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zu unſinnigem, geſundheitſchädigendem Jagen.
Elternhaus u. Schule haben daher in gleicher
Weiſe alle Veranlaſſung, der vernünftigen Be=
nußung des Nades8 ihre Auſmerkſamkeit zuzuwen=
den. Daß neuerdings wenigſtens manche höhere
Schulen Vorkehrungen für eine angemeſſene u.
ſichere Aufbewahrung der Räder getroffen haben,
bedeutet einen beachtenswerten Fortſhritl.
III, Das Büchertragen gehört ſo weſentlich
zum S., daß e3 hier eigens beſprochen werden
muß. Da nämlich, beſonder3 in der Pubertäts-
zeit, die weibliche Jugend das Tragen der Bücher
in der Handkaſche als die einzig würdige Form
empfindet, während der gleichentwikelte Knabe
das Tragen unter dem Arm aus gleichem Grunde
bevorzugt, ſo hat da3 zur Folge, daß gerade in
dieſer Periode des Längenwachstums mit ſeiner
geſchwächten Muskulatur dur die einſeitige Be-
laſtung einer Körperhälſte die ſolgenſchwerſten feit-
lichen Nüdgrat8verkrümmungen entſtehen. Die
Sculter wird na unten gezogen, die Wirbel-
ſäule im Bruſtteile einſeitig abgekrünmmt, eine
Gegenverkrümmung im Lendenteile tritt hinzu,
u. die S-ſörmige Skolioſe (f. Rückgrat3verkrüms-
mung, Abſchn. 1, 2) iſt ſicher, wenn bei langem
S. dieſe Haltung Jahre hindurch täglich einge-
nommen wird. Man ſucht daher den Schülern
Abwechſlung zwiſchen dem rechten 1. dem linken
Arm zur Pflicht zu machen. Aber wer kann die
Befolgung dieſer Vorſchrift überwachen ! Viel er-
ſolgreicher iſt das uneingeſchränkte Verbot dieſer
Form des Bücertragens, wie e8 tatſächlich in
manchen höhern Schulen (z. B. in Wilmersdorf)
entweder für alle Schüler od. do< wenigſten3 für
die der untern Klaſſen erſolgt iſt. Die einzig ge=
ſundheitgemäße Art, die Vücher zu tragen, ermög=
licht für die jüngern Schüler der Shulranzen;
denn erbelaſtet die Nückenſäulegleichmäßig(doppel-
ſeitig), wirkt der in dieſer Zeit ſehr häufigen Vor-
neigung des Kopfes entgegen, zicht die Schultern
zurück u. befördert dadurd) die normale Wölbung
der Bruſt u. deren Atemſähigkeit. Freilich kann
auch der Nanzen zu allerhand fehlerhaften Hals-
tungen („hohler Nücken“, ſteilgeſtelltes Becken,
„Under Nücken“) führen, wenn die Tragriemen
zu lang bzw. ungleich lang find (vgl. G. Müller,
Prophylaxe d. habituellen Haltung8anomalien
[Monatsbl. f. Schulaufſicht8beamte 1910, Hft 8]),
od. wenn er zu ſchwer bepa>t iſt. Es muß daher
die gemeinſame Sorge von Haus u. Schule ſein,
daß die Kinder nicht mehr Bücher bei ſich tragen,
als ſie tatſächlich im Unterrichte des betreffenden
Tages gebrauchen. Die ſchweren Vibeln, Atlanten,
Neißbretter müßten in der Schule aufbewahrt
werden, wenn möglich in eignen, verſchließbaren
Schränk Lehrbücher auf handlichere Form, nötigenfalls
durc< Zerlegung eines Werks in mehrere Bände,
geſehen werden, wa3 der öſterr. Min.=Erlaß v.
10. Okt, 1905 für die höhern Schulen anordnet,
Nach einer Verfügung des Brandenburgiſchen
Lexikon der Pädagogik. 1Y.
Schulwerkſtatt -- Schulz, Otto.

