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u, Unterr. (?1912) ; 8. Habrich, Pädag. Pſychol.
11. Zl: Das Strebevermögen (*?1911); F. W.
Foerſter, Schule u. Charakter (121914); A. M.
Weiß, Apologie. [l: Der ganze Menſch (*1905);
H. Weimer, Der Weg 3 Herzen d. Schülers (231915);
F. Kuypers, Volköſchule u. Lehrerbildung d. Ver.
Staaten 2c. (1907); W. Münc, Kultur u, Er»
ziehung (1909); derſ., Geiſt d. Lehramts (281913);
der? , Zukunſt8pädag. (21913); F. Paulſen, Pädag.
(31911). -- Vgl. auch die Lit, unt. den Art. Strafe,
Zucht. [3. 3. Wolſſ.]
Schulzwang |ſ. Schulbeſuch.
Schumacher, Konrad. 1. Leben, Der
rheiniſche Sc 1824 zu Eſ< (Bez. Köln) geboren u. trat 1842
in das Seminar zu Brühl bei Köln ein, wo damal3
al8 hervorragende Lehrerbildner wirkten : Direktor
Pauli, Inſpektor Wagner, Muſiklehrer M. Toep-
ler, ferner Nichter u. Grönings. Nach der Ents=-
laſſung aus dem Zjährigen Seminarkurſus ge=-
wann ihn Pauli als Seminarhilfslehrer, u. ſo
wurde er Mitglied der Lehranſtalt, um ſie außer
einer kurzen Unterbrechung al8 kommiſſariſcher
Kreisſchulinſpektor in Kolmar (Elſaß) i. J. 1871
nicht mehr zu verlaſſen bis zu ſeiner Penſionierung
1895. 51 Jahre lang -- 1863/89 unter der
Direktion Alleker8 (ſ. d.) =- hat er ſo die Aus=
bildung von Lehrergenerationen de3 Rheinlandes
in nachhaltigſter Weiſe beeinflußt (1845/54 als
Hauptlehrer der Seminarübungsſ al3 Seminarlehrer u. ſeitdem als Oberlehrer).
Noc< 13 Jahre verdienten Ruheſtandes in körper=
licher u. geiſtiger Frijhe waren S. beſchieden, bi8
er 84jährig am 15. Okt, 1908 in Köln verſchied.
11. Charakteriſtik u. Bedeutung. Uns Schü-
lexn imponierte S. als hervorragende Perſönlich=
keit von ſicherm, gelaſſenem Auſtreten in allen
Lagen, ſtets von innerer Heiterkeit durchſtrahlt u.
als Mujter eines geſchickten Lehrer3 ; unwiderſteh=
lich war ſein Beiſpiel nie verſagenden Pflichteifer3
u. wurzelechter Religioſität. Sein Vorbild im
Verkehr mit den Übungsſchülern, namentlich mit
den Kleinſten beim Anſchauungsunterrichte, ſteht
unerreicht in der Erinnerung. Al38 Dozent wirkte
er mehr anregend, klärend, ſcharf ſcheidend, als
daß er Lehrſtofſmaſſen heiſchte. Scriftſtelleriſch
oft hervortretend al8 Mitarbeiter verſchiedener
pädagogiſcher Zeitſchriften, darunter Brandis
„Mitteilungen aus dem Gebiete des Volköſchul-
weſens“, ſowie al38 Mitredakteur des Trierer
„Schulfreundes“, hat er jeine Anſichten über ſein
Hauptfach, den deutſchen Sprachunterricht, nieder=
gelegt in dem gleichnamigen Abſchnitt von Alleker8
„Volk8ſchule“ (8 1881), ferner in den „Bildern
für den Anſchauung3= u. Auſſaßunterricht“, die er
zuſammen mit dem Direktor der Taubſtummen=
anſtalt in Trier W. Cüpper3 (+ 1906) durc den
Maler Sonderland zeichnen ließ, u. in dem Buche
„Der Anſchauungs= u. Auſſaßunterricht u. das
Bild als Hilſ8mittel" (* 1888). Die theoretiſche
Grundlegung in dieſen Schriften beſtimmt als
Zwe> des Anſchauungsunterriht3, „das Kind an
Schulzwang -- Scundliteratur.

