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ſtaatliche Auſſicht kann dann verſagen, da es ja
nicht allzu ſchwer iſt, bei der Viſitation den eigent»
lichen Geiſt zu verbergen u. beſſern vorzutäuſchen.
Dieinnern Unſtimmigleiten, die ſich zwiſchen einem
Privatſchulleiter u. ſeinen von ihm finanziell häu-
fig ganz abhängigen Lehrkräſten leicht ergeben,
wenn nicht das Band des Jdeali8mus ſie einigt,
entziehen ſich nicht ſelten dem Auge der Inſpeltion.
Ziuch ſind die Leiter u. Lehrer von P,. ſchon aus
Gründen des Anſtalt3beſuch3 oft gern bereit, den
Wünſchen der Eltern hinſichtlic) Nachhilfe od.
auch Nachſicht entgegenzukommen, ſelbſt wenn der
pädagogiſche Geſichtöpunkt andre Richtung ver-
langte. P. müſſen zum mindeſten finanziell gut
ausgeſtattet ſein, damit der Kampf ums Daſein
nicht in allem den Ausſchlag gibt. Die Perſon
des Leiters ſpielt gerade in PB. eine wichtige Rolle.
Solu,..g Verwandtſchaſt8» u. Protektionsrüſichten
bei dur ie hung maßgebend ſind, iſt die päd»
agogiſche Aufgabe nicht geſichert. Zur Wahrung
ihrer JIntereſjen haben ſich verſchiedene P. zu
Bereinigungen zuſammengeſchloſſen. So gibt es
einen Verein der Vorſteher u. Vorſteherinnen der
P. Berlins u. ſeiner Vororte; ſerner einen Ver»
band der Vorſtände u. Inhaber ſtaatlich ge-
nehmigter Privatinſtitute Bayerns (Siß München.
Anſragen an Dr Nikolaus Römer, München,
Kaulbachſtr. 31). Schließlich nennen wir den
Verband ſchweizeriſcher Inſtitut3vorſteher (f.
Guide de 1'enseignement privs en Suisss,
Frauenfeld, Huber). =“- Vgl. zu dieſem Abſchn, IV
auch) den Art. Privatunterricht.
Literatur. O. Willmann, Didaktik (*1909) ;
R. A. Schmid, Geſch. d. Erzieh. (5Bde, 1884/1902);
N. v. Naumer, Geſch. d. Pädag. 111 (n. A. *1912);
Huckert-Huppert u. Roloff, Art, Unterrichtsweſ.
iStaatdslex. d. Görreßgeſeliſch. V [*1912] 635/659) ;
Jahrb. d. Ver. f. Das Erziehungöweſen d. Gegenw. v. Geſichtöpunkt
d. Bedürfſn. d. Kath. S. 156/458).
[I. Weber.]
Privatſtunden ſ. Nachhilfeſtunden.
Privatunterricht. P. iſt ein privater,
rn perſönlicher, häuslicher Unterricht, inſofern er
3ewöhnlich von einem Lehrer an einen Schüler
4 deſſen od. des Lehrers Wohnung erteilt wird.
Cine größere Zahl Schüler iſt natürlich nicht aus-
geſchloſſen. Er iſt alſo meiſt Einzelunterricht (ſ. d.).
Somit ſind Nachhilfeſtunden (ſ. d.) im gewiſſen
Sinne auch P. ; jedoch muß nicht jeder P. Nach-
hilfeunterricht ſein od. umgekehrt. P. kann aber
auch Gegenſtände behandeln, die außerhalb der
Schule liegen (z. B. Muſik-, Malunterricht u. dgl.).
Hier aber handelt es ſich nur um den P., der an
die Stelle des regelrechten Schulunterrichtes tritt.
