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gen“ (1840, 1867), II. „Hangübungen“" (1842,
21871), UL, „Etemmübangen“ (1843, *1874),
IV. „Gemeinübungen“ (1846, ?1885); „Turn=-
buch für Schulen“ (2 Bde, 1847/51, ?1880/89,
hr8g. v. J. C. Lion; ſein Hauptwerk) ; „Blik auſ
den ſrühern u, jehigen Stand der Turnkunſt“
(1847).
Literatur. K. Waſſmannsdorff, Zur Würdig.
d. S.ſc üb. Turnen von Ad. S. nebſt Beitr zu |. Lebens
geſch. (n. A. 1877); K. Euler , Enzykl, Handb. d.
geſ. Turnw. 11 (1895); derſ., Geſch. d. Turnunterr.
(31907); K. Noller, Ad. S. Gedenkblatt zu |f. 100-
jähr. Geburtötage (1910); H. Schmeel, Ad. S., d.
Begr. d. deutſch. Schulturnens (1910); J. Bol-
linger-Auer, Ad, S., Leb, u. Wirkſamk. (1910).
[I. Götting.]
Spilleke, Auguſt Gottlieb. 1. Leben.
Geboren am 2. Juni 1778 zu Halberſtadt als
Sohn einfacher Bürgerölente, bejuchte S. die Dom-
ſchule (das jehige Domgymnaſium) ſeiner Vater-
ſtadt u. bezog Oſtern 1796 die Univerſität Halle,
um Theologie zu ſtudieren. Sein großes Jntereſſe
ſür das klaſſiſche Altertum brachte ihn dem be=
rühmten Philologen F. A. Wolf (ſ. d.) nahe, in
deſſen Seminar er die ſeine ſpätere Geiſte3art be=
ſtimmende Nichtung empfing. Mit gediegenen u.
vielſeitigen Kenntniſſen ausgeſtattet, kam er auf
Wolfs Empfehlung in das Haus des Direktor3
des Köllniſchen Gymnaſium38 Oberkonſiſtorialrat
Friedrich Gedike (|. d.) in Berlin, der ihn wohl-
wollend förderte. S,. wurde nicht nur Mitglied
de3 von Gedike 1787 gegründeten Seminars ſür
Gelehrtenſchulen, ſondern wurde ſchon al38 20jäh=
riger Kandidat mit dem Unterricht am Berliniſchen
Gymnaſium zum Grauen Kloſter betraut, Aud
unterzog er ſich mit Erfolg dem Predigtamt3»
examen. 1800--1820 war er Lehrer am Fried=
richswerderſchen Gymnaſium, 1804 übernahm
er auch eine Stelle al3 Hilſ8prediger an der Do-
rotheenſtädtiſchen Kirche. 1810 wurde ihm durd
General v. Scharnhorſt die Stelle eines Lehrers
der deutſchen Sprache u. Literatur an der Kgl.
Kriegsſchule (Krieg3akademie) übertragen, wodurc<
er auch Mitglied der Militärprüfſungsfommiſſion
wurde. Im Spätjahr 1820 wurde ihm die Lei-
tung des Kgl. Friedrich-Wilhelm-Gymmnaſiums
nebſt der damit verbundenen, dur Heer (ſ. d.)
1747 begründeten Kgl. Real- u. Mädchenſchule
anvertraut, Dieſes Amt bekleidete er bis zu ſeinem
am 9. Mai 1841 inſolge eine3 Schlagſluſſe3 er
ſolgten Tode.
11. Pädagogiſche Wirkſamkeit. S. vertrat
am Gymnaſium außer der Neligion ſämtliche
ſprachlichen u. geſchichtlichen Fächer. Al8 Ziel des
Unterrichts erſtrebte er eine Vereinigung der Be-
ruſ3bildung mit der Menſchenbildung, d. h. eine
Vereinigung der beiden Hauptrichtungen in der
geiſtigen Organiſation des Menſchen, nämlich
einerjeits der überwiegend idealen u. wiſſenſchaft=
lichen, anderſeit3 der vorherrſchend realen u. prak=
tiſchen. Da er den Lebensberuf ſeinem Weſen nac
Spilleke, Auguſt Gottlieb.