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Auſmerkjamkeit u. Ausdauer bei geiſtiger Tätig
keit zu gewöhnen, e8 vom Dialekte zum Hochdeuts=
ſchen hinüberzuführen u. zugleich ſeine Seelen
kräſte zu wecken u. ſeinen Vorſtellung8= u. Ge-
dankenkreis auszubilden“. Die Unterricht8ſorm
jei Unterhaltung. Beim Aufſaßunterricht verlangt
er, daß das Freiſchreiben ſchon auf der Unterſtufe
beginne ; der Sprachunterricht ſei lediglich Eprach-
übung: alles Anſchauungen, die im Min.-Erlaß
v. 31. Jan. 1908 behördliche Beſtätigung ge=
ſumden haben.
Literatur. Lebensbilder S.8 ſchrieben L. Hab-
rich in der Donauwörther „Kathol. Schultzg“
1898 u. J. Diker (Feſtſchr. der XIV. Gen -«Verſ.
des Kathol. Lehrerverbandes8 der Prov, Rheinland,
Köln 1909, 73/84). [L. Kie8gen.]
Schundliteratur, 1. Weſen der S. Die
Frage, was S. iſt, läßt ſich mit einer juriſtiſch
brauchbaren Begrifſsbeſtimmung nicht beantwor
ten. Praktiſch verwertbare Abſtände bietet die von
EC. Schulße (ſ. u. Lit.) gegebene Erklärung: Unter
S. ſind zu verſtehen 1. literariſch ſchlechte, aber
moralijch ungefährliche Bücher ; ſie verwirren das
Gefühl u. den Wirklichkeitsſinn u. vernichten den
Geſchmac> für geſunde u. wertvolle Bücher; 2. lite=
rariſc verbinden mit den unter 1 genannten Wirkungen
die Verwüſtung des ſittlichen Urteils u. der Phan-
taſie.
'E. Urſachen für die S, Die S. der Jeßtzeit
iſt feine Einzelerſcheinung, ſondern eine Teil-=
erſcheinung, die nur im Zuſammenhang mit der
Zeit u. den treibenden Kulturfaktoren zu ver-
ſtehen iſt. Sie iſt hervorgerufen durch die Eigen=
art der Erwerb3verhältniſſe der untern Sichten,
die in ihren geiſtigen Genüſſen keine ſeelenver=
tiefenden Werte, jondern vor allem Zerſtreuung
u. Abſpannung von einſeitiger, den Geiſt ver=
ödender Erwerb3arbeit juchen ; ferner durch den
weite Gebiete beherrſchenden gewiſſenloſen Gez
ſchäſtsgeiſt, der die Volksinſtinkte auſpeitſcht u.
mißbraucht ; durch den auf pſychologiſche Zer-
faſerung des Empfindungs8= u, Triebleben8 ge=
richteten Hang der neuzeitlichen belletriſtiſchen u.
pfeudowiſſenſ dekung der Nachtſeiten des ſeeliſchen Leben3 zum
Selbſtzwecl ſeht u. auch vor der rückſichtälofeſten
Entblößung des geſchlechtlichen Triebleben3 u.
piychopathiſcher Crſcheinungen nicht zurücſcheut ;
endlich durd) Lockerung der ſchüßenden Familien=
bande u. Nükgang de3 religiöſen Sinnes.
III. Geſchichte, Verbreitung u. Arten der S.
Die Entwicklung der S. begann in Europa mit
dem Ritterroman, als deſſen erſter Vertreter der
„Amadi8 v, Gallien“ zu betrachten iſt. Die typiſche
Figur dieſes Noman3, ein Nitter von unglaub=
licher Körperkraft u. Tapferkeit, von unendlichem
Edelſinn u. vollendeter Eleganz u. Verehrung für
die Frauen, erhielt ſich in der Gunſt der Menge
aud) dann, al3 der Nitterroman de3 Mittzelalter3
über den weniger erfolgreichen Schäfer= u. Liebe3=

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