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1892 (in „Bädag. Zeit» u. Streitfragen", Bd V).
Die „Geheimzenſuren“ an den höhern Lehr»
anſtalten u. die „Perjonalbogen", „Perſonalien-
bücher“ an den Volksſchulen ſuchen jenen Forde»
xungen zu entſprechen. Sie ſind zwar zunächſt nur
unmittelbar zur Förderung des Unterricht3 u. der
Erziehung gedacht, doch ſind ſie auch ſür die Dax-
ſtellung einer allgemeinen S. heranzuziehen.
Die neueſte Zeit fügte dem Genannten noch die
exakte Forjchung nach der Methode der Natur»
wiſſenſchaften hinzu, Die Experimentalpſychologie
(f. d.) jucht alle Beziehnngen im Jnugendleben zu
ermitteln u. auf allgemeine Geſeße zu bringen,
Die Experimentalpädagogik (ſ. d.) tritt an die
Seite, Beide ſtellen reichliche Unterſuchungen an,
u. a. über Begabung, Gedächtnis, Phantaſie,
Auſjmerljamkeit, Typen, Ermüdung, Krankheits»
erſcheinungen, machen Erhebungen über Vorliebe
der Schüler ſür beſtimmte Fächer der Schule od.
Beruſe de3 Lebens, über ethiſche Werturteile u.
Ne zung, Stellung zur Neligion. Freie Auſſäße
od. Fragebogen finden bei lehtern Punkten vor-
nehmlich Anwendung. Auch Schülerzeitſchriſten
(ſ. d.) laſſen eine Bli in das Schülerleben tun;
dieſer wird umſo ungetrübter ſein, je unberührter
dieſe von der Nückſicht auf Lehrer u. Erzieher bleiben
u, je veniger darin nur eine beſtimmte Gruppe
von jungen Leuten zum Worte kommen. Der
„Anfang“ u. das damit zujammenhangende „Ar-
>< iv“ legen nur Zeugnis ab von Wynekenſcher
Iungendfultur, da ſie unter deſſen Einfluß; zuſtande
famen (j. Revolutionierende Pädagogik). Die
Hoſſnungen, die eine Zahl auch angeſehener päd»
agogiſcher Zeitſchriſten („Der Säemann“; „Zeit»
ſchr. f. ongewandte Pſychologie“ ; „Zeitſchr. |f.
pa“: Pjychologie u. experimentelle Pädagogik“ ;
„Archiv jf. Pädagogik") auf jenes Material ſchten,
jind bedeutend herabgeſtimmt worden.
IV. Mitarbeiter. Die vorausgehenden Er-
Öörterungen legen es bereits nahe, wer dieſe ſind.
Vor allem die Eltern. Sind dieſe nicht vorein-
genommen, dann haben fie die ſicherſte Kenntnis
über ihre Stinder ; fie verkehren mit ihnen die meiſte
Zeit u. am ungezwungenſten ; den (Eltern teilt in
der Negel auch das heranwachſende Kind am auſ»
richtigſten mit, was es im allgemeinen u. beſonders
in der Schule ſreut od. bedrückt. Zu begrüßen iſt
es, wenn dieje hierüber Auſzeichnungen machen ;
in Sprechſtunden (ſ. d.), auf Elternabenden (ſ. d.)
kann dieſe Henntnis weitern Kreiſen, auch dem
Theoretiker der S. vermittelt werden. Tief ver»
mögen in das Leben des Schüler3 weiter die Vor»
ſtände von Jugendvereinen, die Leiter von Spielen
Uu. Sportsveranſtaltungen zu ſchauen. Gerade in
Spiel u. Sport tritt der ',nge Menſch mit ſeiner
ganzen Individualität ::: x. Auch der Verkehr
mit den Spielkameraden, das Verhalten bei Sieg
od. Niederlage laſſen in die jugendliche Seele Blicke
tun, zu denen man ſonſt ſchwer Gelegenheit hat,
Die Schule endlich iſt in der Lage, durc plan-
mäßige Beobachtung u. ſyſtematiſche Erforſchung
Schülerkunde.

