651
bei beſondern Anläſſen ſich nicht entgehen laſjen,
die Schüler im Feſtjaal zu verſammeln u. die von
vornherein erhöhte Aufmerkſamkeit für Säemanns»
würſe auszunußen. Die Zeit der S. (Klaſſen-
andacht bi3 zu 10, gemeinſame Schul» „Feier“ bis
zu 30 Minuten) fällt im Gegenjah zu dem katho»
liſchen Schulgotte3dienſt (ſ. d.) in die Unterricht3»
eit. Am geſichertſten erſcheint der Erfolg in dem
famitienarligen Internat. Schwierigkeiten bietet
hier weniger die Anknüpfung an die täglichen
Vorkommniſſe u. Intereſſen als die Rückſichtnahme
auf den Alteröunterſchied zwiſchen 10» u, 18jäh»
rigen. Günſtig liegen die Verhältniſſe auch in
dem Lehrerſeminar, deſſen Einheitlichkeit durch die
Alter3» u. Intereſſengemeinſchaft geſichert wird.
Beſondere Schwierigkeiten birgt die ſimultane
höhere Schule, da die S. ihrem Weſen nach kon-
ſejſionell iſt. Sie muß hier meiſt vor Beginn od.
nach Schluß de3 Unterricht3 gehalten werden, u.
ihre allgemeine obligatoriſche Durchführung iſt
daher ſchwierig ; infolgedeſſen iſt ſie z. B. im
Elſaß, in Baden u. der Pfalz nicht üblich. Immer-
hin jollte bei hervorragenden Anläſſen die Zu»
ſammenfaſſung der gemiſchten Konfeſſionen zu
freier S. bei einigem Takt nicht unmöglich er-
ſcheinen. =- Wenngleich das S.5problem neuer»
ding3 viele praktiſche Handreichungen gezeitigt hat,
bleibt doc der Schüler innere3 Leben mit den ewigen Dingen
in Berührung zu bringen, dem einzelnen Lehrer
vorbehalten, der die Grenzer; der Betätigung ſeiner
Freiheit nur darin findet, nicht die Kraft des
Chriſtentums zu verflachen, ſondern den flachen
Menſchen durc ſeine Kräfte zu vertiefen,
Literatur. Vgl. auß. d. i. Text gen. Schr.:
G. Schümer, S.en (1913). [O. Eberhard.]
Schulanfang. 1. Aufnahmeglter. Per30
Ernſt der Fromme (ſ. d.) verordnete in feinem
„Schulmethodus“ (1642) für das Herzogtum
Gotha, daß die Kinder nach zurückgelegtem 5. Le»
ben3jahre in die Schule geſchi>t werden ſollten, u.
die Schulordnungen andrer deutſcher Staaten
ſolgten ſeinem Beiſpiele. Sowohl die Principia
rogulativa wie auch da3 Generallandſchulregle-
ment (]. d.) 1. da3 noch heute in Preußen geltende
Allgemeine Landrecht ſeßten das vollendete 5. Le-
benöjahr al3 Norm für den S, feſt, ebenſo da3
engliſche Clementarjchulgeſez v. 1870. Da dieſes
Alter jedoch bald allgemein al3 verfrüht erkannt
wurde, rückten Preußen u. die meiſten andern
deutſchen Bundeöſtaaten (vgl. die einzelnen Länder»
artikel), ſowie Öſterreich, Italien, Frankreich,
Holland 1. der größte Teil der Schweiz (ſ. dieſe
5 Art.) den S. bis nach Vollendung des 6. Le»
ben3öjahre3 hinaus. In 11 Kantonen der Schweiz
wird da3 Kind ſogar erſt nach dem 7, Lebensjahre
ſchulpflichtig, de3gleichen in Norwegen, Schweden,
Belgien u. Mecklenburg»Schwerin. Vorausſehung
für den S. iſt die Schulreife: das ſchulpflichtige
Kind muß auch ſchulfähig, d. h. körperlich u. geiſtig
hinreichend entwickelt ſein, wenn e3 den Anforde»
Sc
652
rungen u, Gefahren des Schulleben8 gewachſen
ſein joll. Cine verſrühte Einſchulung ſtellt an die
Kraſt 1. Leiſtungsfähigkeit der Kinder unerſüllbare
Anſprüche, ſchädigt ihre körperliche Entwielung,
nötigt den Lehrer zu methodiſchen Künſteleien u.
beeinträchtigt den Erfolg de3 Elementarunterrichts.
