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Schundliteratur (j. d.) böſeſter Art liefert hier
ihre Beiträge zur Seelenverderbni8 der jungen
Menſchen. Hier können die S. unendlich viel
Gute3 wirken u. Geſchmads8- u. Charakterbildung
der Knaben zeitig in geſunde Bahnen leiten helſen.
--- Ferner triſſt für die höhern Schulen, u. zwar
für alle Klaſſenſinſen, das Gegenteil ungeſähr von
em zu, was für die Volksſchule geltend gemacht
wird : Die Buchbeeinfluſſung iſt dort eher eine
überſtarke. Die vielfältigen Anregungen u. Ein-
drücke aus den ſo mannigſaltigen Unterricht8-
gegenſtänden der höhern Schule ween das Ver-
langen nach eigner Lektüre ; die Hansbüchereien,
die Leſemappen , die Stadtbüchereien, die Biblio-
theken großer induſtrieller Werke (die den Be-
amtenſöhnen oft unmittelbar, meiſt aber auf Um-
wegen zugänglich ſind) ſind dann nächſte Gelegen-
heiten e3 zu beſriedigen, Vielleſerei u. die noch
ſchlimmere wahlloje Lektüre ſind die betrüblichen
Folgen. Hier muß die Schule tatkräſtig eingreiſen.
Und noch ein Weiteres: Man lieſt ſo oft in Bio»
graphien, wie ein Buch einem nach Klarheit über
jeine ſpätere Lebensgeſtaltung ringenden Geiſte die
Richtung gab. Nun, gerade die obern Klaſſen»
ſtuſen der höhern Schule beherbergen gar manchen
Jüngling, der in ähnlicher Lage iſt. Hier kann
die S. durch Einſtellung geeigneter Bücher wahre
Auſklärungzäarbeit leiſten helfen ; denn die Eltern
ſind mur in den wenigſten Fällen ſähig, die Lektüre
ihrer heranwachſenden Kinder planvoll zu leiten.
111. Auswahl der Bücher. L. Wieſe (Ver-
ordnung. u. Geſche I [1866]) ſpricht von einem
Kanon von Büchern, der an mehrern Anſtalten
für die verſchiedenen Klaſſenbibliotheken auſgeſtellt
ſei u. die Bücher enthalte, die zur Einführung in
Geſchichte 1. vaterländiſche Literatur vor andern
geeignet ſeien; die Lehrer der Geſchichte 1. des
Deutſchen ſollen darauf achten, daß dieſe Bücher
möglichſt von allen Schülern der betreſſenden
Klaſſen geleſen werden; daneben wird von einer
Anzahl andrer Bücher geſprochen, die zu leſen den
Schülern auch empfohlen, aber nicht ebenſo zur
Pflicht gemacht wird. Dieſen Weg hat man heute
wohl ziemlich allgemein verlaſſen u. geht ſtatt
deſſen von der Überzeugung aus, daß die durch
die S, vermittelte Privatlektüre dmr willig ſein muß; kein Buch darf dadurch, daß
ſeine Lektüre im Unterricht8zwecke gelegen iſt, ge-
wiſſermaßen den Stempel eines „Lehrbuches" er»
halten. Wirkliche Freude macht die Privatlektüre
nur dann, wenn ſie ſo eingerichtet wird, „daß ſie
(ganz 11. gar der Neigung des Leſenden entſpricht,
daß ſie an ſeine innerjten Lebenösintereſſen an
knüpft" (Johanneſſon). Daraus ergibt ſich für
den Verwalter der S. 1. ſeine Berater die Not»
wendigkeit, ſich bei der Auswahl der Bücher von
jeder ſalſchen Engherzigkeit hinſichtlich der Stoſſe
freizuhalten. Die durch die S. vermittelte Pri»
vatlektüre ſoll ihren Stoff allen Gebieten des
Unterricht3 enmehmen. Die Schüler können dann
das durch die Schulſtunden od. ſonſtwie geweckte
Sc<ülerbibliotheken,

