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erleichtern u. vor allzu raſcher Ermüdung bewahren.
Nur iſt hinſichtlic) der Abhärtung zu betonen,
daß hierin auch mit Rückſicht auf die Temperatur
empfindungsfähigkeit nicht allzuviel getan werden
ſoll, da ſonſt die normale Unterſchieds8empfindlich=
keit zum Schaden der Geſundheit gemindert wird.
In dieſer Hinſicht muß das Kind ſchon in der
Familie bezüglich der Kleidung (f. d.), des Baden3
(ſ. d.) uſw. an ein beſtimmtes Verhalten gewöhnt
werden; die Schule ſoll dus neu einſchärfen u. auf
etwuige nachteilige Gewöhnungen aufmerkſam
machen. =- Gerud (ſ. Naſe) u. Geſc
(f. d.) dürſen von vernünftiger Schonung nicht
ausgenommen bleiben. Die Pflege de3 Geſchmad-
ſinne8 hat freilich nicht in Verwöhnung auszu-
arten. Der Geruchſinn iſt in dem jugendlichen
Alter vornehmlich gefährdet durc< Erkältung3-
krankheiten der Naſe (ſ. d.). E38 iſt alſo davor zu
warnen, häufige Naſenkatarrhe (|f. Schnupfen)
allzuleicht zu beurteilen. Wenn Wucderungen in
der Naſe die Niechſunktion ſtören, ſo muß der Arzt
Abhilfe zu ſchaſſen ſuchen. =- Der meiſten Acht»
ſamkeit u. Schonung bedürfen Ohr u. Auge. Das
äußere Ohr (f. Ohrenkrankheiten) muß vor allem
geſchüßt werden vor dem Eindringen von Gegen
ſtänden, die den Gehörgang verſtopfen (Erbſen
u. ä.); Kinder klemmen ſid ſelbſt od, gegenſeitig
beim Spiel nicht ſelten ſolche ins Ohr (vgl. Hilfe
leiſtung, Abſchn. II). Der Gehörgang iſt ſerner
von Anſammlungen de8 Ohrenſc halten. Beſonders ſorgfältig iſt darauf Bedacht zu
nehmen, daß die Kinder ſich vor allzu ſtarken
Schallreizen hüten. Sie müſſen, um das Trom
melfell vor dem Plaßen zu bewahren, angewieſen
werden, den Mund zu öſſnen, wenn ſie derartigen
Ein drücken (beſonder38 Shußwirkungen) ſich nicht
entziehen können. Da Rachenkatarrhe durch die
Ohrtrompete leicht auf das Mittelohr übergehen,
iſt auch der Pflege des Rachens alle Auſmerkſams-
feit zuzuwenden. Ebenſo beeinfluſſen Mandel-
wucherungen das Gehör nachteilig. De3gleichen
kann unrichtiges Schneuzen Mittelohrentzin-
dungen hervorrufen (ſ. Naſe, Abſchn. IV). Bei
heſtiger (namentlich kalter) Zugluſt ſind die Ohren
mit einer leichten Binde od. mit ſog. Ohren-
ſchüßern zu bede>en. Wattebäuſch Ohren einzulegen, iſt nicht dur weil dadurch der Gehörgang nur zu oſt verſchloſſen
wird; auch vom Geſichtspunkte der Reinlichkeit
aus iſt e8 nicht unbedenklich. Die Funktion des
Gehör3 wird dur eine Reihe von Ohrenkrank=
heiten (|. d.) gehemmt od. beeinträchtigt; für deren
Behandlung iſt natürlich der Arzt zuſtändig. Eine
Ermüdung des Gehörs wird in der Schule kaum
je dadurc eintreten, daß da3 Kind lange 1. ange
ſtrengt auf ſehr ſchwache od. auf ſchwer unter-
ſcheidbare Töne auſmerken muß; der Geſang= u.
Muſikunterricht darf hier jedenfalls nicht zu viel
verlangen. Aber dadurch kann da8 Kind müde
u. ſchlaſſ werden, daß der Unterricht3ton des Leh-
rer3 zu einſörmig od. zu ſtark iſt. Es iſt S,
Sinnestäuſchungen -- Sinnezsübung.

