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Brunner-Voigt; Cbeling-Gruber; Langhans; Penk»
ker; Scodel. -- Große Handatlanten: An»
dree; Berghaus (Phyſik. Nil.) ; Debes; Sohr-Berg»
hauß; Stieler ; Sydow. [C. Oppermann.]
Schulauſſicht. Der vorliegende Artikel
läßt mit Nbſicht das höhere Schulweſen, über
deſſen Beauſſichtigung der Art. Reviſion (Abſchn.
111) berichtet, aus dem Spiele u. beſchränkt ſich
auf das Volfsſchulweſen, dem Sprachgebrauch
folgend, der dem Worte S. meiſt nur dieſen
engern Umfang unterlegt. Die S. iſt heute der
Gegenſtand eine3 lebhaften Kampfes. Seine
grundſühliche Beurteilung folgt aus der Dar-
legung der Grundlagen, auf denen die S. ſußt.
Die Beſprechung de3 Kampfes ſelbſt beſchränkt
ſich auf die Feſtſtellung der Tatſachen.
1. Begriff u. Aufgaben der S. Zur S. ge-
ört die gejamte Leitung 1. Überwachung des
Volksſchulwejen3 u. der ihm gleichſtehenden Pri»
vatſchulen (ſ. d.) nah den geltenden geſeßlichen
u. Verwaltungsbeſtimmungen. Sie wird geübt
im Auftrage des Schulherrn, als welcher heute
überall der Staat erſcheint. Von der Beteiligung
der übrigen Erziehung3ſaktoren, Familie, Ge»
meinde, Kirche, denen in den meiſten Staaten
ein Anteil an der S. eingeräumt iſt, wird ſpäter
die Rede ſein. Die Ausführung der S. liegt in
den Händen ſtaatlich beauftragter Perſonen, die
entweder haupt» od. nebenamtlich tätig ſind (die
Auſſicht3perſon wird nachſtehend al3 Vorgeſeßter,
abgekürzt V., bezeichnet). Die S. richtet ſich auf
das innere Schulleben, auf Unterricht, Zucht u.
Erziehung. Neben ihr geht her -- zur S, im
weitern rechtlichen Sinne gehörend -- die Schul»
verwaltung, deren Geſchäftsbereich die äußern
Verhältniſſe ſind: die S Berwaltung de3 Schulvermögen3, der Bau u.
die Unterhaltung des Schulhauje3 u. ſeiner Neben-
gebände, die polizeiliche Behandlung der Schul»
verjäumniſſe. Die Schulverwaltung wird je nach
den Bundesſtaaten teils von den Schulauſſichtöbe-
amten teil3 von den Organen der allgemeinen Ver-
waltung geführt, die in den mittlern u. den höhern
Inſtanzen gewöhnlid Juriſten ſind. Die Nechte
der Schulverwaltung u, S, ſind vielſa nicht be»
ſtimmt gegeneinander abgegrenzt, u. in einzelnen
Staaten, u. a. in Preußen, geht die Entwicklung
dahin, daß die Schulverwaltung der S. voran
geſtellt u. ihr in gewiſſem Sinne übergeordnet
wird, womit dann leicht eine Autorität8»- u. Ein»
ſlußminderung für die S. verbunden iſt. Anch bei
den follegialen Behörden der Bezirk3- u. Zentral»
inſtanz, in denen die Schultechniker (Fachmänner)
neben den Verwaltungz3juriſten ſißen, iſt, worüber
von techniſchen Mitgliedern dieſer Behörde wieder-
holt geklagt wurde, Stimme u. Einfluß des juriſti-
Ichen Element3 vorherrjchend. -- Der S. liegt ob:
die Überwachung, alſo Auſſicht im engern Sinne,
u. die Schulpflege, die an Bedeutung voranſteht.
