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bezeichnet werden. Leſeſtoff muß die Klaſſenbi-
bliothek enthalten; doch ſoll auch der Schüler ſi
einzelne Bücher beſonders aus der deutſchen Lite-
ratur anſchaffen. Unbedingt iſt dies notwendig,
wenn der ganzen Klaſſe -- es iſt ja ſtets eine
obere -- eine Schrift als P. auferlegt wird, wie
e3 die zahlreichen billigen u. guten Sammlungen
von Aus8gaben ermöglichen. (Über Quellenlektüre
in der Geſchichte ſ. d. Art.)
Sollen die Schüler geiſtigen Gewinn von der
P. haben, dann darf fie nicht oberflächlich be»
trieben werden. Das Verſchlingen eines an ſich
feſſelnden Werkes bringt wenig Nuhen, Daher iſt
eine Anleitung zum Leſen u. eine Kontrolle er»
ſorderlich, Am beſten geſchieht beide3 dadurch,
daß man ein- od. mehrmal die Schüler das von
ihnen ſelbſt gewählte od. vom Lehrer geforderte
Werk in die Schule mitbringen, ſie dort die Lek»
türe beginnen u. nach 1- bis Zſtündiger Lektüre
darüber berichten läßt, Die beiden Stunden ſtiller
Tätigkeit ſind nicht verloren, wenn man zeigt, wie
die Leſer eindringen mußten. An manchen Gym»-
naſien, 3. B. in Frankfurt a. M., war einſt ein
Tag der Woche (etwa 4 Stunden) ganz der ſrei-
gewählten P. beſtimmt, Der Direktor ſtand jedem
als Delſer zur Seite u, ließ ſich Rechenſchaft von
der Tätigkeit geben, ſie mochte ſich auf alt- od.
neuſprachliche Lektüre erſtreken, auf Pindar od.
auf Shakeſpeare. Das3 iſt heute aus mehrern
Gründen nicht mehr möglich. Über die hänsliche
B. aber kann u. muß der Lehrer ſich u. den Schü-
lern jelbſt Kontrolle verſchaſſen, indem er ſie zum
Gegenſtand kurzer Beſprechungen, zur Unterlage
für mündliche Berichte, ſog. ſreie Vorträge, od.
auch für ſchriſtliche (deutſche od. ſremdſprachliche)
Übung3» u. Probearbeiten in der Klaſſe macht,
Verekelt ſoll ſie durch dieſen Ausweis nicht werden,
ſondern veredelt u. vertieft (vgl, den Art. Lektüre),
Literatur. Die Verhandlungen der preuß.
Direltorenverſamml. ; Handb. f. Lehrer höh. Schuy-
len, bearb. von A. Auler u. a. (1905 f).
[S. P. Widmann.]
Privatſchulen, 1. Begriſſ u. Arten. Das
Privatſchulwejen ſteht der rechtlichen Seite nach
dem öſſentlichen Schulweſen gegenüber. Je nach
der Auſſaſſung über den Kreis der Träger öffent»
licher Gewalt würde das öffentliche Schulweſen ſich
gliedern in Staats», Gemeinde- u. kirchliche Schu-
len, während Schulgründungen andrer Nechts-
träger nur den Anſpruch von Privatgründungen
hätten. Im modernen Staate ſind ſreilich auch die
kirchlichen Schulgründungen nicht mehr als öſſent-
liche Inſtitutionen anerkannt. Al3 ſolche haben
nur mehr die vom Staate u. von Gemeindever-
bänden errichteten Schulen öſſentlichen Charakter.
