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1826 zum Kgl. Provinzialſchulrat u, zum Mit»
glied des Schulkollegiums der Provinz Branden»
burg ernannt wurde. Als ſolcher hat er ſich bi8
zu ſeinem am 17. Dlt. 1849 erfolgten Tode ſo-
wohl um das Berliner Schulwejen wie auch be-
ſonders8 um das Elementarſchulweſen der Provinz
Brandenburg große Verdienſte erworben.
11. Bedeutung. S. war das Muſter des ge-
diegenen Schulmanne3 der alten Schule: halb
Philolog, halb Theolog (er hatte 1808 das Erſte
u. 1815 da3 Zweite theologiſche Examen abgelegt),
der auch als Schulmann zeitleben3 eine große
Vorliebe für das geiſtliche Amt beibehielt (vgl. die
Vorrede S. mu ſeiner „Predigten“ [1818]), ein
Mann von tiefem, klarem Wiſſen, vielſeitigem
Intereſſe u. anregendem Umgang. Mit Humor
begabt, beſaß er doch eine auf ſeine umfangreichen
Kenntniſje ſich gründende große Selbſtändigleit,
ja eine gewiſſe Herbheit u. Unbeugſamkeit des
Charakters, die mehrfach Anlaß zu allerhand Zu-
ſammenſtößen (3. B. mit Harniſch, Dieſterweg u.
der Behörde) wurde. Als Schulrat u. Wezer-
nent ſür die damals in Berlin beſtehenden 2 Se-
minare mit Nbungsſchulen hat er ſich beſonder3 um
die Vorbildung der Volksſchullehrer, aber auch um
die pädagogiſche Ausbildung der Predigtamtskans-
didaten verdient gemacht. Er war ein überzeugter
Anhänger der damals nod) üblichen Verbindung
von Theologie u. Philologie u. daher auch der
geiſtlichen Schulauſjicht, anderſeit3 aber auch ein
Gegner der beſonders von Dieſterweg (ſ. d.), dem
damaligen Direitor des Berliner Seminars, ver»
tretenen mehr wiſſenſchaſtlichen Ausbildung der
Volk3ſchullehrer. In ven aus dieſem Gegenſaß
ſich ergebenden Reibereien unterlag S. gegen
Dieſterweg zunächſt inſofern, als ihm 1839/46
da3 Dezernat über die Seminare entzogen wurde.
Daneben wandte S. ſein Augenmerk u. Intereſſe
beſonders dem Taubſtummen= u. Blindenunter=
richt zu. Da3 Hauptverdienſt von S. muß aber
auf dem ſchriftſtelleriſchen Gebiete geſucht werden.
II. Sthriſten. Wir ſehen hier ab von ſeinen
poetiſchen Verſuchen u. kleinen Gelegenheits-
ſchriften („Über Verſorgungs8- u. Anusſteuerkaſſen“
[1622), „Die Sprachgejellſchaſten des 17. Jahrh.“
[1824], „Paul Gerhardt u. der große Churfürſt“
[1840], „Zur Erinnerung an Friedrich d. Gr,“
[1840] uſw.) u. ebenſo von ſeinen Ausgaben des
griec<ß. Mathematikers Diophantos3 v. Alexandria
(1822; Hallenſer Promotionsſchr.) u. der Ge-
dichte Paul Gerhardts (1842) u. andern gelehr=
ten Arbeiten. Uns Pädagogen intereſſieren mehr
ſeine wertvollen, zum Teil oft auſgelegten Schul
bücher auf dem Gebiete des lateiniſchen ( „Schul-
gram. der lat. Spr.“ [1815, 191865), „Au3-
führl. lat. Gram.“ [1825, 21834], Anthologia |
lat. [1825,*?1845], Tirocinium[1840, '*18738])
u. ganz beſonders auf dem des deutſchen Unter-
richts („Berlin. Handſibel" [1837 , in verſch.
