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äußere Gründe der Schulorganiſation; gar häufig
leidet nicht nur die ganze Stellung de8 Sißen-
gebliebenen zu Schule u. Unterricht dauernden
Schaden, indem Mißmut u. Gleichgültigkeit ſich
ſeinex bemächtigen, ſondern auch ſchwere ſittliche
u. Charakterſchäden ſind oſt genug die Folgen des
Sißenbleibens, u. zwar in den niedern wie in den
höhern Schulen. Die Sc gemein beklagenöwerten Übelſtande8 trägt iirbeu
der Gliederung des Stoſſe3 die Bindung des
Fortſchrittes an das S. An den Volksſchulen hat
man dem Mangel mit Hilfe des Mannheimer
Schulſyſtems (f. d.) beizukommen verſucht; aber
an den höhern Schulen ſind ähnliche Einrichtungen
aus naheliegenden Gründen nicht möglich. So
bietet das S. neben den unverkennbaren Vorteilen
(Gliederung u. Abſtuſung des Unterricht3= u.
Bildungswege3, Gleichmäßigkeit u. Straffheit in
der Anforderung an den Schüler) doch auc nicht
unerhebliche Nachteile, die an den höhern Schulen,
wie mancherlei Verſuche gezeigt haben, nicht ein-
mal zu mildern find.
111. Die Beſtrebungen zur einheitlichen
Feſtſehung des S. Um die mit der verſchiedenen
Lage des S. verbundenen Mängel zu beſeitigen,
hat ſich die Erörterung oft auf eine gleichmäßige
Reglung erſtre>t, welche die pädagogiſchen, kir<=
lichen, wirtſchaftlichen, hygieniſchen u. ſozialen
Geſichtöpunkte berückſichtigt. Da, wo der Anfang
de3 S. an den Oſtertermin gebunden iſt, macht
ſich die ſchwankende Lage des Oſterſeſte3 unan=
genehm bemerkbar, indem die wirkliche Länge de3
S. bei gleichen Jahrespenſen bis zu 35 Tagen
ſchwankt. Da die Beſtrebungen zur einheitlichen
Feſtlegung des Oſterſeſtes bisher keinen Erfolg
gehabt haben, jo hat fich Preußen zu helſen ver=
ſucht, indem es unabhängig von der Lage de3
Oſtertages den Schulſchluß auf den 31. März u.
den Anſang des neuen S. auf den 1. April feſt-
geſeßt hat. Jm übrigen befürworten in dem Streit
um die zweckmäßige Feſtlegung des S. die einen
den Frühjahr8-, die andern den Herbſtbeginn.
Für den erſtern wird die Nükſicht auf das Oſter=
feſt u. auf das faſt in allen Staaten von April zu
April laufende Ned Pädagogijch führt man an, daß die Schulneulinge
im Frühjahr am leichteſten die Schwierigkeit des
Einlebens in den Schulbetrieb überwinden ; wirt»
ſchaftlich, daß die Entlaſſenen im Frühjahr am
leichteſten Arbeit u, Unterkommen als Lehrlinge u.
Beamtenanwärter ſinden. Die Beſürworter des
Herbſtbeginns ſtüßen ſich auf die zweckmäßigere
Ferienlage, die durch den Herbſibeginn ermöglicht
wird, 11. auf die damit gegebenen geſundheitlichen
Vorteile. Vom pädagogiſchen Standpunkte iſt e8
zweifellos wünſchenswert, die größte Hißeperiode
-- Juli u. Auguſt -- in die Hauptferien fallen zu
laſſen. Der Beginn des S. im Herbſte ermöglicht
e3, die großen Ferien, die innerhalb des S, recht
auſhalten, an den Schluß de3 S. zu legen, der
dann mit dem Eintritt der heißen Tage zufammens= '
Schulkampf -- Schulleben.

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fallen kann. Einzelne Lehrervereine haben eine
jolche Neglung empfohlen. Sie würde auch den
Vorteil einer gleihmäßigen Bemeſſung der Länge
der beiden Schulhalbjahre bringen. Die Rüc=
ſicht auf das Bade= u. Sommerſriſchengewerbe,
da3 bei dieſer Anordnung mit großer Überfüllung
rechnen müßte, darf bei einer ſolchen dringenden
Schulangelegenheit nicht zu ſehr ins Gewicht
fallen. =- Mit dem Anfang des S. hängt auch
die zwe>mäßige Verteilung der übrigen Ferien=
gruppen zuſammen. Hierüber vgl, den Art. Ferien.
Literatur. Die Beſtimm. i. d. Shulgeſ. d.
verſchied. Staaten u. d. einſc Anordn. Vgl. aud d. entſpred. Art, in den pädag.
Enzyklopädien. [I. I. Wolff.]
Schulkrampf |. Schulaufficht, Abſchn. IV ;
vgl. auc< Schulpolitik.
Schulklaſſen |. Klaſſeneinteilung.
Sc Schulkomödien |. Dramatiſche Auffüh-
rungen in der Schule.
Schulküche |. Hanswirtſchaftlicher Unter=
richt, Mädchenerziehung, Abſchn. V.
Scchullaſten |. Sc vgl. auch Schulgemeinde, Schulgeld.
Schulleven. 1. Bedeutung. Man kann
da3 S. kurz als die Außenſeite der Schulzucht
bezeichnen. Mehr, al8 man annehmen möchte,
wirkt das Leben in der Schule auf da8 Schulkind
ein, nicht mir wegen der Vorbildlichkeit der Maß»
nahmen, ſondern auc) wegen der Gewohnheiten,
die ein mehrjähriges S. hervorzurufen vermag.
Am nachhaltigſten wirkt daher da3 Internat od.
Alumnat, überhaupt jede Art des Gemeinſchafts3=
leben38, die außerhalb der ordentlichen Unterrichts=
zeit eintritt. Daher iſt e38 von höchſter Bedeutung,
daß das S. gründlich gepflegt u. nicht etwa als
eine nebenſächliche Angelegenheit betrachtet wird ;
u. daß ferner diejenigen Grundſäße, die der Un=
terricht zu vertreten hat, auch im S. tatſächlid)
in die Erſcheinung treten. Damit iſt die Wichtig=
keit der konfeſſionellen Schule von ſelbſt erwieſen,
denn jede ſittlich-religiöſe Einwirkung muß be=
einträchtigt jein, wo es nicht ſtatthaſt iſt, beſtimmte
Grundſäße einer Lebensformen u. täglichen Pflichten zu vertreten.
Der heutige Schulbetrieb hat dem S. weit weniger
Pflege angedeihen laſſen, als das früher üblich
war. Die mittelalterliche Schule ſah in der Be=
tätigung des Gelernten u. in der Art de3 Um=
gangs eine jo wichtige Erziehungsangelegenheit,
daß dem S. durchweg mindeſten3 ebenſoviel Wert
beigemeſſen wurde wie dem Unterrichte. Daher
die Hochachtung vor dem Zuſammenleben, das
in den mittelalterlichen Kloſterſchulen gepflegt
wurde, u. die Ausbildung vielfacher Syſteme de3
S. (für ältere, für jüngere Schüler), daher auch
die forgjame Pflege, welche die Schulſpiele, die
Schulfeſte (f. d.) u. die Schulzucht im engern
Sinne fanden. Daher aber aud die oft ſtrengen
Negeln u. Weiſungen, denen die Internen wie

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