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im vorherrſchend kathol. Kant. Solothurn u. ei-
nigen paritätiſchen Kantonen nicht zur Staats8=
prüſung zugelaſſen.
Jugendſc konfeſſionelle, erſahren von privater Seite, beſon-
ders ſeitens der Frauenwelt, eifrige Pflege. In
allen Städten u. größern Ortſchaften u. in ver=
ſchiedenen Landesteilen finden ſic) Bewahr= 1.
Heilinſtitute, Anſtalten für Armenerziehung u, dgl.,
vielfacl) von Staat, Gemeinden u. Vereinen unter=
ſtüßt, Teils für ſtaats8bürgerliche, teils für ſittlich=
religiöſe Erziehung u. allgemeine Bildung od.
beides zugleid) werden im Volke „Jünglings“=
U. „Fugendbundvereine“ gegründet; auch werden
Zugend= u, Volks3bibliotheken, Leſezirkel u. Wan=
dervorträge gehalten. Zurzeit (1915) arbeitet man
an dem weitern Ausbau der ſtaatsbürgerlichen
Erziehung.
10. Die Geſamtaus8gaben für das Un-=
terrichtöwejen in der S. betrugen i. J. 1911:
97 Mill. Xr (davon beſtritten die Gemeinden :
44,6, die Kantone 41,8, der Bund 6,9, Staat u.
Gemeinden zuſammen für Bauten: 3,7 Mill. Hy).
Literatur, Sc S. 1994/95 ; Statiſt. Jahrb. d. S, (1912); Jahrb.
d. Unterrichtöweſ, i. d. S. (Jahrg. 1910/12);
Sculgeſeße v. Bund u. Kantonen; Jahresber.
der]. u. Neglem. ; Jahresber. d. „Schweiz. Lehrer-
vereins" u. ſeine8 Organs „Schweiz. Lehrerzeitung“"
(Zürich) ; des „Schweiz. kath. Erziehungsvereins" u.
de3 „Vereins kathol. Lehrer u. Schulmänner der S.“
11. ihres Organs „Pädag. Blätter“, jeht „Schweiz.
Schule“ (Einſiedeln) ; Karte über das ſchweiz. Er-
ziehungs8weſ. nebſt Text in J. S, Gerſters „Hiſto«
riſch-geogr. Atlas d. S,* (1907).
[I. S. Gerſter.]
Schwerhörigkeit der Kinder ſ. Ohren-
krankheiten.
Schwermut ſ. Melancolie.
Schweſtern von der Heimſuchung ſ. Sa-
leſianerinnen.
Schwimmen ſ. Baden u. Shwimmen.
Schwimwilehrer ſ. Turn= u. Schwimm-
lehrer. [11, 9.
Schwimmilehrerin [. Lehrerin, Abſchn.
Schwindſucht ſ. Tuberkuloſe.
Sechstagewerk ſ. Entwiklungstheorie (Bd
1, Sp. 1062 )./ [kolonien.
Scehoſpize für Schulkinder ſ. Ferien-=
Seele (Seelenlehre) |. Pſychologie.
Seelſorge an der Jugend |. Kinder- u.
Jugendſeelſorge.
Sekunda /. Klaſſeneinteilung.
Sekundärſchulen. In der Schweiz (ſ. d.,
Abſchn. B, 11, 3, b) bilden die Sekundarſchulen
eine etwa den preußiſchen Mittelſchulen entſpre-
(Volköſhnlen) u. den höhern Schulen (Mittel-
ſchulen). In Frankreich, Belgien (6coles 8ccon-
daires, colleges) 11. andern romaniſchen Ländern
entſprechen die S. unſern höhern Lehranſtalten.
Selbſtachtung |. Achtung.
Sc
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Selbſtändigkeit, 1. Begriff u. Bedeu-
tung. Die oberſte praktiſche Fähigkeit des Mens-
ſchen iſt ſein Vermögen, ſich frei für od. gegen
eine Handlung zu entſcheiden. Wie die Kraft des
ſreien Wollen3 die Grundlage u. die Möglichkeit
der freien Entſcheidung, der S. ausmacht, ſo iſt
die verwirklichte S. des Wollens u. Handelus auch
ie oberſte Frucht derſelben: „Seitbſtiſt der Mann.“
Der Menſch) iſt ſelbſt verantwortlich für ſein Tun
u. Laſſen. Allerdings ſoll dieſe S. nicht als eine
regel= 11. formloje Willkür ſich darſtellen, ſondern
in freiwilliger Anpaſſung an die Normen, die aus
religiöſen, ethiſchen u. äſthetiſ Lebens hervorgehen. Vor allen Dingen ſoll auch
die religiöſe Richtung u. Betätigung des Menſchen
nicht ein bloßer äußerer Anſchluß od. eine ſklaviſch»
ur ſreudiger Willen3entſcheidung erfolgen, gemäß der
freundlichen Einladung des Herrn: „Gib mir,
mein Sohn, dein Herz.“ Der de3 freien Wollens
fähige Menſch iſt aber von phyſiſchen u. ſozialen
Bedingungen der Natur u. der Umgebung ab=
hängig. Da werden ſeinen Entſcheidungen oft
ſtarke u. unüberſteigbare Hinderniſſe entgegenge-
ſet. Soweit dieſe Schranken phyſiſcher Art ſind
u. unbeſiegbar erſcheinen, iſt es Sache des Ers
kennens u. überlegter freier Entſcheidung, ſich
ihnen anzupaſſen. Soweit ſie moraliſcher Art
ſind, kann e3 Pflicht ſein, ihnen gegenüber ſeine
S. zu behaupten, Gewiß, die Rückjicht auf Eltern,
Angehörige, Freunde, Genoſſen, auf die großen
Verbände, in die jeder hineingehört, beſonders auc
die Rücſicht auf Kir zu manchem Verzicht, zu mancher Anpaſſung.
Dadurc< wird aber die moraliſche S. nicht ge=
fährdet ; im Gegenteil, die angemeſſene Rückſicht»
nahme auf dieſe Verhältniſſe iſt eine der oberſten
Forderungen rechter S., Aber die ſozialen Ver=
hältniſſe, die Freunde, die Genoſſen, die öffentliche
Meinung wollen mich aud) oſt von Entſcheidungen
1. Betätigungen abhalten, die mein beſſeres Er=
kennen mir al3 Pflicht vorhält, u. hier iſt es ganz
bejonder8, wo der Menſc< ſeine S. bewahren, die
Kraft freien Wollens u. Entſchließens bekunden
foll. Nicht Menſ Malſſenſuggeſtion, d. h. willenloſe3 Mitlaufen mit
der Menge, ſollen meine Entſcheidung beſtimmen,
ſondern die eigne Erkenntnis de8 Nechten, die eigne
Zielſekung.
Wenn dieſe ſittliche S. Ziel einer rechten
Willen3entwicklung iſt, ſo muß ſie auch während
u. in der Erziehung angeſtrebt werden ; ja man
muß ſagen, daß Kraft u. S. des Wollen3 in
formaler Hinſicht das oberſte u. vornehmſte Ziel
der Willenabildung ſind. Nun ſteht aber die Er=
ziehung der Entwicklung des kindlichen Wollens
zur S, in gewiſſem Sinne völlig entgegen ; denn
die Möglichkeit der Erziehung iſt aufgebaut auf
Gehorſam, d. h. auf Unterordnung des kindlichen
Wollens unter den Erzieher, alſo auf eine Auf=
hebung des ſelbſtändigen Wollen3, während das

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