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freudigkeit bleibt u. wächſt, wenn der Lehrer ſie
mit „Liebe u. froher Laune“ empfängt, ſie mit
Geduld allmählich in Zucht u. Ordnung bringt
u. ihnen durch friſches, fröhliches Arbeiten, Er
zählen, Singen, Spielen hilſt, den notwendigen
Scritt aus dem Paradieſe kindlicher Freiheit in
den Zuſtand geſeßlicher Gebundenheit zu tun (ſ.
Erſtes Schuljahr, Freude), Die in den erſten
Tagen nach dem S, vorzunehmende ſchuiärztliche
Unterſuchung entſcheidet endgültig über die Schul-
reiſe u. gibt Winke für die durc körperliche Be-
ſchaffenheit etwa erſorderliche Schonung u. indivi-
duelle Behandlung de3 Anfänger (ſ. Schularzt).
III, Neligiöſe Erziehung. Beſondere Bedeu-
tung gewinnt der S. durch die in der Negel mit
ihm verbundene Entſcheidung über die religiöſe
Erziehung des Kindes, CEheliche Kinder, auch un»
getaufte, werden, ſall3 die Eltern der gleichen
Konſeſſion angehören, nach dem Bekenntniſſe der
Eltern, uneheliche nah der Konfeſſion der Mutter
eingeſchult. Abweichend u. mannigſach ſind die
Beſtimmungen über die religiöſe Erziehung der
Kinder aus Miſchehen. In Preußen ſollen dieſe
grundſäßlich in der Religion des Vater3 erzogen
werden, auch wenn nac deſſen Tode (od. aus an=
dern Gründen) der Mutter die Erziehung allein
obliegt, es jei denn, daß dur) übereinſtimmende
Willen3erklärung beider Eltern vor einem Notar
od. vor der Zivilbehörde die Erziehung in einem
andern Bekenntniſſe al38 dem de8 Vaters recht8=
gültig feſtgelegt wurde. Den einſchlägigen Vor-
ſchriſten der preußiſchen Schulauſſichtöbehörde
ſtehen mehrere Kammergerichtsentſcheidungen ent-
gegen. Cine geſeßliche Reglung der Frage für da3
ganze Deutſche Neich wird angeſtrebt. =- Über die
religiöſe Erziehung in den Thüringiſchen Staaten
vgl. den Art. Sachſen (Thüringiſche Staaten),
Abſchn. A, 4.
Literatur. Vgl. die Lit. unt. d. Art. Schul-
auſſicht. [A. Rheinländer.]
Schulangſt |. Phobien.
Schularchäologie |. Archäologie al8 Hilf8-
diſziplin,
Sc Schularzt, I. Allgemeines, Mit der not-
wendigen geſundheitlichen Fürſorge für die Schul-
kinder mußte da38 Beſtreben Hand in Hand gehen,
den gegebenen Vertreter der Hygiene, den Arzt, auch
an dieſer teilnehmen zu laſſen. Man führte erſt-
mals 1896 in Wie8baden den S. ein u. gab ihm
eine Inſtruktion, die über die Auzübung de3 ſchul-
ärztlichen Beruſ3 normierende Beſtimmungen ent=-
hielt. Mehr u. mehr entſchloſſen ſich die Ge-
meinden Schulärzte anzuſtellen, u. zwar erſt ſolche
im Nebenamt für kleinere Schulkomplexe u. ſpäter
ſolche im Hauptamt, in dem ſich der S. ausſchließ=
lich der Schulkinderfürſorge zu widmen hatte, E38
mögen jeht (1915) gegen 800 Schulärzte im
Neben- u. nur 30 im Hauptamt wirken. Die
Aufgaben des S. ſind engere u, weitere, je nach-
dem bloß ſtatiſtiſchen Zwecken dienende Unter-

Sc ſuchungen gewünſcht werden, od. aber die Schluß»
folgerungen aus dieſen gezogen u. die Fürſorge-
mittel bereitgeſtellt werden, die durchzuführen bzw.
anzugeben der S. beruſen wird.
11. Dienſtanweiſung für den S. A13 Bei=-
ſpiel einer ſol temberg geltende :
8 1. Dem S. liegt ob: 1. die Unterſuchung
des Zuſtande3 des ganzen Schulgebäudes u. der
den Zwecken der Schule dienenden weitern Ge
bäude, ſowie ihrer Einrichtungen u, Geräte, ferner
die Überwachung der Benußung dieſer Gebäude
u. Einrichtungen in geſundheitlicher Beziehung;
2. die Fürſorge für die Wahrung der geſundheit=
lichen Anforderungen beim Unterricht ; 3. die Feſt-
ſtellung u. die Verhütung der Verbreitung von
Krankheiten u. Gebrechen bei Schülern u. Schü-
lerinnen u. die zu dieſem Zwecke erſorderlichen
körperlichen Unterſuchungen derſelben; 4. auf An-
trag de3 Schulvorſtands od. des Ortöſchulauſiehers
die Begutachtung von Geſuchen um Beſreiung von
der Teilnahme an einzelnen Unterrichtsfächern au3
geſundheitlichen Gründen.
8 2. Bei der Unterſuchung der Schulgebäude
ſind die jeweils geltenden Vorſchriſten über die
Einrichtung dieſer Gebäude zur Richtſ nehmen. =-- Wenn der aufgeſtellte beſondere S.
anläßlid) ſeiner Beſuche in den Schulen bezüglich
de3 Zuſtande3 de8 Schulgebäudes u. ſeiner Cin=
richtungen Wahrnehmungen macht, die eine bal=
dige Abhilfe angezeigt erſcheinen laſſen, iſt er ver=
pflichtet, hiervon dem Sc Ortsſchulauſſeher ſchriftlich Anzeige zu erſtatten.
Daz3 gleiche gilt für den Oberamtsarzt, wenn er
derartige Wahrnehmungen macht, bevor eine Ge=
meindemedizinalviſitation verfallen iſt. Überhaupt
hat der S. bei jeder geeigneten Gelegenheit inner=
halb ſeine3 Geſchäftskreijes für die Herbeiführung
u. Erhaltung eine3 geſundheitlich einwandſreien
Zuſtande3 der Schule zu ſorgen.
8 3. Um ſich davon zu überzeugen, daß bei der
Benußung der Einrichtungen des Schulgebäude3
u, beim Unterricht die geſundheitlichen Anforde=
rungen gewahrt werden, ſowie zum Zwecke der
Feſtſtellung von Krankheiten u. Gebrechen bei
Schülern u. Schülerinnen hat der S. wenigſtens
einmal im Jahre jede Schule während der Zeit
de8 Unterrichts zu beſuchen. Die Zeit de8 ab=
wechſelnd im Sommer u. Winter auszuſührenden
Beſuc

ſchulen mit dem Ortsſchulauſſeher, zu verein=
baren. = Jm Vorliegen beſonderer Gründe find
dem S. auch unangemeldete Beſuche geſtattei,
Wenn hieraus Koſten entſtehen, iſt, von dringen
den Fällen abgeſehen, zuvor die Erlaubnis der zu=
ſtändigen Oberſchulbehörde einzuholen, auch iſt
vor dem Beginn de3 Geſchäft8 der Shulvorſtand
bzw. der Ortöſchulauſſeher zu verſtändigen.
S8 4. Bei der geſundheitlichen Überwachung der
Benuhung de38 Schulhauſe3 u. ſeiner Einrich-
tungen iſt da3 Augenmerk vorzug3tweiſe auf die

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