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am beſten durc die Pflege des nüchtern abwägen
den Verſtandes u. eines geſunden Wirklichkeit3-
ſinnes entgegen. [3. Götling.]
Spielnacchmittage, Die in den 1880er
Jahren einſehende Spielbewegung führte überall
dazu, einen Teil der Turnzeit dem Spiel zu wid=
men, u. mancherort3 richtete man zudem freie
Spielſtunden u. S. ein. Da jedoch bei wahl-
freiem Spielbetrieb gerade ſvl Wohltai de28 Spiels in körperlicher u. ſittlicher
Hinſicht am meiſten bedurften, wegblieben, drang
der Zentralausſchuß für Volk8= u, Jugendſpiele
bei den Unterrichtsverwaltungen auf Einführung
verbindlicher S., die auch zu Wanderungen, Ci3=
lauf, Baden, Schwimmen uſw. verwandt werden
könnten. Unterſtüßt wurde dieſe Forderung dur
den Hinwei8, daß Nichtbeteiligung an den S.n
zu Herumtreiben, Teilnahme an Schülerverbin=
dungen, Kneipereien ujw. während der angeſeßten
Spielzeit verleiten könne, u. daß anderſeit3 die
Beteiligung am freien Spiel dem Schüler mög
licherweiſe Vorwürſe eintrage, die ſeine Spielfreude
ertöten müßten. Dagegen erklären die Gegner der
S., der Zwang zum Spiel erzenge Widerwillen
U. Troß, es trete Überbürdung ein, u. da8 Be=
ſtimmungörecht der Eltern werde unzuläſſig ge=
ſchmälert. Stichhaltig ſind dieſe Gegengründe
jedoch nicht. Es kann gerade an den S.n bei der
Wahl des Spiel3 u. der Bildung von Spiel-=
mannſchaften größere Freiheit gewährt werden,
Ebenſo tritt Überbürdung nicht ein, wenn keine
Erhöhung der Stundenzahl erfolgt u. für die S.
die Hausaufgaben wegſallen. Geſteht man ferner
dem Staat das Necht zu, die Entſcheidung über
die Ausbildung der Jugend teilweiſe dem Be=
ſtimmungsrecht der Eltern zu entziehen, ſo darf
er auch von ſich aus Maßnahmen gegen die ſchäd=
Jlichen Wirkungen de3 Schullebens treffen. Bei
:dem Wohlwollen, das alle deutſchen Schulbehör=
den dem Spielbetrieb entgegenbringen, darf in
abſehbarer Zeit allgemeine Einführung der ver=
bindlichen S. erwartet werden. An den höhern
"Schulen Braunſchweig3 beſtehen ſie ſchon ſeit
1879 u. ſind außerdem an vielen andern Schu
Jen eingeführt. Sachſen machte ſie 1904 für die
Realſchnlen, Württemberg dur< Crlaß v. 28. Jan.
1906 für alle höhern Knaben= u. probeweiſe für
einzelne Volksſchulen, Baden durch Erlaß v.
2. Nov. 1908 für die höhern Knaben= u. Mäd=
Abſtuſungen u, Einſchränkungen verbindlic verſchiedene Kantone der Schweiz (Knabenreal=
ſchule u. ſtädtiſche Mädchenſchule in Bern, die
Sekundarſchule in Thun u. andre Sekundar
ſchulen dieſe8 Kantons, die Mädchenrealſchule in
St Gallen, das Gymnaſium zu Winterthur, die
vbere Nealſchule in Baſel) haben teilweiſe ſchon
feit 1906 verbindlihe S. od. Spielſtunden,
Bayern u. Preußen ſind dieſen Beiſpielen noch
nicht in vollem Umfange gefolgt, bewegen ſich
aber demſelben Ziele zu. Vedeukungsvoll für den
Lexikon der Pädagogik. 1V,
Spielnachmittage -- Spielpläße.

