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ecke verhüten ein ermüdende3 Einerlei, Falls in
einem Schulhauſe ein Feſtſaal vorhanden iſt,
ſo iſt deſſen S, beſondere Sorgfalt zu wid=
men. Farbige Fenſter ſollen ihm ein gedämpftes
Licht geben. Täſelung der Wände u. Decken, Be»
leuchtungskörper , Bilder uſw. , alles muß har
moniſch zuſammenſtimmen u. von ſelbſt zur Feier»
lichkeit erheben. In den meiſten größern Volk3-
ſchulen der Städte dient gewöhnlich die Turn
halle gleichzeitig al8 Feſtſaal. In dieſem Falle
ſollten beſondere Nebenräume zur Unterbringung
der Geräte vorhanden ſein. Vorrichtungen zur
Verde>ung von Tauen u. Stangen u. Einrich=
tungen zum Befeſtigen von S. an den Wänden
dürſten nicht fehlen. Dem Charakter de3 Feſtes
entſprechend, muß ſich dann jedesmal der S, ge=
ſtalten. Bei patriotiſchen Feſten ſteht die Kaiſer»
büſte in einem Lorbeerhain, die Wände zieren
Wappen, Fahnen, Schilder u. Bilder aus der Ge-
ſchichte; Gewinde aus Tannengrün od. Buchsbaum
an den Tauen u. Kletterſtangen od. von Wand
zu Wand reichend erhöhen den feſtlichen Eindruck.
1I1. Anforderungen an den S. Der S. d.
S. muß beſtimmten Anforderungen entſprechen,
wenn er ſeinen Zwe erfüllen ſoll. Auf dem Kunſt-
erzichung3tage zu Dreä3den (1901, Bericht. Ver=
lag von Voigtländer [1902]) ſagte Geheimrat
Brandi über das Ziel der Kunſtpflege : „Die For-
derung ſteht an der Spiße: Alles, womit wir das
Kind umgeben, muß mit Takt, mit Geſchmac>,
nach äſthetiſchen Grundſäßen au3gewählt werden. ..
Das Kind ſoll in der Schule da8jenige haben, wa3
da3 Elternhaus, wenigſtens das arme Elternhaus,
ihm nicht bieten kann, die beſten Darſtellungen
aus dem Gebiete de3 Schönen, ſoweit das Kind
ſie ſaſſen kann. Dieſe Darſtellungen an der Wand
der Schule . . . ſollen ſich entwieln mit ver Ent=-
wicklung des Kinde3 von Stufe zu Stufe." Der
S. ſei alſo vor allem künſtleriſch gut. Die Bilder
ſeien leben3wahr u. wirklichkeit3gemäß, nicht nur
die Sinne gefangennehmend, ſondern auc Gemüt anregend. Ein ſubjekriv aufgefaßte3 Bild
iſt von tieferer u. klarerer Wirkung als das reine
Naturbild, das gilt vor allem von den erd= u.
naturkundlichen Bildern. Die Bilder ſeien ſerner
hinreichend groß od. wenigſtens in den Umriſſen
derart heraus8gearbeitet, daß alle Kinder von der
Betrachtung Nuhken haben. Farbige Bilder ſind
nichtfarbigen vorzuziehen. Endlich ſei der Schul-
S. dem Standpunkte der Schüler pſychologiſch u.
pädagogiſch angemeſſen. Die Unterſtufe erfreut ſich
an Märchenbildern (von denen die von Meinhold
einen vorzüglichen S. bilden) u. lebens8vollen
Frieſen (von Caſpari u. a.). Erd= u. naturkundliche
Bilder (auch ſchon Stimmungsbilder wie „Fuch3
im Nied“ u. „Pflügender Bauer“), Bilder zu
deutſchen Gedichten („De3 Knaben Berglied“,
„De3 Schäfers Sonntagölied“, „Jung Siegſried“
uſv.) u. einfache geſchichtliche Bilder („Königin
Luiſe u. Prinz Wilhelm“) werden auf der Mittel=
ſtufe Intereſſe u. Verſtändnis finden, Der Ober
Schmut der Schulen im Jnnern.