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ganzer Gruppen u. einzelner Perſonen die Schüler»
pſyche zu erforſchen. Sie hat den Vorzug, jede
piychijche Funktion möglichſt iſoliert betrachten
zu können,
Das aus verſchiedenen Quellen fließende u. von
mannigfachen Forſchern bereitgeſtellte Material iſt
zu ſammeln u. zu verarbeiten von pſychologiſch u.
pädagogiſch Gebildeten, Eine wichtige Auſgabe
obliegt hier den zahlreichen, in neuerer Zeit ge-
gründeten Inſtituten ſür Jugendkunde (Zuſam
menſtellung in „Der Säemann“ 1914, 23 ff;
in Bremen wurde unterdeſſen ein neues ins Leben
gerufen). Auf Kongreſſen werden wichtige Fragen
geklärt, Nicht ſelten ſind damit Ausſtellungen ver-
bunden. Bei all diejen Veranſtaltungen wird na-
türlich auch die Schülereigenſchaft der Jugend in
Betracht gezogen. Der Grundſaß der Arbeit3-
teilung ermöglicht wichtige Teilreſultate.
V. ANrbeitösplan. Die wiſſjenſc heit fordert, daß vorerſt die verſchiedenen Seiten
des Schülerleben3 klargelegt werden, u. zwar bei
beſtimmten Zeitabſchnitten u. in ihren Entwick»
lungen. Mediziner u, Vertreter der Hygiene exr-=
gründen die leibliche Sphäre (vgl. 1. Internat.
Kongreß für Schulhygiene in Nürnberg, 4. bis
9. April 1904, verſchiedene Handbücer der Sdul-
hygiene). Pſychologen beſchäftigen ſich mit dem
geiſtigen Leben, ſeinen Grundkräſten , Voraus
jehungen , allgemeinen Erſcheinungen u. Bezie-
hungen zu Unterricht u. Bildung (f. Kinderpfycho-
logie, Abſchn. 1V ; Pädagogiſch-pſycholog. Labo»
ratorien). Die religiöſe Seite iſt biöher ziemlich)
vernachläſſigt worden. Amerika, das in vielen
Stücken in der Jugendſorſchung vorangegangen
iſt, wendet nun auch ihr Beachtung zu, ſo nament-
lich Stanley Hall in Adolesconco, Starbuc in Re=
ligionspjyc wird die Religion jeht mehr herangezogen. Von
katholiſcher Seite liegen manc (vgl. Katechet, Blätter 1915, 29ſſ). Die Forſchung
gibt ſodann auch Hunde von dem Geſamtſtande
des Schülers zu einer beſtimmten, einer mehr od.
weniger abgegrenzten Alter5periode ; ſeine leibliche
u. geiſtige Entwicllung iſt in einem Bilde geeint;
hierher gehören die fog. „Kinderbilder“ od. „Schi-
lerbilder“, denen namentlich in Neins pädag. Uni-
verſitätsſeminar beſondere Pflege zuteil wird (vgl.
auch Experimentalpädagogik, Abſchn. 111). Breit u,
tief angelegt iſt das Werk von €. Meumann u. Err!
Lucy Höſc<: „Das Schulkind in ſeiner körper
lichen u. geiſtigen Entwieklung“ (1 1906, 11 nod)
nichterſchienen). Fürdieſpätern Schülerjahrehaben
wir faſt nur allgemeine JIugendkunde. Die Gym-
naſialpädagogik hat einzelne bedeutende Leiſtungen
aufzuweiſen. Zu nennen ſind die Arbeiten von
W. Mündh (f. o., u. An der Schwelle de3 Lehr=
amtes [1893]), Jeruſalem (Die Aufgabe d.
Lehrers an höh. Schulen [1912]), A. Matthias
(j. 0.), beſonders die Artikel von H. Schmidkunz,
„Die obern Stuſen de3 Jugendalter3“ (Kongreſ;
für Kinderſorſchung in Berlin, 1906), „Seelen-

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