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wohl überall aufgehoben, ebenſo das frühere S.-
beſreiungsprivileg für Lehrerſöhne, Ein Unter-
ſchied im S. nach den einzelnen Klaſſen wird meiſt
nicht mehr gemacht, ſondern höchſten3 nad Unter-
u. Oberklaſſen, Gänzlicher od. teilweiſer Erlaß des
S. iſt häufig; in Oſterreich genießen ungefähr
60 */, aller Mittelſchüler S.befreiung, Voraus-
ſezung dafür ſind Bedürſtigkeit u. Würdigkeit des
Schülers. Die auswörtigen Schüler bezahlen
meiſt höheres S, als dic einheimijchen. Stellen»
weiſe (z. B. in M.-Gladbach) hat man das S.
nach der Steuerkraft dex Eltern abgeſtuft. Ein
Vorſchlag von Oberlehrer Schloeſſer in Greifs»
wald (ir. „Tag“ v. 11. Juli 1907), unbegabte
Schüler, die dem Lehrer mehr Arbeit machen, das
doppelte S, zahlen zu laſſen, alſo eine S.erhebung
nach den Leiſtungen der Schüler, iſt wohl nod
nicht ausgeſührt worden,
III, S.ſäte für die wichtigſten deutſc Staaten u. für Oſterreich (nach H. Morſch, Das
höh. Lehramt i. Deutſchl. u. Öſterr. [?1910] 452
bi3 457). Die Städte haben vielſach beſondere
Säße. Preußen : jährlich meiſt 130 I für die
Unterklaſſen, 150 X für die Oberklaſſen, 110 M
an den Realſchulen. Bayern: jährlich meiſt 45 X!
für alle Klaſſen u. alle höhern Schulen. Württem-
berg: jährlich meiſt 40 41 für die Unterklaſſen,
60 M für die Oberklaſſen. Sachſen: 150 X an
den Staatsanſtalten, ſonſt verſchieden, Medlen=
burg-Schwerin: 140 3/7. Oldenburg: 130 Xl.
Baden: 108 Xl an den ſtaatlichen Gymnaſien,
ſonſt ſehr verſchieden. Heſſen: 108 2/7 für die
Oberklaſſen, 96 X! für die Unterklaſſen. Anhalt:
meiſt 130 4. Braunſchweig: 120 3. Mecklen
burg-Streliß: 120 AX für die Oberklaſſen, 90 I!
für die Unterklaſſen. Oſterreich: 100 X für
Wien, 80 Kr für Orte mit mehr als 25000
Cinwohnern, 60 27 für alle übrigen Orte. In
Privatſchulen u, Internaten pflegt das S., ab
geſehen von den Auſwendungen für Koſt u. Woh-
nung, ſtets höher zu ſein.
Literatur zu Abſchn, B. Vgl. auß. d. im
Text gen. Werken: O. Heinemann, Handb. üb. d.
Organiſat. u. Verwalt. d. öff. preuß. Unterrichts-
anſt. 11 (1909) 894/898 u. 1. Ergänz.-Bd (1914)
404/406.
[A: I-III A. Rheinländer, IV E. M. Roloff,
B: 1-11 W. Grote.]
Schulgemeinde, 1. Begriff, Unter S.n
verſteht man im allgemeinen die korporative Ver-
einigung mehrerer Perſonen, Familien od. Ge
meinden zur Tragung der Volksſchullaſten, Der
Begriff S., der vielfach gleichbedeutend mit Schul-
verband (ſ. Schulunterhaltungspflicht), S zirk, Schulſprengel gebraucht wird, findet ſich im
deutſ Nach 8 9 des Volköſchulgeſeße3 v. 1873 für das
Königreich Sachſen bilden die Bewohner eines
beſtimmten, räumlich abgegrenzten Schulbezirks,
unter Ausſhluß der Angehörigen andrer Neli-
gion8bekenntniſſe , die eigne Volksſ Lexikon der Pädagogik. IY.
Schulgemeinde.

