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der Briefe. Wichtig iſt die genaue Befolgung der
von der Zentrale jedem Mitgliede zugeſtellten
„Negeln“.
Literatur, Mitteil. d. dtſch. Zentralſtelle f.
internat. Briefwechſ, (ſeit 1897) ; K. Markſcheffel,
Der i. Schüilerbrieſwechſel (1903), ſowie die in
Studienrat Hartmanns Jahres8berichten beſprod).
reiche Lit. [W. Grote.]
Schülerkunde, 7. Begriff u. Auſgabe.
S. iſt die Crſorſchung u. Darſtellung der Leben3=
betätigungen der jungen Leute, die eine Schule
beſuchen. Den Untergrund bildet naturgemäß die
allgemeine Jugendkunde. Stellt dieſe ſichere Re-
ſultate zur Verfügung, dann können ſie herüber-
genommen werden, andernfall3 ſind ſie eigens zu
gewinnen. Die S. umfaßt das ganze Leben des
Schüler3, berückſichtigt aber vorzüglich die Tats-
ſachen u. Erſcheinungen, die mit der Schule in
innerm Zuſammenhange ſtehen, die alſo von ihr
verurjacht, wenigſtens beeinflußt ſind, od, die auf
dieſe zurüdwirken. Sie beachtet demnach den ju=
gendlichen Körper in ſeiner Geſamtanlage ſowie
in den einzelnen Organen, verſolgt ſeine weitere
Entwieklung unter dem Einſluſſe der Schule u.
weiſt auf Schäden hin; die Fähigkeiten des Geiſtes,
ihre Betätigung u. ihr Wachſen werden feſtgeſtellt.
Die Wirkungen der verſchiedenen Unterricht8fächer,
ebenſo das Verhalten der Schüler ihnen gegenüber
finden Darſtellung. Nicht darf das mannigfache
emotionale u. religiöſe Leben überſehen werden. Die
Pſychologie der Geſchlechter, der Alteröſtufen, der
ſozialen Gruppen, ja der einzelnen Schulgattungen
hat Berückſichtigung zu finden. Ein trauriges
Kapitel bilden körperliche od, geiſtige Krankheits»
erſcheinungen, die aber liebevolle Auſmerkſamkeit
erheiſchen.
11. Wert u. Notwendigkeit. Wie die S. ges
ſicherte Neſultate der allgemeinen Jugendkunde
entnimmt, ſo bietet ſie dieſer auch ihrerſeit3 reiches
Material. Sie ſchließt einen hervorragenden Teil
der Geſamtpſychologie in ſich. Die Schule um»
ſaßt ja ein großes Stüc> des Jugendleben3, u. zwar
das bedeutungsvollſte u. greiſt in alle Verhält=
niſſe ihrer Zöglinge kief ein ; ſie iſt deren Welt,
in der ein großer Teil ihrer Tätigkeit ſich abſpielt.
Außerordentlich hoch iſt der praktiſche Wert der S.
Sie ſchaſſt Lehrern u. Erziehern für ihre Arbeiten
feſten Boden u. verläſſige Richtlinien. Wer untere
weiſen u. erziehen will, muß nicht nur mit dem
Lehrinhalte, den er tradieren, mit den Erziehungs-
mitteln, die er anwenden will, vertraut ſein, er
bedarf aud) einer genauen Kenntnis der Natur
deſjen, den er unterrichten u. erziehen ſoll, u. zwar
zunächſt der Geſamtgruppe ſowie des Einzel-
individuums8, Beſißt er dieſe, dann wird ex vor
vielen Fehlern bewahrt, die alle Arbeit umſonſt
machten, ja vielleicht ins Gegenteil von dem um=
kehrten, was man erſtrebte. Auch kann er von den
ihm zur Verſügung ſtehenden Mitteln diejenigen
auswählen, die der Eigenart des jungen Menſchen
angepaßt u. ihn zu fördern u. zu heben wirklich
Schülerkunde,

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geeignet ſind. Dies gilt für den Unterricht, Aus»
wahl des Stoffes , Methode der Vermittlung,
Fächerordnung, Stundenlänge, Pauſen uſw. ver=
mögen rationell geordnet Hinderniſſe, die ſich aus
dem Weſen des Schülers ergeben, zu mildern
od. ganz zu beſeitigen. Ja die geſamte Schul
organiſation muß ſich in ihren Grundzügen durch
die S. leiten laſſen, will ſie nicht von vornherein
den Unterricht3betrieb auf falſche Bahnen lenken.
