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heime (ſ. d.). Gegen ſol ſind wiederholt Stimmen laut geworden, die her-
vorheben, daß die Jugend durc ſie blaſiert würde,
daß die großen Koſten die Berjhärſung der fo-
zialen Gegenſäte ſchon in die Schule hineintrügen,
u. daß man auf dieſe Weiſe gegen die Heimat ab-
geſtumpft würde, Statiſtiſche Angaben in reicher
Fülle über alle Zweige des Jugendwandern2 gFibl
das „Deutſche Wanderjahrbuch“ (ſ. Lit.).
111. Geſtaltung der S. 1. Vorbereitung,
Dieſe muß möglichſt früh einſehen, Reiſeziel,
Hauptſtrecken u. Koſten werden bekanntgegeben.
Dann ſoll ſchon das Sparen beginnen; mancher
Groſchen, der ſonſt zum Kino od. zum Automaten
wandert, fließt in die Neiſekaſſe. Die eigentliche
Vorbereitung iſt wie der Wert der S. eine doppelte:
theoretiſch, indem das zu dur in bezug auf alles, was es für den Unterricht bietet,
behandelt wird, u. praktiſch dur die Erledigung
von allem, was die rechte Durchſührung der Neiſe
erfordert, Die theoretiſche Belehrung kann in den
verſchiedenſten Unterrichtöſtunden betrieben werden.
Sehr wünſchenswert iſt daneben, daß der Führer
die Teilnehmer öſter zuſammenkommen läßt u. mit
Hilfe guter Karten die zu bereiſenden Gegenden
beſpricht. Als treffliches Anſchauungsmittel hat
ſich dabei die Anſichtskarte bewährt. Die Behand-
lung des Stoſſe3 richtet ſich nach der Faſſungskraſt
der Zuhörer ; berücſichtigt werden müſſen : Verkehr,
Wirtſchaft8geographie, Volkskunde, Sprachwiſſen-
ſhaft. Beſonders ſorgfältiger Vorbereitung be-
darf der Beſuch von Kunſtſammlungen, von denen
man ſreilich nicht zu viele auf das Programm
ſeßzen ſollte, = Faſt noch wichtiger iſt die praktiſche
Vorbereitung. Wenn es ſich nicht um eine kürzere
Wanderung mit wenigen Teilnehmern handelt,
tut der Führer gut, die Marſchroute vorher feſt=
zuſeßen u. die Tage8ziele feſtzulegen. Ob Unter-
kunſt vorher zu beſtellen ſei, kann zweifelhaft
ſein; nur für größere Wandertruppen dürften
feſte Quartiere notwendig jein. Mindeſten3 müſſen
vorher mehrere zuverläſſige Adreſſen vereinbart
werden; denn bei allem Reiz de3 Wandern3 in3
Ungewiſſe (]. Wandervogel) haben die Eltern
dod) ein Necht zu wiſſen, wo ihr Kind zu erreichen
iſt. Am beſten wird ein ziemlieh genaues Pro-
gramm ausgearbeitet, hektographiert u. jedem
Teilnehmer u. deſſen Eltern ausgehändigt, EZ iſt
darin auch anzugeben, wohin Poſtſendungen zu
richten ſind. Die Tageöleiſtung nehme man nicht
zu hoh: in der Ebene rechnet man nicht über
30 km ; im Gebirge ſind Steigungen, an der See
u. in der Heide die Schwierigkeit de8 Boden3 zu
berücſichtigen. Die Vorbereitungen der Au3-
rüſtung richten ſich nad) der Art der Verpflegung
u. Beherbergung. Wählt man die Beköſtigung u.
