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ſich ſelbſt mit ihnen vertraut zu machen u. darauf
die Schüler unter Nuhbarmachung ihrer Selbſt=
tätigkeit allſeitig u. beſtändig in ihnen zu üben.
Jeder Unterricht ohne Anönahme bietet dazu Ge=
legenheit.
11. Hauptarten. Man unterſcheidet 2 Haupts-
arten de3 logiſchen S., nämlich den deduktiven 11.
den induktiven S. Der Unterſchied beider iſt der,
daß dort aus einem Grunde von allgemeinem In»
halt ein Folgeſaß mit beſonderm Jnhalt, hier um=
gekehrt aus beſondern Säßen ein allgemeiner Saß
erſchloſſen wird. Die techniſche Kunſtform des
mittelbaren, deduktiven S. iſt der ſchon von Ari=
ſtoteles meiſterhaft unterſuchte Syllogi8mus,
Der logiſ kategoriſchen Syllogiömus der Folge od. S.ſaß
gewonnen wird, ſeßt ſich aus 2 Urteilen, den Vor=-
derſäßen od. Prämiſſen, zuſammen, die einen ge-
gewiſſen Begriff, den Mittelbegriſf, gemeinſam
haben u. außer dieſem das eine den Subjekt8-, da8
andre den Prädikat8begriff des S.ſaßes enthalten.
So ſchlagen ſie durc< Vermittlung de8 Mittel=
begriffes eine logijhe Brücke zwiſchen den beiden
Begriſſen des S.ſaßes u. ermöglichen e3 dem
Denken dadurch, das logiſche Verhältnis, in dem
dieſe beiden Begriſſe zueinander ſtehen, zu er-
kennen u. mit Sicherheit zu bejahen od. zu ver-
neinen. Jm übrigen ſind auf das Schließen mit=
tel3 des Syllogiömus die ſämtlichen allgemeinen
Grundſäße über das logiſche Grund=Folge-Ver-
hältnis anzuwenden. Die3 hat zu einer größern
Reihe beſtimmter Negeln des ſyllogiſtiſchen
Schließens geführt. Der Fortſchritt, den das Er-
kennen durch das ſyllogiſtiſche Schließen erfährt,
gründet vor allem in der Syntheſe der geeigneten
Prämiſſen. Kombinatoriſcher Geiſt kann ſich hier
glänzend bewähren,
Die materiale Beweiskraſt de3 Syllogi3mus
beruht auf der Wahrheit u. Sicherheit der Präs
miſſen. Sind nun dieſe Säße nicht unmittelbar
evident, ſo müſſen auch ſie bewieſen werden. Dies
kann durch andre, allgemeinere Syllogi8men ge=
ſchehen. Aber natürlich muß dies einmal ein Ende
haben, So fommen wir zuleßt zu Vorderſäßen,
deren Wahrheit anders al8 durch Syllogismen
dargetan wird. An dieſem Punkte wird darum
das deduktive Schließen durch das induktiveergänzt,
Bei der eigentlichen, der ſog. unvollſtändigen
Induktion wird aus einem beſtimmten Sachver-
halt, der in einer Neihe von Cinzelfällen ſich hat
beobachten laſſen, auf die Geltung dieſe8 Sach»
verhaltes in allen, auch den nicht beobachteten, bes
ſonder3 den in der Zukunft liegenden Fällen ge=
ſchloſſen. Namentlich die Naturforſchung muß
beſtändig von dieſer Form de38 Schließen8 Ge=
brauch machen. Nun enthält aber die Induktion
die logiſche Schwierigkeit, daß ſie den Bedingungen
von Grund u. Folge nicht ohne weiteres genügt,
weil ja in dem Folgeſaße mehr behauptet wird,
als in dem Grunde enthalten iſt. Und doh muß
dieſem logiſchen Grundgeſeß aud) in der Induktion
Sc
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Genüge geſchehen. Das wird durch die Hinzu-