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u. Sinnesübung zugleich, wenn die richtige Ab»
wechſlung in der Stärke u. die entſprechende Le=
bendigfeit des Lehrton3 (ſ. d. ; vgl. auc den Art.
Leiern) die Kinder in mäßiger Spannung hält. --
Da3 Auge (. Augenerkrankungen) verdient u.
erfordert die allerſorgſamſte Schonung. Von Ge=
burt od. von Kindheit an kranke Augen dürfen
nicht aufs Geratewohl behandelt werven ; ihre
HSxilung od. Beſſerung iſt nur von ärztlicher Seite
zu erwarten. Nur dem Arzt iſt die Unterſuchung
u. Behebung der Shwachſichtigkeit u. Kurzſichtig=
keit zu überlaſſen. Der Lehrer dulde das Tragen
von Brillen (auch von bloßen Schutßbrillen) aus=
ſchließlich dann, wenn der Arzt e8 für geboten er»
achtet. Die Kurzſichtigen ſeße er in die vordern
Bankreihen ; er überzeuge ſich häufig, ob alle
Scüler die Sh genau ſehen können. Zugleich gebe er Anleitung
für die richtige Pflege der Augen, warne alſo vor
der Zulaſſung allzu greller Lichtreize, dringe auf
Neinhaltung der Augen (beſonder8 bei Cnizün-
dungen), verbiete zu vieles Leſen u. Handarbeiten
zu Hauſe, namentlich bei ungenügendem u. bei
künſtlichem Licht. In der Schule iſt vor allem für
gute, gleichmäßige Belichtung de3 Sculſaales zu
ſorgen (ſ. Schulhaus, Abſchn. A, V). Unabläſſig
iſt eine möglichſt gerade Haltung beim Leſen,
Screiben, Zeichnen zu fordern. Da3 normal»
ſichtige Auge bleibe etwa 30 cm vom Buche od.
Papier entfernt. Die Leſeſchrift ſei nicht zu klein;
bei der Druckſchriſt betrage die Höhe de38 Saßkör=
per3 mindeſten3 1,5 mm.- Während der Unter=
richt3zeit gönne der Lehrer den Augen der Schüler
hie u. da auch eine angemeſſene Ruhepauſe, indem
er eine kurze körperliche Übung einfügt. Auf eine
beſondere Art von Ausruhenlaſſen de3 Auges
mache er gelegentlich aufmerkſam, nämlich auf das
Sehen in weite Entfernungen u. über gleichmäßige
(namentlich grüne) Flächen; dadurch tritt eine
wohltuende Entſpannung der Augenmuzskulatur
ein. Bei Schülerwanderungen kann der Führer
das ſelbſt veranlaſſen u. üben. Die ſpätere be=
rufliche Schonung der Augen ſoll der Lehrer
weſentlich vorbereiten, indem er =- vornehmlid)
in der Fortbildungsſhule =- auf die beſondern
Gefahren, die dem Geſichtſinn aus manchen Be=
ruſen erwachſen, hinweiſt u. die entſprechenden
Vorbeugung3= u. Abwehrmaßregeln an die Hand
gibt. Er wird auch nicht verſäumen dürſen, die
Beobachtung dieſer Vorſchriften als ſittliche3 Ge=
bot u. die damit verbundene Selbſtüberwindung
als Gelegenheit für wahre Selbſtvervollkommnung
zu empfehlen.
Citeratur. Vgl. die bei d. Art. Augenex-
krankungen, Ermüdung, Ohrenkrankheiten, Schulz
haus, Schulhygiene, Sinnesübung angegeb. Werke.
[G. Wunderle.]
Sinnestäuſchungen |. Halluzinationen.
Sinnesübung, 1. Bearif u. Aufgabe.
Unter den „Sinnen“ verſtehen wir jene Organe
unſer3 Körpers, von denen beſtimmte äußere Reize

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