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als etwas Notwendige8 u. Urſprüngliches auf=
faßte, ſo ſchien ihm hieraus ſchon klar hervor-
zugehen, „daß e3 unmöglich iſt, an dem Knaben
u. Jünglinge das allgemein Menſchliche aus-
zubilden, ohne zugleich ihn zu ſeiner fünſtigen,
nicht äußerlich, ſondern innerlich ihm gegebenen
Beſtimmung vorzubereiten“ (Weſen der Ges
lehrtenſchule 23). Hieraus leitete er die beiden
auptarten von Schulen, nämlich die Gelehrten=
jchule u. die NReal= od. Bürgerſchule ab. Die
Gegenſtände des Unterricht3 auf der Gelehrten=
Iule teilte er in ſolche der Geſchichte (das Wort
in ſeiner weiteſten Bedeutung genommen) u. in
ſolche der Naturkunde. Der Unterricht in der Ge=
ſchichte ſollte in dieſen Anſtalten da8 Übergewicht
über die Naturkunde haben. Die ewige Jdee des
Leben3 od. das Göttliche hat ſich nach S. nirgends
„eicher, friſcher, fräſtiger geoſſenbart, nirgends
hat fie jo tief alle Verhältniſſe des Lebens ergriffen
u. dieſe zu einem in ſich zuſammenhangenden Gan=
zen, gleichſam zu einem großen Leben8kunſtwerk
geſtaltet, als unter Griechen u. Römern“ (ebd.
S. 31). Daraus ſolgt, daß die Altertumskunde
die Grundlage aller gelehrten Shulbildung ijt.
Geiſt u. Körper durchdringen fich aber nirgends
auf ſo wunderbare Weiſe wie in der Sprache.
Dieſe muß daher auf allen Stufen de3 gelehrten
Unterricht38 betrieben werden. „Keine andere
Sprachen aber kennen wir, welche ſo vollkommen
organiſiert, keine, wo der beſeelende Geiſt in das
feinſte, zarteſte Geäder ſo harmoniſch hindurd»>=
gedrungen, feine zugleich, welche ein ſo beſtimmt
ausgeprägtes Bild von dem Leben, dem Charakter,
der Verfaſſung de3 Volke8 wäre, welches ſie redet,
als die griechiſche u. römiſche : daher ergibt ſich,
daß das Erlernen der griechiſchen u. römiſchen
Sprache der Anſang u. das Ende alle8 Unterrichts
bleiben muß, ſolang es Gelehrtenſchulen geben
ſoll“ (ebd. S. 32).
In der Naturkunde verlangte S. nach dem Vor-
gange Peſtalozzis, daß durc) ſie vor allem der
Sinn für die Natur gewet u. an dieſer das Auge
geſchärft werde. In der Mathematik foll nicht
von den fertigen Syſiemen der Mathematiker,
ſondern gleichſalls von der Anſchauung aus8=
gegangen werden, u. e3 wird gefordert, daß dieſer
Unterricht „ſic) an die Naturkunde, in3beſondere
an die Phyſif anſchließe, damit das Geſeß, welche3-
in dieſer auf eine reale Weiſe ſich offenbart, auch
dur< die Operationen des Verſtande3 in ſeiner
Notwendigkeit angeſchauet werde u. ein ähnliches
Verhältnis zwiſchen beiden ſtattfinde, wie zwiſchen
der allgemeinen Sprachlehre u. der Kenntnis der
Geſetze einer beſondern Sprache". Jm Religions=
unterricht empfahl ex, die Schüler unmittelbar zur
Hl. Schriſt zu führen u. den Glauben an Chriſtus
in ihnen zum E>ſtein werden zu laſſen, auf dem
das wiſſenſchaftliche Gebäude, das aufgeführt wer-
den ſoll, unerſchütterlich ruhe. Namentlich wichtig
iſt aber S.3 Schlußſorderung: „IJn8beſondere aber
ſei unſer Bemühen darauf gerichtet, daß wir alle8,

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