nach Schnepfental
brachte, wurde der Begründer der neuen Wiſſen»
ſchaſt der Erdkunde: Karl Ritter (ſ. d.). 4. Starke
Beachtung der realiſtiſchen Stoſſe. Selbſttätigleit
der Schüler bei Erſaſſung u. Bearbeitung dieſer
u. aller Stoſſe wurde durch mancherlei innere u,
äußere Mittel erſtrebt (Reiſen, Landkartenzeichnen
u. überhaupt viel Zeichnen, eigne3 Gärt Tagebuch). Dieſe unterrichtlichen Vorzüge werden
aber übertroffen durch die Willenspflege, auf die
alle Abſichten u. die einmütige Arbeit aller Lehrer
in Sc durchdachte Leitung einigten ſich hier mit einer
flug zugeſtandenen Selbſtregierung der Zöglinge.
So konnte Röll da3 Urteil fällen : „Die Entwic»
lung u. Bildung des Geſühle3 für alles Schöne
u. Gute, die Erziehung für Moralität u. Religion
wird eben in der S.ſchen Anſtalt mit einer außer-
ordentlichen Sorgfalt gepflegt.“ Dabei iſt freilich
zu bedenken, daß die Zahl der Zöglinge auch da-
mals zur Zeit der höchſten Frequenz 60 nicht
überſtieg, u. daß bei einem Penſionspreis von etwa
1000 fl. auch reiche Mittel zur Verfügung ſtanden.
Hauptgrund für die Blüte der Anſtalt war aber
doch die überragende Perſönlichkeit S.8, die an
Tieſe Noc Literatur. S.s Werke in verſchied. Ausw.:
Saml. d. bedeutendſt. pädag. Schriften (Schöningh,
Paderborn, Bd V1 1X XXVI11) ; Klaſſiker d. Pädag.
(Schulbuchhandlg, Langenſalza, Bd 111 u. 1V) ; von
W. Vorbrodt (Leipz. 1909, Dürr). Geſamtausg.
(Stuttgart 1845, Hofſmann) ; Geſ. Volks- u. Ju-
gendſchr., hr8g. v. I. W. Ausſeld (12 Bd 1845 Ff). -- Vgl. I. W. Anösſeld, Erinnerung. aus
S.38 Leben (* 1845) ; J. Röll, Pädag. Neiſe durch
Deutſchland (1808); G. Stephan, Die hänusl. Er-
zieh. i. Deutſchl. währ. d. 18. Jahrh. (1891); G,
Kreyenberg, Neue Bahnen vor 100 Jahren ( „Neue
Bahnen" 1892). [F. X. Thalhoſer.]
Sammlungen der Lehrer u. Schüler.
I. Nligemeines8. Von größter Bedeutung ſind
die Schul:S., die no< weit mehr gepflegt werden
ſollten, da ſie durch ein umſaſſendes Aniſchammgs3»-
material dem Lehrer den Unterricht außerordents-
lich erleichtern u. dem Schüler da3 Intereſſe wecken
1. das Auge öſſnen. Bei Aufnahme der Stücke
in die S. muß man allerdings Kritik walten laſſen
u. viele38 Eingelieſerte als unbrauchbar od. un»

Sammlungen der Lehrer u, Schüler.
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zwedmäßig zurüdweiſen. Leider ſchleppen aber
viele dieſer jo überaus wichtigen S. einen un-
nötigen Ballaſt von Stücken mit, die ſür Lehrer
u. Schüler wenig od, nichts bieten. Nicht ſelten
ſehen ſie ſich aus dem wertloſen Auswurf ans
Privat-S, zuſammen, der al8 Danaergeſchenk
an die Schule abgegeben wurde ; wir ſollten dem-
gegenüber daran denken, daß gerade die beſten
Stücke gut genug ſind, um belehrend zu wirken.
E3 ſollten nur Stücke in die S men, über die der Lehrer etwas zu ſagen weiß.
Man wird am beſten den Anfang mit der Botanik
machen 11. dementſprechend mit einem Herbarium
(|. d.). Hierzu iſt das Material verhältni8mäßig
am leichteſten zu beſchaſſen ; allerdings dürfen die
Bewohner der Großſtadt hierſür weite Wege nicht
ſcheuen. Aud darf die Warnung vor dem Feld-
hüter nicht unterbleiben, u. die Mahnung, nur
beſcheidene Eingriſſe in die Pflanzenwelt zu machen,
zumal wenn es ſich um ſeltne Pflanzen handelt,
muß oft wiederholt werden. Nun erfordert das
Anlegen eines Herbariums mit ſauber eingelegten
u. gut beſtimmten Pflanzen den größten Ord»
mings- u. Schönheitsſinn, u. der Schüler hat
recht, auf eine gute, wenn aud) kleine S. ſtolz zu
ſein. Jedenſalls bereitit die 8cientia amadiligs
neben der Belehrung ganz außerordentlichen Ge-
nuß; denn in keinem Gebiete ſind ſeine u, erfreu»
liche Beobachtungen im Freien häufiger u. leichter
zu machen als an unſern Blumen u. deren wun-
derbaren Einrichtungen. „Wo Leben iſt, da foll
man Ehrfurcht haben“, das gilt in noh höherm
Maße von der Tierwelt. Alle3 nußloſe Töten
od. gar Hinmartern muß aufs ſchlimmſte verpönt
ſein (ſ. Tierquälerei). Wem die Liebe zu den
Tieren fehlt, der laſſe ſeine Hand vom zoologi=-
ſchen Sammeln. Schon das Einſangen erfordert
mehr Geduld u. Ausdaner, das Präparieren iſt
oſt ſchwierig u. nicht zum wenigſten das genaue
Beſtimmen. „Freilich iſt auch der Stolz“, bemerkt
E. Fraas, „eine wohlgeordnete u. gut beſtimmte
Käſer» od. Schmetterlings-S. zu beſißen, ein ent=
ſprechend großer, u. nicht ſelten bilden derartige,
in der Jugend angelegte Schüler»=S. den Grund=
ſto> für ſpätere große wiſſenſchaſtliche S. .. . Wer
einmal den Neiz der biologiſ kennen gelernt hat, der wird wohl immer ſeine
Freude daran haben, u. e3 iſt unſre moderne Inſektenkunde viel mehr von Lieb-
habern als von eigentlichen Akademikern gehegt
wird, u. daß die größten u, bedeutendſten derartigen
S. von Privatleuten angelegt find.“ Nod) weit
mehr als biöher ſollten S. von Verſteinerungen an-
gelegt werden, ja wir ſind der Meinung, daß die
Geologie für die Schule noch beträchtlich höhere
Wertung erſahren wird. Verſteinerungen ſind,
wie (6, Fraas, dem wir hier ſolgen, bemerkt, keine
Brieſmarken od. Naritäten, ſondern es ſind ge-
wiſſermaßen Doſumente aus längſt vergangenen
Perioden unſrer Erde. Daher gehören auch Stücke
von wiſſenſchaftlicher Bedeutung nicht in Privat-

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