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ſtufe ſind die Bilder vorbehalten, die reiſere3 Ver-
ſtändnis erfordern : Leonardo3 Abendmahl, Six-
tiniſche Madonna, Bilder zu „Tell“ u. „Hermann
u. Dorothea", „Des Sängers Fluch“, „Morgen=
rot", Janko Schmidts „Eiſerne Wehr“, Menzel8
„Giſenwalzwerk“, Dettmanns8 „Vulkanwerſt“ u. a.
Vilder aus der griechiſchen u. römiſchen Sage u.
Geſchichte gehören in die Klaſſen, in denen dieſe
Stofſe unterrichtlich beſprochen werden. Jn den
höhern Schulen müſſen auch die Reproduktionen
alter Meiſter (Leipzig, Seemann) u. der berühm=
teſten antiken Bildwerke (Statuen uſw.) als S.
Verwendung finden; dazu kommen, vor allem in
den Gymnaſien, die bedeutungsvollſten Städte- u.
Landſchaftsbilder der griechiſ<=römiſchen Welt,
ſowie die bekannteſten Stätten u. Kunſtwerke der
Renaiſſance uſw.
1V. Bedeutung. Son lediglich als S. bes
trachtet, find Bilder, Blumen uſw. von unſchäß-
barem Werte. Ein ſo aus8geſtatteter Raum kommt
dem menſchlichen S.triebe entgegen u. der ge=
ſ aber außer dieſer unmittelbaren no Wirkung. Er dient der Entwicklung de8 kindlichen
Sinne3=, Geiſte3= u. Gemütslebens. Die Werke
der Kunſt ſind Bildung8quellen für jung u. alt,
Gelehrte u. Ungelehrte; aus ihnen gewann das
griechiſche Volk den ſo verbreiteten Sinn für das
Schöne im Naume; an ihnen fand in den alten
Leſender heiligen Schriften (Willmann, Didakt.
8 89). Deshalb iſt das Kind auch anzuleiten,
die Bilder an den Wänden unbefangen u. gern zu
betrachten, zugleich aber auch zu gewöhnen, das
Schöne, da3 die Heimat bietet, zu erkennen, ſo
daß e3 tiefer in das Leben u. Weben der Natur
eindringt u. erhöhte Freude bei deren Betrachtung
gewinnt. Damit wird zugleich da3 Ziel erreicht,
va3 ſich die Kunſtpflege geſtellt hat u. da3 Proſeſſor
Lange auf dem 1. Kunſterziehungstage mit fol*
genden Worten kennzeichnet : „Unſre Abſicht geht
dahin, den bei allen Menſchen im Keime vorhan=
denen Kunſtſinn ſo weit zu we>en u. auszubilden,
wie e8 innerhalb der beſcheidenen Grenzen des
Nichtkünſtlertums u. innerhalb der übrigen Er=
ziehungöziele mögli iſt“ (Bericht S. 28 u. 30).
-- Vgl. auch die Art. Äſthetiſche Bildung, Bil=
der im Unterricht, Kunſterziehung, Schulhaus
(Abjhn. B).
Literatur. A. Lichtwark, Übg. i. d. Betracht.
v. Kunſtw. (191914); B. Breull, Kunſtpflege i. d.
Schule (191901); M. Spanier, Künſtler. Bilder-S.
f. Schul. (21902) ; der]., Zur Kunſt (1905). Ber.
üb. d. 1, Kunſterziehungstag (Leipz. 1902); A. Schiel,
Waz3 Kinder auf e. Bilde ſehen u. wie ſie es dar2
ſtellen (Zeitſchr. f. Bildbetrachtungen (1906 ; hr8g. v. Leipzig. Lehrex-
ver.); R. Schulze, Die Mimik d. Kinder b. künſt=
lexiſ<. Genießen (1906); E. Kaiſer, Einführ. i. d.
Verſtändn. d. bild. Kunſt d. Gegenw. (1906). Kas
taloge von Teubner, Seemann, Voigtländer,
Wachsmuth, Köſel u. a. [A. Schiel.]

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