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Provinzialſchulkollegium8 darf der Ranzen nicht
ſchwerer ſein als /, od. höchſtens */, vom Körper-
gewicht des Schüler3, Doh ſind Bücherlaſten von
1/, de3 Körpergewichts feſtgeſtellt worden. Unter
ſolchen Verhältniſſen wird dann dur< den täg=
lichen, langen S, wieder zerſtört, was durch Ats=
mung8- u, ſonſtige Übungen u. durch teilweiſe
foſtſpielige ſhulhygieniſche Vorkehrungen u. An=
ordnungen ſinngemäß aufgebaut worden war,
Literatur. 8. Wagner, Unterr. u. Ermüd.
(1898); A. Juba, Hyg. d. Internat3 (Bex. d.
1. internat. Kongr. |. Schulhyg. [1904] 11 79);
Ztſchr. f. Schulgeſundheitspfl. 1908, 331 u. 597:
H. Koenig8bec>, Vorſc (Ztſ v. Heuß, Fahrende Schüler (Geſunde Jug. 1901,
Hft 1); M. Offner, Die geiſt. Ermüd. (1910);
Th. Heller, Enzyklop. Handb. d. Kinderſ d. Jugendſürſ. 11 (1911) 217 f; H. Selter, Handb.
d. dtſch. Shulhyg. (1914) 298/302.
[C. M. Roloff.]
Schulwerkſtatt ſ. Handarbeitzunterricht
für Knaben.
Schulz, Otto. I. Leben. Otto S., geb. am
17. Olt. 1782 zu Wurow bei Labes (Pommern),
entſtammt einer armen, kinderreichen Landpfarrer8=
ſamilie. Seinen erſten Unterricht erhielt der gut
beanlagte Knabe teil3 von ſeinem Vater (im He-
bräiſchen von einem befreundeten Nachbarpfarrer),
teils bildete er ſich ſelbſt weiter. Für Sprachen u.
Mathematik gleich begabt u. mit einem ausge=
zeichneten Gedächtnis ausgeſtattet, trat er ſchon mit
15 Jahren 1797 in die Prima des Gymnaſiums
zu Alt-Stettin ein, das als Gymnasium acade-
micum eine Art Mittelſtufe zwiſchen Schule u.
Univerſität bildete. 2'/5 Jahre ſpäter bezog er nah
glänzend beſtandenem Abiturientenexamen 1800
die Univerſität Halle, die ſich damals beſonder3
dur Fried. Aug. Wolf (ſ. d.) eines großen Nufes
erfreute, um Philologie u. Theologie zu ſtudieren.
Bei ſeinen beſchränkten Mitteln war er weſent=
lic) auf ein Familienſtipendium von 40 Talern
u. auf Erteilen von Privatſtunden angewieſen.
11/, Jahre war er Mitglied de3 Wolfſchen Philo=
logiſchen Seminar3 (vgl. „Der Schulfreund“ I
805/336). Nach 2/;jährigem Univerſitätsſtu=
dium, währenddem er in leichtſinniger Menſur
ein Auge verlor, nahm er eine Hauzslehrerſtelle
beim Freiherrn v. d, Golß an, die er 3 Jahre be=
kleidete, legte dann in Stettin das Cxamen pro
facultato ab, war 18/; Jahre wiſſenſchaftlicher
Hilfslehrer in Stargard, kehrte auf einige Zeit
als Hauslehrer in die Familie v. d. Golß zurück
u. war darauf 2/, Jahre Mitglied des Kgl. Se=
minar8 für gelehrte Schulen in Berlin. Neujahr
1812 wurde er ebd, ordentlicher Kollaborator an
dem damal3 noch vereinigten Berliniſch-Kölniſchen
Gymnaſium u. war dort ununterbrochen bi3 1826
tätig. Seine in dieſen 15 Jahren glänzend offen-
barte hervorragende Tüchtigkeit wurde dann der
Anlaß, daß er al3 eine8 der erſten Mitglieder der
1825 geſchafſenen Provinzialſchulkollegien (ſ. d.)
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