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halten, die S. Dieſe ſächſiſchen S.n, denen da3
Recht der juriſtiſchen Perſönlichkeit zuſteht, ſind
nicht fonſejfionell, C3 kommt darauf an, ob die
konfeſſionelle Minderheit im Bezirk eine beſondere
Sculanſtalt (Minderheitsſchule) unterhält. Iſt
dies der Fall, ſo bilden die geſamten Einwohner
de3 Schulbezirks eine interkonſeſſionelle Einheits8=
S. Beſteht dagegen eine Minderheilsſchule, ſo
bilben vie Mitglieder der an ihr beteiligten kon=
feſſionellen Minderheit die konfeſſionelle Minder=
heit38=S., während alle andern Einwohner de3
Sculbezirt8 zur interkonfeſſionellen Mehrheits»
S. vereinigt ſind. Nad der Volkszählung v.
1910 iſt die ſächſiſche Bevölkerung zu rund 94 */,
evangeliſch, zu rund 5 ?/, katholiſch. Die Zahl
der Minderheit8-S.n iſt ſehr gering, ſo daß es
nur etwa 1*/, konſeſjionelle u. 99 */5 interkon-
feſſionelle S.n gibt. Dod tragen die S ſtalten der leßtern den Charakter konfeſſioneller
Schulen der jeweiligen konfeſſionellen Mehrheit,
alſo in der Hauptſache evangeliſcher, in ſeltnern
Fällen katholiſcher Schulen. -- Das Allgemeine
Landrecht in Preußen (1794), das für die Schul-
unterhaltung in einem großen Teile Preußens
bis 1908 galt u. in der Provinz Poſen jeßt
(1915) noch gilt, verſteht unter Schulſozietäten
die ſämtlichen Haus8väter eine3 Orte8, Dd. h. jede
im Schulbezirk wohnhaſte, rechtlich u. wirtſchaft-
lich jelbſtändige Perſon, ohne Unterſchied, ob fie
Kinder hat od. nicht, u. ohne Unterſchied de3
Glaubenäbekenntniſſes. Auch dieſe Sozietäten
bilden eigne Korporationen. -- Nach 8 5 des
Volksſchulgeſeßes v. 1914 für das Fürſtentum
Lippe bilden die Bewohner des Sculbezirks die
S.n, die unabhängig von den politiſchen Ges
meinden Selbſtverwaltung haben. Die S.n kön=
nen aus mehrern politiſchen Gemeinden od. aus
Teilen derſelben beſtehen. Auch im Fürſtentum
Schaumburg»=Lippe bildete nach 8 19 des Volk83
ſchulgeſeße3 v. 1875 die Geſamtheit aller im
Schulbezirk domizilierenden Einwohner eine S.
Dieſe Beſtimmung iſt durch das Sondergeſeß v.
22. März 1909 abgeändert. Die S. wird hier=
nad) gebildet durch die Geſamtheit 1. der Perſonen,
die innerhalb de3 Schulbezirk83 dur< ſtändige
Niederlaſſung einen eignen Wohnſiß begründen,
od, ein eignes Grundſtück beſitzen, od, ein ſelbſtän»
diges Gewerbe betreiben; 2. der Erwerbsgeſell=
Ichaſten, der juriſtiſchen Perſonen de3 bürgerlichen
u. öffentlichen Rechts, die innerhalb des Schul=
bezirk3 dauernd wirtſchaftliche Zwecke verfolgen,
od. ein Grundſtück beſißen, od. ein ſelbſtändiges
Gewerbe betreiben. Jede S. bildet eine Korpo»
ration unter einem Schulvorſtande. -- Ander3
ſaßt den Begriff S. das Volksſchulgeſeß v. 1875
bzw. 1903 für da3 Großherzogtum Sachſen: „Jede
politiſche Gemeinde bildet für ſich allein od. mit
andern politiſchen Gemeinden zuſammen eine S.“
Det ſich hier der Begriff S. ſchon mit der land-
läufigern Bezeichnung Schulverband, beſonder3
bei den zuſammengeſeßten S.n, die das erwähnte
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