Eine wichtigere Aufgabe, als e3 der Unterricht iſt,
hat die Schule in der Erziehung der heranwachſen=
den Jugend. Hierzu iſt eine Kenntni3 der Zög=
linge beſonder3 notwendig. Dies iſt eine Grund=
wahrheit der Pädagogik. Man glaube aber nicht,
daß eine S. nur auf der untern Stufe der Schule
für Didaktik u. Erziehung erforderlich ſei; ſie iſt
dies nod) mehr auf der obern. Da3 Leben der
heranreiſenden Jugend wird ja reicher u. differen=
zierter. Die S. bereitet dem Lehrer u. Erzieher
ſelbſt perſönliche Anregung u. Hebung, Durch ſie
lernt er die mannigfache u. anſprechende Welt, in
der er tätig iſt, erſt kennen. Ein Mietling müßte
er ſein, wenn ſo nicht ſein Intereſſe gewe>t würde
u. er in einer mechaniſchen, handwerk8mäßigen
Ausübung ſeines Berufes verbliebe.
II. Quellen, Um zur Kenntni8 des Schüler-
lebens zu gelangen, ſind zunächſt die nämlichen
Wege zu gehen, welche die Jugendkunde einſchlägt.
Die eignen Erinnerungen geben nicht nur mans
djes8 Material, ſie bieten auch Anhalt8punkte zur
Beurteilung jugendlichen Tun38 ; aus den eignen
Gedanken u. Empfindungen läßt ſich auf fremde
ſchließen. In amerikaniſchen Lehrerſeminaren wird
dieſem beſondere Beachtung geſchenkt (Zeitſchr.
ſür päd. Pſychol. 1900, 30 ff). Wertvoll ſind
ſerner die Erfahrungen, die man in langjähriger
Tätigkeit in der Schule u. im Verkehr mit jungen
Leuten macht, dann die Kenntni8nahme von den
durc<4 andre geſammelten ; dieſe mögen in didak-
tiſchen u. pädagogiſchen Abhandlungen niedergelegt
od. mündlich vermittelt ſein. Lebensbeſchreibungen
od. Selbſtbiographien, die ſich auch auf die Schule
erſtreken, wie e3 in den „Bekenntniſſen“ des hl.
Auguſtinus geſchieht, ſind zu beac Material können die Schüler die nah alter Sitte ſowohl an den höhern wie an
den niedern Schulen u. auch in den Internaten
(vgl. L. Nadlmaier, Zöglingsfehler , Zenſur u.
Strafe [1914]) von den Lehrern fortgeſeßt zu
fertigen ſind. Treſſende Winke für ſol dividualitäts8bilder geben für die Lehrer an den
erſtern : W. Münc, Geiſt des Lehramt8 (81913);
Ad. Matthias, Prakt. Pädagogik für höhere Lehr=
anſtalten ; Baumeiſter, Handb. d. Erziehung3= u.
Unterricht8lehre I1 2, 205 ff; für die Volksſchulen :
T. Ziller, Materialien zur ſpeziellen Pädagogik,
hr3g. von Bergner (1886) 8 347 ; die Veröffent=
lihungen „Aus dem pädagogiſchen Univerſität8=
ſeminar in Jena“ (1890) 148 ff; fodann die ein=
gehende Darſtellung „Über Jndividualitäten»
bilder“ (Schüler

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