nahme eines allgemeinen Vorderſaßes zu den be=
jondern Prämiſſen erreicht. Ein ſolcher allge-
meiner Vorderſaß beſteht z. B. in der Negel, daß
die Natur konſtant bleibt. Über die ſpeziellen Be=
dingungen, wann ſolche allgemeine Säße mit den
gemachten Cinzelerſahrungen verbunden werven
dürfen, u, alſo der induktive S. berechtigt iſt, hat
3. St. Mill in ſeinem „Syſtem der deduftiven u.
induktiven Logik“ grundlegende Unterſuchungen
angeſtellt.
Literatur, Jedes wiſſenſchaftl. Werk über
Logik. [I. Geyſer.]
Shwmeicheln., S. iſt eine Weiterbildung
aus älterm „jc „ſtreichen“, hat aber, ſo naheliegend die Etymo»-
logie jheint, ſchwerlich mit „ſhmiegen“ etwa3 zu
tun, eher noh mit mhd. smielen (smieren) == lü-
dien, j<öntun, Die Vergangenheit brandmarkte
die Shmeichler nicht bloß im Sprichwort, ſon-
dern auch durch kräftige Chrennamen, wie „Fuch3-
ſchwänzer“, „Speichelle>er“ u. dgl., u. geſellte
ihnen alle „Hoſſchranzen“ zu, die einen krummen
Buckel machen vor dem Gebieter, alle8 gutheißen,
was ihm beliebt, u. dem „Narren“ die Torheit
laſſen, die Wahrheit zu ſagen u. zu büßen. Dieſe
Raſſe wird nicht geboren, ſondern erzogen durch
Vorgeſeßte, die den Lobhudlern lieber Gehör
ſchenken als ehrlichen Tadlern u, „Nörglern“ ;
die ein ojſnes Wort nicht leiden mögen, weil ſie
ſich in ihrer Würde beeinträchtigt glauben, durc
ſchwache Eltern u, kurzſichtige Erzieher. Das kleine
Kind weiß bald den Schmeichelton zu finden, wenn
es beim „Mütterchen“ einen Wunſch durſeßen,
beim „Väterchen“ gutes Wetter machen will, u.
wendet ihn gern an, wenn e3 ein böſes Gewiſſen
hat, Plößliche Dienſtbefliſſenheit, jäher Pflichteifer
mit ungewohntem „Was beliebt, lieb' Mutter ?“,
„Soll ich jeht das tun?" uſw., auffällige Lieb-
koſungen blenden das ſcharfe Mutterauge nicht
über ſtummes Schuldbewußtſein od. merkliche
Abſicht, Im troßigen Sinne de38 Knaben iſt oft
ein beſſerer Kern als im Samtſell der Shmeichel»
faße ; denn dort gibt ſich die Natur, wie ſie iſt,
ohne Falſch, hier verbirgt ſie ſich unter Heuchelei;
dort zeigt ſich Kraft, hier Schwäche, dort Mut,
hier Feigheit, Der Erziehung gibt Troß eine
leichtere Aufgabe als Schmeichelei. Sie muß da=
durc< bekämpft werden, daß der Erzieher 1. die
Erzieherin dem Zögling deutlich zu erkennen geben,
was fie von ſeiner Schmeichelei halten. Sieht er
ſich durchſchaut, dann läßt er am eheſten den
Schleichweg. Faſt noch ſchlimmer als die Schmeiz
der Erzieher gegen Zöglinge. Wer gegen die ihm
zur Erziehung Anvertrauten de8 Mittel8 der
Schmeichelei bedarf, um von ihnen Fügſamkeit zu
erlangen, iſt zu bedauern u. taugt nicht zum Er=
zieher. Leider überlaſſen oft „viel in Anſpruch ge=
nommene“ Eltern die Erziehung gerade in den
Führen der Kindheit Dienſtboten, die ſich häufig

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