1. Die S. im engern Sinne iſt die auf den ge»
ſehlichen u. verwaltungs3rechtlichen Beſtimmungen
Sc
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ſußende Überwachung des geſamten innern
Schullebens u. der äußern Verhältniſſe, ſoweit
ſie fördernd od. hemmend auf das innere Schul
leben einwirken. Jedoch iſt in lehterer Hinſicht
die Beſugnis8 des V. inſofern beſchränkt, als er
zur Abſtellung von Mängeln die Sc tungöorgane zu Hilſe nehmen muß, Ihre Wegs»
weitung erhält die S. durc die geſehlichen Be=
ſtimmungen 1. die allgemeinen Anordnungen der
Zentralbehörde über das Ziel, die Einrichtung u.
die Gliederung der Schule, über den Lehrplan,
die Lehrauſgabe u, die Stundenzahl. Dur) dieſe
allgemeinen Nichtlinien wird die Volksſchule dem
geſamten Bildungsweſen de8 Volkes eingegliedert.
Die S. hat darüber zu wachen, daß ſich die Schul»
arbeit in dieſem Nahmen hält, Wenn ſie dem
gemäß nad oben u. unten gewiſſe Grenzen zu
ziehen hat, ſo muß ſie ſich nicht minder bewußt
bleiben, daß dem Lehrer, als dem eigentlichen
Träger der Volk3bildungöarbeit, innerhalb dieſes
Rahmens möglichſte Freiheit gewährt werden
muß, weil ſeine Lehr» u, Erziehungstätiglkeit eine
von außen herangebrachte Schabloniſierung nicht
verträgt. Auch in der Methode macht der Geiſt
lebendig, u. die ſchönſte Form bleibt ohne ihn tot.
In bezug auf die poſitiven Leiſtungen, den Um=
ſang u. die geiſtbildende Durcharbeitung der
Lehrſtoffe richte der V. zunächſt den Bli auf das
Vorhandene u, dann erſt auf die Lü>en u. Mängel.
Auch bleibe er ſich ſtet3 bewußt, daß aud) in der
Scule das Jdeal durchweg nicht erreicht werden
kann. Die erziehende Cinwirkung einer edeln ſitt=
lichen Lehrerperjönlichkeit iſt mehr wert als glän=
zende Unterrichtsleiſtungen. Wenn es notwendig
iſt, gegen Mängel einzuſchreiten, ſo geſchehe e2
mit Feſtigkeit u. Beſtimmtheit, mit ſittlichem
Ernſte, aber auch ſtet8 mit Milde u. Wohlwollen,
damit da3 Vertrauen des Lehrer3 erhalten bleibt
(vgl. die von Lor. Kellner [ſ. d.; Sp. 1167] auſ-
geſtellten Grundſäße), Für den V. iſt ſtrenge
Selbſtzucht, maßvolle Weſen u. ernſte Nach-
prüfung unabläſſige Pflicht, Die Kunſt der
Seelenführung iſt ſchwer, u. ein ungeſchiter, mit
Charaktermängeln behaſteter V. richtet leicht
großen Schaden an (vgl, Neviſion der niedern
Schulen).
2. Die Schulpflege iſt der beſſere, edlerc
u. ſchönere Teil derS. Sie wirkt ſich aus, indem
der V. zum Lehrer in ein nahes Vertrauen8ver=
hältnis (f. Vertrauen) tritt, indem er die Schul-
tätigkeit des Lehrer38 ſowie deſſen Weiterbildung
anregt u. ſördert, u. indem er dem Lehrer in der
Berufsarbeit u. in ſeinen perſönlichen Intereſſen
möglichſten Schuß gewährt. Dem kalten, amt=
lichen Weſen verſchließen ſich Herz u. Wille, dem
menſchlich-wohlwollenden u. teilnehmenden kommt
der gute Wille faſt von ſelbſt entgegen. Der V.
tut gut, in takivoll zurückhaltender Weiſe auch an
dem Geſchi> des Lehrer8 u. ſeiner Familie Teil-
nahme zu zeigen. Die Schulpflege muß ſich be-
ſonders bei den Reviſionen (ſ. d.), bei den Kon:

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