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verwandte Scheltwort auf diejenigen, die ſich
dur Unaufmerkſamkeit, Trägheit u. ungehörige3
Betragen verdienten Tadel zuziehen. --- Was hier
vom Lehrer geſagt iſt, gilt übrigens in voller An-
wendung ſür jeden Menſchen, der erziehliche Aufz
gaben zu erfüllen hat (vgl. auch den Art, Lob u.
Tadel. [H. Weimer.]
Schlaf (Schlaſſu S. iſt zum Leben ebenſo notwendig wie Speiſe u.
Trank. Shakeſpeare nennt ihn ſelbſt „den zweiten
Gang im Gaſtmahl der Natur, das nährendſte
Gericht beim Feſt de3 Lebens“, Verhinderung
des S. wird ſogar ſchneller unerträglich als die
Entziehung von Speiſe u, Trank. Der S, hat
den Zwe, neue Kraft u. Stärke zu ſammeln,
wenn wir nad) de3 Tage3 Arbeit ermüdet ver»
ſagen ; denn im S. hört die Bildung von Er-
müdung3produkten auſ.
11. Das Weſen des S. iſt noch nicht richtig
erkannt. Selbſt die ſonſt annehmbare Lehrmeinung
verſagt, wonach der S, als eine Art Vergiſtung
durd) Ermüdung3produkte dargeſtellt wird, da viele
Menſchen nad) Belieben u. ohne vorau8gegangene
Ermüdung ſchlafen können. Unſtreitig hängt aber
der S. mit dem Gehirn zuſammen. Im S. iſt
eine verminderte Erregbarkeit des ganzen Nerven=
ſyſtem8 vorhanden. Die Sinne ſind gegen Neize
von nicht allzu großer Stärke abgeſperrt. Cine
Menge von phyſiologiſchen Funktionen erfolgen
in geringerm Grade, Die willkürliche Muskel=
tätigkeit ruht, u. die geiſtigen Verrichtungen hören
auf, wemgſtens im tiefen S, Erſt im leichtern
S., gegen die Zeit des Erwachen3 hin, ſeßt die
Pſyche mit ihren Tätigkeiten in Form von Träu-
men ein, jedo) in anormaler Weiſe. Die Träume
umfaſſen Empfindungen ohne objektive Urſache
(Paräſtheſien; |. Geſühlöſtörungen) od. meiſt nicht
zur Ausführung kommende Willen3äußerungen u.
Gedankenbildungen, denen die geſunde Logik de8
wachen Denken3 fehlt. Gegen die Zeit de38 Er-=
wachens verweben ſich auch äußere Neize mit den
Traumgebilden. Dem S. geht ein Stadium der
Schläfrigkeit od. S.trunkenheit mit ſinkender pſy=
gewöhnlid) anfänglich raſch u. iſt nah der erſten
Stunde am feſteſten. Al8dann verflacht er ſich all=
mählich, um mehrere Stunden vor dem Erwachen
in faſt gleich geringer Tieſe zu verharren. Man
mißt die Feſtigkeit des S. an der zum Aufwecken
nötigen Stärke der Schallreize. Je tiefer der S.,
deſto länger dauert er meiſt. Dur aller Reize wird Cintritt u. Dauer des S, geſördert,
111. Hygiene des S, Kinder haben mehr S.
nötig als Erwachſene. Neugeborne erwachen meiſt
nur zur Nahrung3avſnahme. Kleine Kinder müſſen
täglich wenigſten3 12 Stunden ſchlafen, 10jährige
no< 9---10 Stunden. Erwachſene kommen mit
7, alte Leute mit 5--6 Stunden S. aus, Schwache
u. kränkliche Leute ſindnatürlicherweiſeſchlaſbedürſ-
tiger al3 Geſunde. Die richtige Reglung des S,
bietet allen Menſchen, beſonders aber der Jugend,
Schlaf (Schlafſucht).