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Verlangen nach weiterer Förderung u. Belehrung
ſrei befriedigen, u. die Fachlehrer können ohne
Auſdringlichkeit u. ji unvermerlt das von den
Schülern privatim Erarbeitete in den Kreis ihres
Unterrichts hineinziehen. --- Daß bei der Aus=
wahl der Bücher neben dem äſthetiſchen u. ethi-
ſchen Werte des Inhalts auch die Buchausſtattung
eine Nolle ſpielt, bedarf nur de8 Hinweiſes. Bücher,
nach denen bei den jugendlichen Leſern beſondere
Nachfrage iſt, werden am beſten in mehrern Ex=-
emplaren angeſchafft (1915 z. B. Sven Hedins
„Ein Volk in Waſſen“). Dagegen kommt an=-
geſichts der umfangreichen u. gehaltvollen deutſchen
Leſebücher ſür die einzelnen Klaſſenſtufen, ange-
ſicht3 ſerner der ſür die mittlern u. obern Klaſſen
dur< die amtlichen Lehrpläne vorgeſchriebenen
Lektüre von deutſchen Schriſtwerken edelſter Art
eine dur die S. zu fördernde „Klaſſen- u. Maſſen»
lektüre“ für diehöhern Schulen nicht in Betracht. --
Hier ein Wort über das Schülerleſezimmer.
Dieſe wohl nur an wenigen Anſtalten bishec be=
ſtehende Einrichtung bildet eine wertvolle Ergän=
zung der S, u. kann in bedeutendem Maße den
Einſluß der Schule auf die Privatlektüre der
Schüler der Oberllaſſen ſtärken. Das für dieſe
Klaſſen behaglich eingerichtete Schülerleſezimmer
ſtellt an unſrer Anſtalt in Opladen ein Doppeltes
dar : eine Art „Leſekaſino“ mit Handbibliothek
(beſonders Nachſchlagewerke), bedeutendern Zeit=
ſchriſten aus dem Gebiete der Literatur, Kunſt u.
Technik, u. einer geeigneten Tageszeitung; ſodann
das Leſezimmer der „Literariſchen Vereinigung“,
die unter Leitung eine3 Lehrers (alle 14 Tage
etwa) Dramen mit verteilten Nollen lieſt. Es
wirken bei der ganzen Einrichtung Geſelligkeit 1.
Freiwilligkeit der Lektüre zufammen, um einen
beachtenswerten Erfolg auch im Sinne guter
Privatlektüre zu zeitigen.
IV. Einrichtung u. Verwaltung. Allgemein
bindende Normen können hierfür kaum auſgeſtellt
werden. Dieim Abſchn. A, 1 V angegebenen Grund=
ſäße können meiſt aun ſür die höhern Schulen
übernommen werden. E38 iſt jedenfalls ſehr er=
wünſcht, daß jede Klaſſe von der unterſten Stufe
an ihre eigne Klaſſenbücherei habe. Der Haupt
fatalog der S. kann etwa ſolgende Hauptabtei-
lungen umfaſſen: Neligionskunde ; Kunſt u. Kunſt-
geſchichte ; Literatur (deutſche u. ausländiſche) ;
Sprach» u. Literaturkunde ; Geſchichte ; Länder-
u. Völkerkunde ; Mathematik u. Naturwiſſenſchaf-
ten einſchl. Aſtronomie ; Technik ; Turnen, Spiel
u. Sport, Jugendpflege, Geſundheits8lehre.
Hinſichtlich der Verwaltung der S. ſeien
ſolgende Vorſchläge gemacht: 1. Die Negiſtrie-
rung, Unterbringung u. Inſtandhaltung des ge-
ſamten Büderbeſtandes der S., kurz die rein
techniſche Seite der Einrichtung, obliegt einem
Lehrer (womöglid) einem Lehrer des Deutſchen) als
Hauptverwalter der S. = 2, Die Auswahl der
Bücher erfolgt durd) einen Ausſchuß, zu dem jeden-
falls der Anſtaltöleiter 1. der Hauptverwalter der

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