Sc
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1. 8.]; „Deutſche Sprachlehre f. Volksſchulen“
[1842, 21866]). Durch das ſpäter von A. Piotter
1. W. Schuberth bearbeitete „Berlin. Leſebuch“
wies er mit als einer der allererſten dem Leſebuch
ſeine richtige Stellung im Deutſchen Unterrichte
an. Große Verbreitung ſanden aud) ſeine „Geiſt=
lichen Lieder f. Schule u. Haus“ (1840, 11844)
u, ſein „Bibliſches Leſebuch“ (1841, 2 Tle,
1 ** 1910, 11 *81930 hrs8g. von P. Müllen-
ſieſen). Unvollendet blieben ſein „Lehrbuch der
mathemat. Geographie“ (11824) u. ſeine „Naum
lehre“ (3 1850), während ein größerer Teil von
Arbeiten nicht zur Veröffentlichung gelangte (vgl.
3. Richter a. a. O. 227 ff). Im Auftrage der
„Berliniſchen Geſellſchaſt ſür deutſche Sprache“
gab S. 1820 den 1. Bd ihre8 Jahrbuchs heraus,
für den er ſelbſt mehrere intereſſante Auſſäße lie
ferte (erſt ſpäter unter dem Namen „Germania“
von v. d. Hagen fortgeſetzt). Endlich verdient S.,
beſonder38 bei dem damaligen Mangel an ſolchen
Fachzeitſchriſten, noc< Erwähnung als Begründer
weier wertvoller pädag. Fachblätter: des „Scul-
freundes“ (ohne S.! Namenſeit 1836 bei Oehmigle,
Berlin, erſchienen) u. des mit F. L. Striez u. H.
W. Ule ſeit 1836 hr8g. „Sdulblatts f. d. Prov.
Brandenburg“. Leßteres bildete eine Art Fort»
ſehung von Bededorſſs (ſ. d.) „Jahrbüchern de3
preuß. Volköſchulwejens" (1825/29), für die S.
zahlreiche Beiträge lieferte.
Literatur. Vgl. J. Nichter (S.8 Schwieger»
ſohn), Otto S. Ein Denkmal (1855; breit u. lobe
redneriſch) ; F. Jonas: Allg. Deutſch. Biogr. XXX11
(1891) 749/751. [W. Grote.]
Schulze, Johannes. 1. Lebensgang,
Johannes Karl Hartwig S., der langjährige
Leiter des preuß. höhern Schulweſens u. der Mit-
begründer des preußiſchen Gymnaſinms, wurde
als Kind einer wohlhabenden meclenburgiſchen
Familie am 15. Jan. 1786 in Bruel geboren.
Seine Schulbildung erhielt er in der Stadtſchule
zu Dömiß a. d. Elbe, wo jein Vater Erbzollz
verwalter war, in der Domſchule zu Schwerin u.
im Gymnaſium zu Kloſter Berge. Nach glänzend
beſtandenem Abiturientenexamen widmete er fich
auf den Univerſitäten zu Halle u. zu Leipzig dem
Studium der Philologie u, der Theologie. Hier
gewannen F. A. Wolf u. Schleiermacher, zu denen
er aud) in perſönliche Beziehungen trat, u. G. Her-
mann großen Einſluß auf ſeine Entwieklung. Jn8=
beſondere verband ihn mit F. A. Wolſ u. G. Her»
mann die Begeiſterung für das klaſſiſche Altertum,
die er ſein Leben lang bewahrte. 1807 promovierte
S. in Leipzig, u. ſchon 1808 finden wir ihn als
Profeſſor der griechiſchen Sprache am Gymnaſium
zu Weimar tätig. Hier wirkte er durch ſeine gründ»
lichen Kenntniſſe u. ſeine „faſt konvulſiviſche Le»
bendigfeit“ im Unterrichte anregend auf die Ju
gend. Seine Beteiligung am öſſentlichen litera=
riſch-künſtleriſchen u. am kir Ausg. u. Aufl.]; „Berlin. Wandſibel" [1837, | ihn in einige Beziehung zu Goethe u. zur Hof-
81€73]; „Berlin. Leſebuch“ [2 Tle, 1839/44
| geſellſchaſt. Freundſchaftlich verkehrte er in der

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