Unterkunſt in Gaſthäujern, ſo läßt man ſich von
den Wirten Angebote machen. Sehr gute Dienſte
leiſten bei dieſer Arbeit die Verkehräbureaus, Ver=
ſchönerung8vereine uſw. Der Prei8 der Gaſt=
hausverpſlegung, einſchließlich Schlaſgelegenheit
Schulreiſe,

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auf Matraßen u. Trinkgeld, ſchwankt im Rieſen-
gebirge nach Pilz zwiſchen 1,90 u. 2,15 4. Soll
Selbſverpflegung u. Nächtigen in Zelten od. Ka-
ſernen gewählt werden, ſo bildet man kleine Koch-
familien, deren jede eine Kochausrüſtung erhält :
Aluminiumtopf (mindeſten8 5 1 Inhalt), Pfanne
für Ciergerichte, Dreiſuß mit Kette zum Auſ-
hängen des Keſſel3, Spaten, Beil, mehrere Koch-
löſſel, Trokentücher. Jeder einzelne iſt außerdem
ausgerüſtet mit einem Spirituskocher u. mit Alu-
miniumbüchſen zur Unterbringung de38 Kochvor-
rates, ſoweit er ſich nicht auf der Fahrt ſelbſt
beſorgen läßt. Zum Nächtigen im Zelt muß jeder
Teilnehmer eine Zeltbahn haben, die bei Regen
auch al3 Mantel dienen kann ; ebenſo werden
Zeltſtöke, Heringe (Pflö>e) u. Seile am beſien
mitgeführt. Zur Unterlage dienen Schlaſſäde,
die mit Stroh od. Laub gefüllt werden. Abge=-
ſehen von der erheblichen Mehrbelaſtung, die das
Zeltlagern mit ſich bringt, hat e8 noc< manche
andern Nachteile u. ſollte nur im äußerſten Not-
ſalle u. bloß im Hochſommer ſtattfinden.
Einige Tage vor der Abfahrt läßt man die
Schüler zur Prüfung in voller Ausrüſtung an=
treten. Der Anzug ſei nicht zu dünn u. nicht neu,
die Schuhe am beſten ſchon getragene, bequeme
Schnürſtieſel. Der Nukſack muß breite Riemen
haben, die Feldſlaſc mitzunehmende Wäſche richtet ſich nah der Dauer
uU. der Art der Reiſe; am beſten nimmt man bloß
1--2 Hemden mit weichen Kragen, 2 Paar
Strümpfe, 2 Taſchentücher, Hausſchuhe, Hand-
tuch, Seife u. Kämme mit, An beſtimmten Orten
wird die Wäſche (meiſt die mehrerer zuſamtnen)
nah Hauſe geſchit u. neue in Empfang genommen.
Zum Schuß gegen Unwetter dient ein Lodenhut
mit Sturmband u. ein guter, reichlich großer
Lodenmantel ; ſchlechte Stoſſe ſaugen nach kurzer
Zeit den Regen auf u. ſc nüßen. Sehr nötig iſt auc eine elektriſche Taſchen»
lampe. Statt de3 Scirme3 wähle man einen
derben Sto> mit Eiſenſpiße. Zur Auzrüſtung
gehören ferner Gegenſtände, die in jeder Abteilung
einer trägt : Kleiderbürſte, Nadel, Zwirn, Knöpfe,
Scuhſett, »bürſte u. Lappen, Kompaß, Fern=
rohr. Muſikinſtrumente können bei beſchwerlichen
Märſchen zwar gute Dienſte leiſten, ſind aber ſehr
umſtändlich mitzunehmen; neben der Laute kommen
Trommeln u. Pfeifen in Betracht, Nötig erweiſt
fich eine Pfeiſe mit ſchrillem Ton u. ein Signal-
horn. Eine Reiſeapotheke muß Mittel gegen
Magen= u. Darmſtörungen, Hibſchlag, Ohnmach=
ten ſowie Verbandzeug enthalten. Ein Neiſetage-
bud) u. ein Skizzenbuch dienen zur Feſtlegung der
Cindrücke in Wort u. Bild ; eine photographiſche
Kamera iſt wünſchen8wert.
2. Ausführung. Bei einer Bahnfahrt ver=
teile man die Auſſicht3perſonen, auch ältere Schü-=
ler, in die einzelnen Abteile. Bei Wanderungen
ſoll große Sangeöluſt herrſchen, alle pedantiſche
Sculmeiſterei ſern ſein. Mit Erklärungen ſei
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