1, Wann mußP. eintreten ? Im allgemeinen
dann, wenn die Kinder das ſchulpflichtige Nlter
erreicht haben, ihre Teilnahme am öſſentlichen
Sculunterrichte aber nicht möglich iſt, ſei es, weil
der Wohnort der Eltern (Gutsbeſißer, höhere Forſi-
beamte, Landärzte u, a.) vom nächſten Schulorte

Privatunterricht. 68
zu entfernt liegt, od. weil die anfällige Geſundheit
od. die Eigenart des Charakters 11. der Anlagen
eines Kindes es verlangen, Bei den Prinzen re»
gierender Häuſer iſt zunächſt P. Negel; in vor-
gerüdterm Alter werden ſie dann aber meiſt
einer Schule Übergeben. Manche Eltern, meiſt
natürlich nur begüterte, entziehen ihre Kinder aus
übertriebener Scheu u, Ängſtlichkeit dem Maſſen-
unterrichte (ſ. Einzel- u. Klaſſenunterricht), der im
allgemeinen immer dem P. vorzuziehen iſt.
11, Wer Joll den P. erteilen? Eltern, die aus
irgendeinem der angegebenen Gründe gezwungen
ſind, den Kindern P. erteilen zu laſſen, müſſen
die Angelegenheit als eine ernſte Sache betrachten ;
handelt es ſich dabei doh um ihr koſtbarſte3 Gut,
dem gerade in den Kinderjahren dur) eine unge-
ſchite, verdorbene Hand ein Schaden fürs Leben
zugefügt werden kann, ſei es in religiöſer, ſeeliſcher,
geiſtiger, ſei es in körperlicher Hinſicht. Beim P.
dreht e38 ſich meiſt um Anfang3unterricht. In der
Regel wird hierfür ein ſtändiger Hauslehrer (ſ. d.)
od. eine Erzieherin (ſ. d.) in Betracht kommen.
An Bewerbern um derartige Stellen ſehlt es ja
nie. Schwer iſt es, daraus aber die richtige Wahl
zu treſſen. Meiſt ſind es für Knaben Studenten
der Philologie, Kand:daten des höhern Lehramts,
recht oft auc Theologen, beſonders evangeliſche,
die ſolche Poſten erſtreben. Zur Vermittlung der
Kenntniſſe für die Unterſtuſe höherer Schulen ge-
nügt no< eine Kraft; ſchwieriger iſt dies aber
ſchon für die Mittelſtufe, u. für die Oberſtufe er-
ſcheint es ganz ausgeſchloſſen. Denn kein einziger
Lehrer, ſelbſt der tüchtigſie nicht, iſt imſtande, alle
Lehrgegenſtände der höhern Schulen ſo zu be
herrſchen, daß er mit Erfolg bis zur Oberſtufe
darin unterrichten könnte, geſchweige denn ein meiſt
no unerfahrener Hauslehrer. Beſſer ſteht e3 mit
den Erzieherinnen, die für alle ihre Fächer beſon=
ders vorgebildet werden. Erſahrungs8gemäß wer=-
den die ſog. Nebenfächer der höhern Schule (Ge-
ſchichte, Erdkunde, Naturkunde) im P. zum Scha-
den der Schüler ſchr vernachläſſigt. Welche Eltern
aber wären imſtande -- von den fürſtlichen Ver-
hältniſjen ſehen wir hier ab --, ihren Kindern ſür
jede Fachgruppe einen beſondern Hauslehrer zu hal=
ten? Die Zeit des P. iſt alſo durc materielle u.
ideelle Gründe begrenzt. --- In ſelbſtloſer Weiſe
nehmen ſich oft Geiſtliche, katholiſche wie evangeli-
ſche, mit gutem Erfolge der Vorbereitung ſolcher
Kinder an, die in eine höhere Klaſſe als in die
Sexta einer höhern Lehranſtalt eintreten ſollen.
Die Eltern ſelbſt ſind dagegen meiſt die ſchlechte-
ſten Lehrer. = Vgl. auch den Art. Privatlehrer.
111, Wie iſt der P. zu erteilen? So natür-
lich, daß der Zögling auc wirklich geiſtig geſördert
wird, u. daß ſeine Förderung im weſentlichen
Schritt hält mit den dem Maſſenunterrichte an-
vertrauten Gleichaltrigen, Das läßt ſich bei nor=
malen Verhältniſſen erreichen, wenn ein ganz be-
ſtimmter, feſter Lehrplan (am beſten der ſtaatli
vorgeſchriebene) zugrunde gelegt wird. Der Lehrer

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