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den größten hygieniſchen Nußen. Das Schulkind
ſoll früh ins Bett gehen : bis zum 10. Jahr im
Sommer ſpäteſtens gegen 8 Uhr, im Winter gegen
7 Uhr. Es erwacht dann ausgeruht gegen 6 Uhr.
Zu langes Schlafen macht willenlos. Längere3
Wachliegen im Bette bietet ſittliche Gefahren
(Onanie). So wichtig daher das Frühauſſiehen
au; iſt, joll e8 do< nicht übertrieben werden.
Nicht3 zerſtört das Nervenſyſtem der Jugend ſo
unfehlbar wie andauernd ungenügender S. In
manchen Internaten wird bei Auſſtellung der
Hausordnung auf dieſen wichtigen Punkt nicht
ausreichend geachtet. Normale3 Frühauſſtehen iſt
dagegen gerade für das Kind wichtig u. gibt ihm
heitere, ſchaffensfreudige Stimmung. Hat do
da3 alte Sprichwort nur zu recht: „Morgenſtunde
hat Gold im Munde.“ -- Zum guten S. gehört
auch ein gut ventiliertes, nicht zu warmes Zimmer,
ein Bett mit nicht zu weicher Unterlage (keine
Federbeiten) u. einer der Jahre3zeit entſprechenden
Bedeckung. Kinder bedürfen aber einer etwas
wärmern Zudeckung al8 Erwachſene. Zu reich=
liche Abendkoſt beunruhigt den S.
IV. S.-Störungen. Schulkinder ſchlafen
abends leicht ein u. ſind morgens leicht zu wecken.
Ausnahmen entſtehen, wenn das Kind zu ſpät ins
Bett kommt, zu aufregenden Abendveranſtaltungen
(Konzert, Theater) mitgenommen od. durd ruhe in der Umgebung geſtört wird. Das Leſen
am Abend, zumal bei phantaſtiſcher Lektüre, regt
die Cinbildungskraft auf, beſonders bei reizbaren,
nervö3 veranlagten Kindern, u. hindert den Ein=
tritt des S. Ebenſo kann ihn die Angſt vor dem
Alleinſein verſcheuchen. In allen ſolchen Fällen
zeigen ſich die Folgen dieſer verkehrten S.hygiene
unverkennbar : die Kinder ſind morgens ſchwer zu
weden u. bleiben lange ſhlaſtrunken. --- Al8 krank-
haſte Nebenerſcheinungen im S. treten auf: da3
Bettnäſſen (ſ. Cinnäſſen), epileptiſche u. andre
Krämpfe u. der Pavor nocturnus, ein Folge=
zuſtand hoher nervöſer Reizbarkeit, bei dem die
Kinder in großer Angſt aus dem S, auffahren u.
ſchwer zur Beſinnung u. Ruhe zu bringen ſind.
Ruhiges Zureden u. Anzünden de3 Lichte3 hebt
den Zuſtand, S.loſigkeit iſt bei Kindern ein äußerſt
ernſt zu nehmendes Warnungszeichen ſür erregte
Gehirnzuſtände (ſ. Diagnoſe pſychiſcher Erkran=
kungen). Vgl. auc den Art. Somnambulismus.
V. Die S.ſucht iſt eine tiefere Bewußtſein3=
ſtörung, bei welcher der Kranke nur auf energiſche
Reize u. Anrufe erwacht. Sie findet ſich bei ver=
ſchiedenen Hirnkrankheiten (Gehirnentzündung,
Gehirndruk), in hyſteriſchen 1. epileptiſchen An-=
fällen, bei fieberhaften Infektions8krankheiten, man=
Fm engern Sinne verſieht man darunter eine
Tropenkrankheit (S. krankheit), die Durch Infektion
(Stich der Tſetſefliege) entſteht u. meiſt tödlich
endet, od. die Lethargie (|. Hypnoſe).
Literatur. W, Bergmann, Selbſtbefreiung
aus nervöſ. Leid. (8, Tau]. 1913); O. Dornblüth,

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