Pädagogiſche u. hygieniſche Gründe ſprechen ſür
ein Hinausrücken der Schulpflicht bis na< dem
vollendeten 7. Lebensjahre unter der Voraus»
ſehung einer zwe>kmäßigen Erziehung der Kinder
im vorſchulpflichtigen Alter. Dem ſteht der Wunſch
vieler Eltern entgegen, die ihre Kinder baldmögs=
lichſt der höhern Schule zuführen od. deren Ar=
beitsfraſt ſchon vor dem 14. Lebensjahre ausnußen
wollen. Haben ſolche Eltern erreicht, daß ihr Kind
etwa mit 5'/, Jahren auſgenommen u, demen1t-
ſprechend mit 13?/, Jahren entlaſſen wird (].
Schulbeſuch), ſo werden ſie ſelber ſchuld an allerlei
Unzuträglichkeiten. Denn da nach) 8 136 der Ge-
werbeordnung die Beſchäſtigung ſchulentlaſſener
Kinder unter 14 Jahren in Fabriken die Dauer
von 6 Stunden täglich nicht überſchreiten darf,
werden dieſe Jugendlichen vorläufig al3 Fabrik-
arbeiter nicht eingeſtellt, bleiben in der Zwiſchen-
zeit ohne rechte Beſchäftigung u. ſind der Gefahr
förperlicher u. ſittlicher Verwahrloſung ausgeſeßt.
So rächt ſich der verfrühte S. no< im nachſchul-
pflichtigen Alter, beſonver3 an der Großſtadt-
jugend (ſ. d.). Eine zweimalige Aufnahme der
Schulneulinge innerhalb eines Schuljahres (am
1. April u. 1. Okt,), wie ſie z. B. in Berlin,
Stettin, Danzig, König8berg ſtattfindet, vermin-
dert die Alteröunterſchiede u. ihre nachteiligen
Folgen , hat jedoch ſchultehniſche Bedenken
gegen ſich. Vgl. auch den Art. Schuljahr.
11. Einſchulung. Vor dem Aufnahmetermine
überſendet die Orts8polizeibehörde dem Ortöſchul-
inſpeltor (Nektor) eine Liſte der in3 ſchulpflichtige
Alter eintretenden Kinder u. fordert durch öſſent-
liche Bekanntmachung die Eltern auf, die Kleinen
zum Schulbeſuche anzumelden. Bei der Anmel-
dung iſt ein Geburtsſchein (Tauſſchein) u. der
Impſſchein des Kindes vorzulegen, mancherorts
auch ein Fragebogen über deſſen Geſundheit8zu-
ſtand im vorſchulpflihtigen Alter auszufüllen.
Schulpflichtige, aber nicht ſchulſähige Kinder
können auf Grund ärztlicher Beſcheinigung an]
1 Jahr vom Schulbeſuche zurü&geſtellt werden;
das gleiche iſt zuläſſig wegen zu weiter Scul-
wege. Am erſten Tage des neuen Schuljahres
bzw. Schulhalbjahres (bei zweimaliger Aufnahme)
erfolgt dann die Aufnahme der Sculrekruten.
Die unpädagogiſche Sitte, ihnen den ſchweren
S. durch rieſige Zuderdüten leichter madjen zu
wollen, die der Lehrer den Schulneulingen im
Auſtrage ihrer Eltern od. Tauſpaten , angeblich
als Früchte ſeine8 im Schulkeller ſtehenden Zucer-
baumes ſchenken muß, findet ſich nur noch verein-
zelt. Die Kleinen kommen gern, wenn der Un-
verſtand ihnen die Schule nicht al3 Prügelanſta!t
zum Schregeſpenſt gemac

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.