Alle andern Schulen ſind privater Natur, d. h. ſie
ſind nicht Ausfluß öſſentlicher Gewalten, ſondern
Beſißeinrichtungen von Einzelperſonen od. einer
Vereinigung von Einzelperſonen (Vereinen, Fa»
milien, (Genoſſenſchaſten, Innungen u. ä.) zu dem
Zwecke, einer beſtimmt umſchriebenen Gruppe von
Privatſchulen,

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Unterrichtnehmenden einen beſtimmten Unterricht
< " verſchaffen ; dabei beſteht ein rechtlicher Zwang
r die Schulerrichtung nicht, wenngleich es nicht
ausgeſchloſſen bleibt, daß bei u, nach Errichtung
der Schule die Träger öffentlicher Gewalten be»
Jimmie Rechte ſich vorbehalten, während ſie dieſen
Schulen im allgemeinen keinen erzwingbaren An»
teil an ihren Rechten einräumen. --- BV. exſtreeken
fich nicht nur über das Gebiet des Elementar-
unterricht8, ſondern ergreifen auch den erweiterten
Elementarunterricht u, vermitteln ſowohl fachliche
wie auch allgemeine höhere Bildung. Zumeiſt ent-
ſtehen ſie auf Grund eine8 Bedürfniſſes, gewiſſen
bejondern Verhältniſſen auch in der Scul-
geſtaltung u, Unterrichtserteilung beſondere Rech»
nung zu kragen, ſei es, daß dieſe beſondern Ver-
hältniſſe in der körperlichen u. geiſtigen Beſchaſſen-
heit der Schüler begründet ſind, od. in geſell»
ſchaftlichen u. wirtſchaftlichen Rüſichten der Eltern
der Schüler, od. durch berufliche Notwendigkeiten
einzelner Berufsſtände. Demnach können wir die
Zwetke der P. unterſcheiden in mehr pädagogiſche
un. ſozigle ; dieſe Unterſcheidung zeigt ſich auch bei
Betrachtung der Gründer. Entweder ſind es Päd»-
agogen, die aus dem Drange pädagogiſcher Ne»
formgedanken od. dem Geiſte der Nächſtenliebe
gegenüber beſtehenden Anomalien zur Errichtung
beſonderer Schulen neben den öffentlichen ſchreiten,
od. Männer bzw. Frauen de38 Erwerbölebens, die
ihren jungen Beruſ8genoſſen zwe>s Hebung des
Beruſsſtandes tüchtige fachliche Beruſ8ausbildung
verſhaſſen wollen. Daneben gibt e8 auch P.,
die hart an der Grenze deſſen ſtehen, was man
no< als Schule bezeichnen kann, was wohl eher
unter den Begriſf Gewerbe ſallen möchte. Wir
denkenhierbei an Serviecſchulen, Dienerſchulenu.ä.
Bei der Begriſſ8beſtimmung deſſen, was wir mit
innerer Berechtigung als P. bezeichnen ſollen,
muß der Begriſſ Schule im Sinne einer Ver-
anſtaltung, dem noh jugendlichen Menſchen ein
beſtimmtes Maß von geiſtigen Erkenntniſſen zu
vermitteln, die zugleich auch erziehliche Wirkung
aus8üben , aufrechterhalten bleiben. Wo es ſich
um die Fortbildung Erwachſener handelt, werden
wir daher den Begriff Privat ſ< ule ausſchließen
können, -- Soweit wir die biöherige Entwieklung
des Privatſchulweſens überſchauen, gibt e8 folgende
Arten von P.: private Kindergärten, Elementar-
ſchulen, Vorſchulen für höhere Bildungsanſtalten,
Nealſchulen, Gymnaſien (beſ. klöſterliche), Hand
werkerzeichenſchulen , Gewerbeſchulen , Acerbau-
ſchulen (landwirtſchaſtliche Winterſchulen), kauf-
männiſche Fortbildungsſchulen, techniſche (z. B.
Maſchinenbauſchulen), verſchiedene Muſikſchulen,
höhere Mädchenſchulen, Lehrer» u. Lehrerinnen
bildungsanſtalten, Miſſionsſchulen. -- Vgl. auch
den Art, Privatlehrer.
II. Zur Geſchichte der P. Die Geſchichte
de3 Privatſchulweſens muß im Zuſammenhang
mit der Entwicklung des öſſentlichen betrachtet
werden, inſoſern mit der ſich ſteigernden Ent-

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