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Spielbetrieb in Bayern iſt der Erlaß v. 23. Okt,
1912, für Preußen der Erlaß v. 27. Jan. 1909,
der die Cinführung freier S. u. Spielſtunden an=
regt, ſowie namentlich der Erlaß v. 13. Juni
1910, durc den and für die Volksſchulen eine
dritte, ausdrüclich für Spiel, Wanderung, Eis=
lauf, Rodeln u. dgl. beſtimmte Stunde eingeführt
ü. jonnt grundſäßlich verbindliches Spiel ans
geordnet wurde.
Siteratur. Jahrb, f. Volk8» u. Jugendſpiele
1899/1912; nam. 1907 mit 4 Auffäten u. 1908:
Die Volksſchule u. d. S.; H. Raydt, S. (21910).
[I. Götting.]
Spielplätze, 1. Schwierigkeit der Be-
ſchafſſung. Das größte Hemmnis für ausgiebige
Pflege der Jugend= u. Volksſpiele liegt in dem
Mangel an geeigneten S.n u. in der Schwierigkeit,
ſie angeſicht3 der ungeheuern Steigerung der Bo-
denpreijſe zu beſchaſſen. In Garniſonen erweiſt
ſich meiſt die Militärbehörde entgegenkommend,
indem ſie ihre Übungs8pläße zur Verfügung ſtellt.
Dod) kann das zu mancherlei Bedenken Anlaß
geben (ſ. Militärerziehung u. Sculerziehung).
Beſriedigende Zuſtände können erſt erreicht wer=
den, wenn man allgemein die Bedeutung der Bes
wegungöſpiele (f. Spiel) für das Wohl des ein=
zelnen u. der Geſamtheit u. damit zugleich die
Notwendigkeit größerer Opfer für ihre Pflege
anerkennt. Schon bei der Auſſtellung von Be=
bauungsplänen in Städten ſollte von vornherein
auf S. Bedacht genommen werden,
H. Anlage. S. ſollten außerhalb der Wohns=
orte, in höchſtens 20 Minuten erreichbar, frei u.
ungeſtört gelegen ſein, nicht an offne8 Waſſer,
Eiſenbahnen, Fabriken mit ſtarker Rauchentwick=
lung od. übelriehende Betriebe grenzen, dem Be=
dürſni3 angepaßte Größe u. womöglich rechteckige
Geſtalt haben. Der Boden ſei eben, feſt, bis zu
einem gewiſſen Grade elaſtiſch u. weiſe bei Regen=
wetter keine Pfüßen, bei tro>ner Witterung nicht
übermäßige Staubentwi>lung auf. Gewöhnlicher
Wieſenboden entſpricht dieſen Anforderungen nicht,
furzgeſchorener, dichtverſilzter Raſen, der an ſich
am geeignetſten wäre, verträgt keine ſtarke Be-
nußung. Für gewöhnlich wird man ſich) daher für
einen Belag aus ſeinem, aber nicht jharſkantigem
Kies, gemahlener Schlacke od. roter Ziegelſtein=
maſſe vermiſcht mit feinem Sande entſcheiden.
Haben die S. lehmigen od. moorigen Untergrund,
ſo iſt durch leicht abfallende Anlage od. Abzug8=
gräben, die jedoch lo>er u. durchläſſig wieder aus=
zufüllen ſind, die Möglichkeit ſchneller Entwäſſe=
rung zu ſchaffen. Der Einfriedigung dienen am
beſten grüne Hecken. Baumpflanzungen auf dem
S. ſind unzwe>mäßig, können alfo nur al38 Umz=
rahmung u. Windſänge in Frage kommen, Für
das Unterbringen der Spielgeräte, der vor dem
Spiel abzulegenden Oberkleider, eines Verband=
kaſtens 11. eines Schrankes mit verſchließbaren
Fächern zur Auſbewahrung von Wertgegenſtänden
diene ein beſcheidenes Haus od. ein einfacher
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